Montag, 21. August 2017

Rezension "Todesblau" von Felix Leibrock - Knaur Taschenbuch


Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426516160
ISBN-13: 978-3426516164
D: 9,99 Euro







Inhalt:


Sascha Woltmann lässt sich aus Sorge um seine betagten Eltern aus dem hektischen Berlin ins eher beschauliche Weimar versetzen. Sein Problem: Hier darf er erst mal nur als Streifenpolizist arbeiten. Doch als er zu einem Tatort gerufen wird und die Leiche einer älteren Frau findet, kann er es nicht lassen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ein riskantes Unterfangen, wäre da nicht seine alte Freundin, die Polizeihauptkommissarin Mandy Hoppe, die ihm immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht.
Quelle: Amazon



Der Autor:


Felix Leibrock ist Polizeiseelsorger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, leitet das Evangelische Bildungswerk im Zentrum Münchens und ist Mitglied der Evangelischen Redaktion bei Antenne Bayern. Früher war er Stadtkulturdirektor von Weimar und Pfarrer in Thüringen. Er lebt in München und Weimar. Seine Krimis TODESBLAU und EISESGRÜN vermitteln Weimarreisenden unterhaltsam viel Wissen über die Stadt. Aber die Handlung könnte sich so ähnlich überall abspielen. Leibrock ist auch für seine Literaturabende bekannt, an denen er aktuelle Neuerscheinungen unterhaltsam vorstellt. Mehr unter www.felixleibrock.de
Quelle: Amazon




Rezension:



Schon lange wollte ich diese Weimarer Krimireihe lesen. Immer wieder hat sich etwas dazwischen geschoben. Doch nun erscheint bereits am 01.09.2017 offiziell das Taschenbuch zum dritten Teil und es gab keine Ausreden mehr. Ich habe mich auf kriminalistische Spurensuche in meine Heimatstadt nach Weimar begeben. 

Es ist ein anderes Lesen, wenn man sich in einer fiktiven Geschichte an Orten bewegt, die man aus Kindertagen kennt. Alles wirkt vertraut und durch die liebevollen detaillierten Beschreibungen einfach nur heimisch. Auch wenn es sich um einen Krimi handelt, ist der Schreibstil gerade im Hinblick auf die Natur- und Ortsbeschreibungen farbig poetisch. Wer Weimar nicht kennt, wird sich nach dieser Lektüre in den Straßen und Parks des Städtchens bestens zurechtfinden. 
Hier merkt man, dass Felix Leibrock die Örtlichkeiten sehr gut kennt und spürt in jeder Zeile seine Liebe zu Weimar und seinen Einwohnern. Er weiß, wie die Menschen hier ticken und fängt die Atmosphäre perfekt ein.

Geschickt verweben sich die persönlichen Schicksale der Protagonisten mit den Ermittlungen. 
Diese werden ausdrucksvoll, mit all ihren Ecken und Kanten dargestellt. Dem Autor ist eine wundervolle Charakterzeichnung gelungen. Ob nun der spleenige Chef Remde, die taffe Mandy Hoppe, bei der ich immer ein Geheimnis hinter der oft harschen Fassade vermutete oder Sascha Woltmann, dessen Sorge um seine Eltern hypochondrisch, aber dennoch sehr liebenswert wirkt. Sie alle prägen das Geschehen und verleihen diesem Krimi seine Lebendigkeit.

Unterhaltsam begibt man sich neben der kriminalistischen Spurensuche auch auf eine Zeit- und Kunsthistorische Reise durch die Klassikerstadt. Kurze Rückblenden in die Zeit des Naziregimes machen neugierig. Die Bombardierung des Weimarer Kindergartens 1945 ist mir aus Erzählungen meiner Oma, die damals gerade vierzehn Jahre alt war, bekannt. Und ja, dadurch waren auch die Gefühle beim Lesen intensiver. Der Abstand zum Geschehen ist kaum zu spüren, alles wirkt sehr real.

Ein gut durchdachter Handlungsstrang sowie ein mit Humor gespickter Plot versprechen spannende Lesestunden. Trotz vieler Hinweise hinkt man der Entlarvung des Täters immer einen Schritt hinterher und die Lösung des Falls ergibt sich erst im letzten Showdown. 

Ich befinde mich schon mit einem Auge im nächsten Band "Eisesgrün" und bin auf die weitere Entwicklung der Protagonisten gespannt. 




Donnerstag, 17. August 2017

Rezension "Death Call - Er bringt den Tod: Thriller (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 8)" von Chris Carter - Ullstein Taschenbuch


    Taschenbuch: 416 Seiten
    Verlag: Ullstein Taschenbuch (11. August 2017)
    Sprache: Deutsch
    Übersetzung: Sybille Uplegger
    ISBN-10: 3548289525
    ISBN-13: 978-3548289526
    Originaltitel: The Caller
    D: 10,99 Euro




    Inhalt:


    Er findet dich. Immer. Überall.

    Tanya Kaitlin freut sich auf einen entspannten Abend. Plötzlich klingelt ihr Handy, ein Videoanruf von ihrer besten Freundin. Tanya nimmt den Anruf an, und der Alptraum beginnt: Ihre Freundin ist gefesselt und geknebelt. Tanya hat eine Chance, die Freundin zu retten, hört sie von einer tiefen, unheimlichen Stimme. Sie muss nur zwei Fragen richtig beantworten. Sie scheitert - und ihre Freundin wird vor ihren Augen brutal ermordet. Profiler Robert Hunter und sein Partner Garcia haben einen neuen Fall: ein Serienmörder, der seinen Opfern in den sozialen Medien auflauert. Er studiert ihre Fehler und nutzt sie für sein perfides Spiel. Und das hat gerade erst begonnen ...
    Quelle: Ullstein Buchverlage


    Der Autor:


    Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Gegenwärtig lebt Chris Carter in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.
    Quelle: Ullstein Buchverlage




    Rezension:

     
    Nach diesem Thriller möchtet ihr keine Videoanrufe führen - glaubt mir.

      Fast ein Jahr ist es her, dass ich Chris Carter live zur Eröffnungsveranstaltung seiner recht kurzen Deutschlandlesetour im Rahmen der Erfurter Herbstlese erleben durfte. Ein Abend, der noch immer nachhallt. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Der sympathische Autor hat mich in seinen Bann gezogen und bis heute nicht losgelassen. Andererseits kam es mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich seinen neuesten Thriller in den Händen halten durfte.
      Ein absoluter Pageturner.

      "Death Call" brilliert einmal wieder durch seine detaillierten Schilderungen, besonders im Hinblick auf die Psyche der beteiligten Personen. Dieser Thriller ist nichts für zart besaitete Leser, dennoch nimmt sich Chris Carter - im Vergleich zum vorherigen Band - in seinen Ausführungen sehr zurück. Ja, die Szenen sind brutal, doch trotz der bildhaften Beschreibungen verbleiben die extremsten Details der Vorstellungskraft jedes Einzelnen. Ihr entscheidet, wie weit sich die Bilder in Euren Köpfen manifestieren.

      Im Laufe der Handlung lässt er uns die Opfer näher kennen lernen, Sympathien zu diesen entwickeln, um seine Leser anschließend in einem gekonnten Schachzug mit in den Abgrund zu reißen. Es gibt immer zwei Opfer. Eines, das die physischen Qualen ertragen muss und eines, das ein Leben lang psychisch gestraft sein wird. Die Ideologie hinter den Taten ist erschreckend wie traurig.
      Chris Carter hat eine besondere Art, mit Worten Bilder zu entwerfen und somit eine Art Film in den Kopf des Lesers zu projizieren. Seine Protagonisten werden zu Freunden, Verbündeten und umso schmerzhafter ist anschließend der Verlust.



    Der Autor schafft es scheinbar mühelos den Spannungsbogen von Kapitel zu Kapitel steigen zu lassen. Winzige Cliffhänger an deren Enden bewirkten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Der Täter bleibt bis zum Schluss im Dunklen verborgen und so mancher Lösungsweg erweist sich als Sackgasse. Ich habe bis zur Entlarvung des Mörders nicht sagen können, um wen es sich handelt. Verschiedene Handlungsstränge sorgen für einen weiteren Kick. Schlussendlich verlaufen sie aber auf einen gemeinsamen Punkt hinaus.
    Einer ist die angehende "Lovestory" für Hunter. Mein Lieblingsprotagonist und Ermittler ist und bleibt Hunter. Ich hoffe, das leichte Schmetterlingsflattern wird im nächsten Band zum Flügelschlagen. Verdient hätte er es.

    Neben Spannung und Unterhaltung gibt uns Chris Carter dieses Mal noch einige Denkanstöße mit auf den Weg. Wir alle bewegen uns in den verschiedenen Bereichen der Social Media. Ganz selbstverständlich teilen wir Gedanken, Erlebnisse, Fotos und vieles mehr. Welche Gefahren sich hinter dieser Transparenz verbergen, wird spätestens nach "Death Call" noch einmal deutlich bewusst.


    Auch Band 8 der Hunter-Garcia-Reihe ist ein absolutes MUSS für Thrillerliebhaber.



Sonntag, 13. August 2017

Rezension "All die verborgenen Dinge" von Sarah Moore Fitzgerald - FISCHER KJB



Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (23. März 2017)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Adelheid Zöfel
ISBN-10: 373735197X
ISBN-13: 978-3737351973
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
D: 14,99 Euro





Inhalt:


Glück ist (k)ein Wunder
Unten am Fluss liegt das Glück. Genauer gesagt im Wohnwagen am Flussufer. Er ist einer dieser wenigen Orte auf der Welt, wo man sagen kann, was man denkt und sich nicht verstellen muss. Dort wohnt Ned. Er ist neu an Mintys Schule und so ganz anders als alle anderen. Die Mitschüler finden ihn seltsam, wollen nichts mit ihm zu tun haben. Aber Minty ist fasziniert. Ned traut sich, ganz er selbst zu sein, egal, was andere denken. Im Gegensatz zu Mintys Eltern, die sich gerade getrennt haben und so gar nicht sie selbst sind. Durch ihre Freundschaft zu Ned sieht Minty, was so vielen verborgen bleibt: Wir entscheiden selbst, wie wir die Welt sehen. Glück ist kein Wunder, wir haben es selbst in der Hand.
Authentisch, einfühlsam und mit ganz viel Herz.
Quelle: S. Fischer Verlag




Die Autorin:



Sarah Moore Fitzgerald, geboren 1965 in New York, USA, ist Professorin für Psychologie. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Limerick, Irland, und glaubt ganz fest an die magische Wirkung von Apfelkuchen. Und daran, dass man die Hoffnung niemals aufgeben darf.

Literaturpreise:
›Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens‹:
Nominiert für den Waterstones Children's Book Prize (Shortlist) 2015
Ausgezeichnet mit dem Irish Book Award 2014
Quelle: S. Fischer Verlag





Rezension:


Bereits mit  "Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens" konnte mich Sarah Moore Fitzgerald vor einer Weile sehr begeistern und nun war ich auf ihr neuestes Werk mehr als gespannt. 

Wieder bewegen wir uns in der realen Welt und erhaschen einen Blick auf die Gedanken- und Gefühlswelt Heranwachsender unter dem Einfluss ihrer familiären Zustände. Es geht um alltägliche Probleme in der Schule, im Freundeskreis und mit den Eltern. 

Missverständnisse können lawinenartig Aktionen in Gang setzen. Halbwahrheiten zeigen, um wie vieles wichtiger Ehrlichkeit im Umgang miteinander ist.
Die Protagonisten im Buch kämpfen mit dem Alleinsein, Intoleranz, Ausgrenzung, Vorurteilen der Gesellschaft, den eigenen Unsicherheiten und Träumen. Wir erleben, wie zerbrechlich zart geknüpfte Bande der Freundschaft sind und wie stark die innere Verbundenheit dennoch werden kann.

"Gerüchte sind nur Wörter. Sie schweben durch die Luft, von einer Stimme zu anderen, und sie sind unsichtbar. Komisch, wenn man sich überlegt, wie viel Macht sie trotzdem haben können." 

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Minty erzählt und der Leser findet sich nach kurzer Orientierung sehr gut in ihre Gedankenwelt hinein. Ned besticht dagegen mehr durch die von Minty beobachteten Handlungen und ihre Beschreibungen seines Gemütszustandes. Man ist versucht, selbst in die Geschichte einzugreifen und gegen die Ungerechtigkeiten, denen besonders Ned ausgesetzt ist, anzukämpfen. Beide Protagonisten könnten unterschiedlich nicht sein und doch existiert zwischen ihnen eine Verbundenheit, gegen die sie sich nicht erwehren können. 

"So viel verschiedene Gefühle meldeten sich: Loyalität und Verbundenheit, Hoffnung und Freundschaft."

Der bildhafte, stellenweise poetische und ausdrucksstarke Schreibstil der Autorin hat mich hier wieder einmal fesseln können. Aufgrund kurz gehaltener Kapitel ist es es möglich, passende Leseunterbrechungen einzufügen, wobei sich die 240 Seiten des Buches recht zügig lesen lassen. Dabei muss man immer wieder innehalten, um die wundervollen Zitaten im Buch genießen zu können.

Leider geht Sarah Moore Fitzgerald dieses Mal für mich nicht genug in die Tiefe. Sie belässt es bei kurzen Anschüben und plätschert mehr an der Oberfläche herum. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Intensität gewünscht. Dennoch entwickelt man bei Lesen eine starke Verbundenheit mit Ned und Minty. 

Es ist eine Geschichte, die bewegt, über Abenteuer und den Wert von Ehrlichkeit, Vertrauen und Freundschaft. 

Montag, 7. August 2017

Rezension "Mitternachtstango" von Katrin Koppold - Books on Demand





Taschenbuch: 388 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (14. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3743149257
ISBN-13: 978-3743149250
D: 11,99 Euro








Inhalt:


Ich wollte mein Herz nie wieder an etwas hängen, von dem ich nicht ertragen könnte, es zu verlieren. Aber so funktioniert das Leben nicht ...
Die Journalistin Amelie Schneider arbeitet in ihrer Freizeit als Klinikclown und liebt diesen Job über alles. Um ihre kleinen Patienten aufzuheitern, ist ihr keine Mühe zu viel. Deshalb denkt Amelie auch nicht lange nach, als sich ein kranker Junge ein Autogramm des Hollywoodstars Nik von Hohenstein wünscht: Schließlich muss sie sowieso nach Südfrankreich, wo Nik gleich mit seiner ersten Regiearbeit als heißer Anwärter auf die Goldene Palme gilt.
Doch ein paar Tage vor der Preisverleihung wird der ebenso ehrgeizige wie attraktive Nik in einer höchst pikanten Situation erwischt und hat ganz andere Probleme, als den Autogrammwunsch eines kleinen Jungen zu erfüllen. Womit er allerdings nicht gerechnet hat: Amelie ist überaus hartnäckig und bald auch die Einzige, die ihm aus seinem Schlamassel heraushelfen kann ...
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Katrin Koppold:
"Wenn du an eine Weggabelung kommst, geh einfach drauf zu".
Dieses Zitat aus dem Film "360°", das die Autorin ihrem Debutroman "Aussicht auf Sternschnuppen" vorausgestellt hat, trifft ihre Lebensphilosophie ziemlich genau. Nicht lange zaudern, Neues ausprobieren, auch wenn man sich dabei blaue Flecke holt, Risiken eingehen, Visionen haben!
Nach Abitur und Studium ist Katrin Koppold viel gereist, hat die Welt erkundet, als Fitnesstrainerin, Journalistin, Mode- und Kosmetikdarstellerin und in einem Restaurant gearbeitet, bevor sie den Mann ihrer Träume kennen gelernt hat und sesshaft geworden ist. Heute lebt sie mit ihrer Familie und den Katzen Merlin und Fiona in einem Häuschen in der Nähe von München.
Ihre Romane rund um die Liebe, das Leben und das große Glück lässt sie immer wieder an Orten spielen, an die sie ihr Herz verloren hat: Italien, Irland, München, Paris ...
Quelle: Amazon

Rezension:


Den Verlauf der Geschichte dürfen wir aus zwei Perspektiven erleben. Einmal aus Amelies und einmal aus Niks Sicht erhalten wir einen Einblick auf ihre Gefühls- und Gedankenwelt. „Mitternachtstango“ ist erneut eine Achterbahnfahrt durch unsere Emotionen. Romantisch, witzig, spannend, ernst und gefühlsgeladen darf sich der Leser durch die Seiten tragen lassen.

Starke Protagonisten und der aktuelle ernste Grundton (DKMS) sorgen für eine Ausgewogenheit zwischen Unterhaltung und nachdenklich stimmenden Passagen.
Dennoch ist es ein heiteres Buch, in das man leicht eintauchen und sich fallen lassen kann.

Trotz aller Leichtigkeit hat Katrin Koppold es wieder getan und eine winzige Passage eingefügt, auf die ich ehrlich gestanden, schon gewartet hatte. Ich wusste, ich würde meine Taschentuchpackung brauchen…

Als wunderbar exzentrisch empfand ich Amelies Freundin und Kollegin Lieselotte mit ihrer Wünschelrute „Herbert“. Ich könnte sie mir gut als Protagonistin in einem weiteren Roman vorstellen.

Lebendig sowie farbig beschriebene Handlungsorte entführen uns romantische Dörfer und pulsierende Großstädte. Man bekommt direkt Lust, sich ins Auto zu setzten und loszufahren bzw. zu fliegen.

Nehmt euch einen Kurzurlaub und reist in die Welt von "Mitternachtstango".


Mittwoch, 2. August 2017

Rezension "Im Glashaus gefangen zwischen Welten" von Devakumaran Manickavasagan (Deva) - Engelsdorfer Verlag / Nova MD Verlag




Taschenbuch: 195 Seiten
Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (31. Juli 2012)

             Nova MD Verlag; Auflage 2 (18. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862689204
ISBN-13: 978-3862689200
D: 6,81 Euro / 2. Auflage: D: 14,50 Euro









Inhalt:


»Im Glashaus gefangen zwischen Welten« bietet einen Einblick in das Leben von Migranten, die ihre Heimat verlassen haben, um im Exil einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Am Beispiel der Jugend der in Deutschland lebenden Exil-Tamilen, zu denen er selbst gehörte, beschreibt der Autor Probleme und Hindernisse, die mögliche Gründe für eine verfehlte Integration sind. Von der einen Kultur in die andere gestoßen und in ihren Gefühlen verletzt, wissen sie oft nicht, wie ihr weiterer Weg verlaufen soll. Der Blick hinter die Kulissen ermöglicht betroffenen Migranten eine andere Sichtweise auf die Dinge und zeigt mögliche Wege auf.
Quelle: Amazon






Der Autor:



Devakumaran Manickavasagan, geb.1987 in Ratingen.
Seit über 10 beschäftigte er sich mit dem Wandel verschiedener Kulturen in Deutschland. Dies gelang ihm durch den Austausch mit betroffenen Menschen,begleitet von zahlreichen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen mit dem Leben zwischen zwei Kulturen. Während der Flüchtlingskrise, die Deutschland im Jahre 2015 heimsuchte, konnte er als Betreuer und später Leiter einer Notunterkunft mit seiner tatkräftigen Unterstützung einen wertvollen Beitrag für die neu angekommenen Menschen in Deutschland leisten. Der Autor war lange Jahre im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aktiv, um seine Forschungen und Beobachtungen, die er persönlich im Glashaus gemacht hat, zu widerlegen

Mehr über den Autor: www.devamanick.com
Quelle: Amazon



Rezension:


Nach einem sehr netten und höflichen Kontakt, hat mich dieses bereit 2012 erschienene Buch direkt über den Autor erreicht.
Die Problematik ist aktueller denn je und ich war gespannt, ob ich hier Antworten auf meine unterschiedlichen Fragen finden würde.

Der Buchtitel leitet sich von dem Ausspruch "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ ab, der wohl jedem bekannt ist. Doch was genau bedeutet er wirklich?

Hier gibt es unterschiedliche Interpretationen, die letztendlich jedoch auf dieselbe Aussage abzielen.

Man sollte niemanden Dinge vorwerfen, die man selbst tut bzw. getan hat. In heiklen Situationen sollte man darauf achten, nicht unüberlegt zu handeln und diese dadurch zu verschlimmern. Kritik an anderen ist leicht geübt, doch sollte niemand ein Urteil über das Verhalten anderer Personen fällen, wenn man selbst kein anderes Verhalten an den Tag legt.

Ich habe im eigenen Bekanntenkreis den Fall, das von der betreffenden Person öffentlich harsche Kritik für etwas geübt wurde, Leute regelrecht verdammt wurden, auf Unverständnis sowie Ablehnung stießen, das der Kritikübende selbst in der Vergangenheit nicht anders gehandhabt hatte. Ja, man kann seine Ansichten ändern. Wenn ich jedoch Kritik übe, denselben „Fehler“ aber selbst auch begangen habe, sollte dies nicht unerwähnt bleiben. So aber wirken die Äußerungen für mich heuchlerisch.

Wie münzt der Autor nun dies auf das Thema seines Buches um? 

Deva spricht aus eigener Lebenserfahrung heraus. Er verschweigt gemachte Fehler nicht und zeigt seinen Weg der Verarbeitung auf. Der Autor verdammt nicht, er entschuldigt auch nichts. Sein Anliegen ist darauf ausgerichtet, Verständnis zu schaffen - für die Probleme von Migranten und deren Kindern, Betroffenen einen Ausweg zu zeigen und Hilfestellungen zu geben. Er möchte nicht, dass wir das Verhalten akzeptieren, sondern die Gründe, den Ursprung begreifen, aus denen sich diverse Problematiken entwickeln.

Wir sehen nur die Flüchtlinge, die ins Land strömen, Forderungen stellen, aber dennoch keine Verbundenheit mit der neuen Heimat aufbauen wollen. Der erste Gedanke von Flüchtlingen ist immer die Flucht und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Dabei bleiben Pläne, wie dies in einem neuen Land, ohne Hab und Gut zu realisieren ist, außen vor. Das Erwachen kommt meist zu spät. Es ist ein Neuanfang, der viele vor unüberwindbare Hürden stellt. Sprachbarrieren und veraltete Wertvorstellungen behindern einen fortschrittlichen Weg. Handlungsweisen verstärken sich ins Extreme, weil man eine Art Heimatgefühl bewahren möchte. Der Wunsch selbst ist nur zu verständlich, an der Umsetzung hapert es. Die Kinder dieser Familien sind am schlimmsten getroffen. Sie bewegen sich zwischen zwei Kulturen, zwei Welten und gehören doch nirgends wirklich dazu. Wo liegen ihre wahren Wurzeln und wie verbunden sind sie noch mit diesen? Es folgt eine oft lebenslange Identitätssuche.

Kontroversen sind vorprogrammiert. Fehlverhalten oder die Fluch in die vorgelebten, meist von Gewalt geprägten Muster, resultieren hieraus. Deva betreibt Ursachenforschung, ohne Anklage zu erheben. Er möchte wachrütteln und Konfliktlösungen aufzeigen.

Mir hat das Buch zum Beispiel die Frage, warum Migranten ihre Religion strenger ausüben, sich oft nur in ihre eigenen Kulturkreise zurückziehen, dafür von der Kultur des Landes, in dem sie Zuflucht gesucht haben, abkapseln und regelrecht fanatisch an Sitten und Gebräuchen der alten Heimat festhalten, beantwortet.

„Im Glashaus gefangen zwischen Welten“ würde ich in den Bereich Sachbuch einordnen. Es ist informativ und hilft, Verhaltensweisen nachvollziehen zu können. Dabei fordert das Buch beim Lesen große Aufmerksamkeit, denn was sich anfangs noch leicht wie eine Art Autobiografie liest, wird mit Fortschreiten psychologisch und philosophischer. Der Schreibstil gleicht an vielen Stellen einer wissenschaftlichen Abhandlung, dann wechselt der Autor wieder ein einen eher erzählerischen Tenor.

Natürlich darf man die vom Autor getätigten Ausführungen nicht auf alle Menschen ummünzen. Es gibt viele Ausländer, die sich in ihrer Wahlheimat voll integrieren, einen ausgewogenen Weg zwischen der Landeskultur und dem mitgebrachten Glauben finden konnten.

Auch blitzt beim Autor immer mal wieder ein verklärter Blick auf das Leben deutscher Jugendlicher und ihrer Familien durch. So unähnlich sind die Strukturen im Vergleich zu tamilischen Familien gar nicht. Leistungsdruck wird auch hier sehr oft aufgebaut. Spricht man mit deutschen Jugendlichen, fühlen sich diese in ihren Freiheiten von den Eltern auch eingegrenzt.

Das Unbekannte, das, was man selbst nicht leben darf oder kann, erscheint immer als erstrebenswertes Ziel. Doch manchmal unterscheidet sich das angestrebte Leben nur in wenigen Punkten von dem eigenen. Ungebrochen dessen bedeutet es eine Gratwanderung, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen und den eigenen Weg zu finden.

Deva hat mit seinem Buch einen Schritt in die richtige Richtung getan. Er öffnet denen, die es zulassen, den Blick auf die Möglichkeit von einem Leben mit Traditionen und Fortschritt, unter dem Einfluss verschiedener kultureller Strömungen, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. Allen anderen gibt er hoffentlich ein wenig mehr Verständnis für unsere Mitmenschen mit auf den Weg.


Sonntag, 30. Juli 2017

Rezension "Die Leichtigkeit" von Catherine Meurisse - Carlsen Verlag






Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Carlsen (20. Dezember 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551734240
ISBN-13: 978-3551734242
D: 19,99 Euro





Inhalt:


Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden. Mit „Die Leichtigkeit“ hat Catherine Meurisse ein intensives und sehr persönliches Buch geschaffen, das ihrer Trauer Raum gibt und zugleich eine Ermutigung ist, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern.
Quelle: Amazon






Die Autorin:


Catherine Meurisse studierte Französisch und Literatur in Poitiers und anschließend Illustration - zunächst an der Estielle Schule in Paris und später an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs. Während dieser Zeit entstehen ihre ersten professionellen Illustrationen. Seit 2001 arbeitet sie für Charlie Hebdo und wird 2005 Redaktionsmitglied. Sie veröffentlicht Karikaturen und Zeichnungen in Le Nouvel Observateur, Libération und weiteren Zeitschriften, zudem hat sie auch mehrere Kinderbücher illustriert. Neben ihrer Arbeit für Charlie Hebbdo veröffentlichte sie auch Comics für Kinder und Erwachsene. "Die Leichtigkeit" ist ihre erste Veröffentlichung in Deutschland.
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Rezension:



Manchmal bestimmt ein winziger Augenblick den weiteren Verlauf unseres Lebens. Die einen nennen es Schicksal, Vorsehung, Zufall oder einen glücklichen/unglücklichen Moment im Universum. Dies kann ein Eindruck, ein Bild, eine Reportage, eine Begegnung oder wie bei Catherine Meurisse eine Verspätung sein.





Der Spruch "Zur falschen Zeit am falschen Ort" sagt sich leicht dahin. Doch es gibt Momente, da hat dies unaussprechliche Folgen. Folgen für die direkt Betroffenen, aber auch ihre Familien und Freunde.

Noch am Vormittag des 7. Januar 2015 erschien "Charly Hebdo" mit einem provokanten Spruch unter einer Karikatur auf der abschließenden Seite. Provokant und polarisierend waren die Artikel und Karikaturen schon immer. Ein Satire-Magazin, das mutig unbequeme Wahrheiten beim Namen nennt. Doch an diesem unvergessenen Tag sollten die letzten Worte eine erschreckende, bittere Wirklichkeit annehmen.



Catherine Meurisse kommt an diesem Tag nur wenige Minuten zu spät zur Arbeit. Minuten, die ihr das Leben retten sollen. Denn am 7. Januar 2015 drangen zwei maskierte, bewaffnete Al-Quaida Terroristen in das Redaktionsgebäude. Am Ende offenbart sich ein Blutbad. Elf Menschen sterben, elf weitere werden teils schwer verletzt. Freunde, langjährige Kollegen sind von einem Moment auf den anderen nicht mehr da.

Catherine verliert buchstäblich den Boden unter den Füßen. Hinzu kommen die Selbstvorwürfe. Warum ist sie noch am Leben? Wie soll das Leben weitergehen? Verstehen kann man diesen Akt der Gewalt nicht. Wie kann man damit aber weiterleben, täglich den Erinnerungen gewachsen sein, das Gedankenrad nicht immer wieder um diesen einen Moment kreisen lassen?



Catherine verliert "Die Leichtigkeit" in ihrem Leben, ihr Denken, Handeln und ihre kreative Inspiration. Verarbeitet hat sie ihre Gefühle und das Fehlen eben dieser in der vorliegenden Graphic Novel. Anfangs existiert Catherine nur noch. Die Fröhlichkeit, der Esprit ist aus ihrem Geist entschwunden, scheint für immer verloren. Es bedarf eines langen zähen Weges, zu ihrem inneren ICH zurück zu finden. Selbstzweifel, Wut, Frustration und ein unbändiger Wille zu leben, treiben sie dabei an. Die Kunst ist eine Art rettender Anker für sie. Die Erinnerungen an ihre ermordeten Freunde lassen sie in einer tiefen Trauer versinken und spenden doch auch genug Kraft, einen Neuanfang zu wagen.

"Die Leichtigkeit" ist nicht nur ihr Weg zurück ins Leben, eine Mahnung und eine Verarbeitung der seelischen Wunden für Catherine Maurisse. Es ist ein Buch, das Mut gibt. Es zeigt, dass wir uns nicht unterkriegen lassen dürfen. Denn Situationen, in denen wir unsere Leichtigkeit verlieren können, gibt täglich viele.

Bewahrt euch eure Leichtigkeit und haltet das Glück und die Liebe in eurem Leben fest. Genießt die Schönheiten des Alltags und gebt niemals auf.





Ich habe dieses Buch als Wanderbuch im Rahmen eines Projektes von Astrolibrium bekommen. Gerade bei diesem Thema ist es wichtig, jemanden an seiner Seite zu wissen. 

Weitere Gedanken auf der Reise zur "Leichtigkeit" findet ihr unter den nachfolgenden Links bei:

Arndt von Astrolibrium

Yvonne und Paulinchen von Lesende Samtpfote


Freitag, 28. Juli 2017

Rezension "Apfelkuchen am Meer" von Anne Barns - MIRA Taschenbuch




Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1 (8. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3956497104
ISBN-13: 978-3956497100
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Der süße Duft des warmen Kuchens, der sich mit dem salzigen des Meeres vermischt, das ist für Merle das Aroma der Ferien ihrer Kindheit – das Aroma der Apfelrosentorte. Seit Generationen wird das geheime Rezept in Merles Familie weitergereicht. Als eine Freundin ihr erzählt, dass sie genau diese Torte in einem Café auf Juist gegessen hat, macht Merle sich spontan auf die Suche nach der Bäckerin. Unweigerlich führt ihr Weg sie zurück auf die Insel, wo noch mehr Geheimnisse verborgen liegen als nur ein Familienrezept.

Quelle: Amazon


Die Autorin:


Anne Barns ist ein Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie liebt Lesen, Kuchen und das Meer. Zum Schreiben zieht sie sich am liebsten auf eine Insel zurück, wenn möglich in die Nähe einer guten Bäckerei.

Quelle: Amazon


Rezension:



„Apfelkuchen am Meer“ weckt schon mit den ersten Seiten die Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Strand und Meer – Inselurlaub pur. Ich habe mich sofort festgelesen und von langen Strandspaziergängen geträumt. Wie Merle liebe ich das Wasser und sammle begeistert Steine und Muscheln. Nur Bernstein habe ich bisher nie entdeckt.

Doch Merles Ausflug auf die Insel ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen werden geweckt, alte Geheimnisse treten ans Tageslicht und halten einige Überraschungen bereit. Nebenbei dreht sich das Liebeskarussell und dieser Inselsommer verändert nicht nur Merles Leben und Zukunftspläne.

Die Frauen in Anne Barns Buch stehen mit beiden Beinen fest im Leben, halten zusammen und man kann das besondere Band zwischen Ihnen auf jeder Seite spüren. Solche Freundinnen wünscht man sich im Leben. Aber auch die männlichen Bewohner haben es in sich. Doch einfach machen es Ihnen die Frauen nicht.




Juist selbst kenne ich nicht, hätte nun aber unheimlich Lust auf einen Urlaub auf der Insel.

Wer gern alte Familiengeheimnisse lüftet und nach einem Roman sucht, der die richtige Urlaubsstimmung mitbringt, ist hier gut aufgehoben. Doch Warnung, ihr solltet beim Lesen immer ein leckeres Stückchen Kuchen dabei haben, denn es warten einige Verführungen auf euch.

Dank Anne Barns durfte ich bereits von der berühmten Apfelbutter kosten (lecker). Jetzt heißt es nur noch, mich selbst an deren Herstellung zu versuchen und eine Apfelrosentorte gilt es auch zu backen. (Die Rezepte findet ihr übrigens im Buch.)