Freitag, 17. Januar 2014

Wie öffnet man eine Dose?

Wieso schreibe ich über eine so simple Angelegenheit einen Artikel? 
Ganz einfach, weil ich mit Erschrecken feststellen musste, wie ignorant wir auch als Eltern durchs Leben gehen. Wir setzen Dinge einfach voraus, reden darüber und denken oft nicht daran, dass alles im Leben erlebt oder gelernt werden muss.

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein, eine Getränkedose zu öffnen. Einfach an der Lasche aufziehen und aus der entstandenen Öffnung trinken bzw. die Flüssigkeit in ein Glas kippen. Ja, nur wie ist das, wenn man im täglichen Leben nur Flaschen benutzt und in Zeiten des Dosenpfandes in seinem Umfeld auch keine Dosen vorfindet? Unsere Familie besteht aus ausgesprochenen "Flaschentrinkern". Flaschen sind praktisch, beinhalten mehr und sind vor allem wieder verschließbar - im Gegensatz zur Dose. Abgesehen vom Preis-Leistungs-Verhältnis mag ich persönlich das Gefühl, aus einer Dose zu trinken, nicht und benutze schon immer lieber Flaschen bzw. trinke aus einem Glas.

Unser Dosenproblem trat im Sommerurlaub in Erscheinung, den wir letztes Jahr in Italien verbrachten. 
An einem Abend gingen wir mal wieder mit unseren zwei Mädchen und ihrem kleinen Bruder gemütlich italienisch Essen. Es war sehr warm und wir bestellten rasch unsere Getränke. Halb verdurstet saßen unsere zwei Mäuse am Tisch und beäugten skeptisch die neben ihre Gläser gestellten Dosen mit Fanta. Im ersten Moment war uns nicht klar, in welchem Dilemma die beiden steckten. 
Unsere Kinder kamen bis dato noch nie wirklich mit dem Objekt "Dose" in Berührung. Dieser Sachverhalt wurde uns aber erst richtig bewusst, als unsere Große (10) vorsichtig fragte, wie man denn die Dosen öffnet. Nach einer kurzen Erläuterung der Vorgehensweise, gelang es beiden rasch die Dosen zu öffnen und sie hatte richtig Spaß dabei. 
Wer jetzt denkt, Problem gelöst, alles prima, der hat weit gefehlt. 
Unsere Kleine (5) wollte nun - ganz große Dame - ihr Glas selbst befüllen. Allerdings hielt sie die Dose mit der Öffnung nach oben über das Glas und wir konnten gerade noch so ein Malheur verhindern. Zum Glück ging alles gut, die Kinder hatten ihren Spaß und mussten nicht vor der geschlossenen Dose verdursten. 

Diese kleine Urlaubsepisode zeigte uns, wie schnell Wissen oder Handlungsweisen aus unserem Alltag verschwinden. Dinge, die für uns Eltern normal sind, automatisch ausgeführt werden, sind vielen unserer Kinder unbekannt. Tauchen bestimmte Produkte im Alltag nicht mehr auf, werden entsprechende Handgriffe oder Gegenstände nicht mehr benötigt. Unsere Kinder kennen diese Dinge oder Handlungsweisen nur noch aus Erzählungen, Büchern oder von Bildern. 
Erschreckend ist, dass wir gar nicht bemerken, wie Dinge verschwinden. Wir sprechen darüber und wenn Kinder nicht nachfragen, wird uns gar nicht bewusst, dass ihnen das Wissen z. B. über das Öffnen einer Getränkedose verloren geht.

Gut, das Öffnen einer Dose ist nicht unbedingt Lebenswichtig, doch die Situation an sich hat uns nachdenklich gestimmt. Wir müssen unsere Kinder dazu erziehen, Neugier zu entwickeln und sich nicht zu scheuen, Fragen zu stellen. Auch wir Erwachsenen sollten mit offeneren Augen durchs Leben gehen und überlegen, welches Wissen wir unseren Kindern vermitteln möchten. 
Es geht nicht nur um das Schulwissen, sondern Wissen um Dinge, die unseren Alltag ausmachen und mit denen wir oft auch persönliche Erinnerungen verbinden. So simpel uns diese Dinge im Moment erscheinen mögen, dürfen sie nicht verloren gehen. Sonst findet man sie bald nur noch in Geschichtsbüchern beschrieben vor und irgendwann verschwinden sie vielleicht ganz. Das Bedauern kommt dann oft zu spät.



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