Sonntag, 7. September 2014

Rezension "Jetzt spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe" von Brian Conaghan aus dem Arche Verlag



352 Seiten · mit Schutzumschlag
Arche Verlag
ISBN-13: 978-3-7160-2713-4
Erscheinungsdatum September 2014
EUR 19,99 · EUA 20,60 







Inhalt:

Das Leben ist echt nicht fair. Schon gar nicht, wenn man wie Dylan Mint an Tourette leidet und nur noch sechs Monate zu leben hat. Und das mit sechzehn! Mr Dog nennt er seine Krankheit, und
dieser bellende, fluchende Hund lässt sich nicht kontrollieren. Das ist aber noch nicht alles: Sein bester Kumpel Amir ist Pakistani und hat Asperger.
Sobald jemand Amir »stinkendes Curry« nennt, dreht Mr Dog total durch. Rassismus geht gar nicht! Außerdem vermisst Dylan seinen Vater, der als Soldat in Afghanistan dient. Glaubt Dylan jedenfalls. Und er findet, dass seine Mum in letzter
Zeit ziemlich komisch ist. Warum heult sie die ganze Zeit und redet nicht mit ihm über den Tod? Und nicht zu vergessen sexy Michelle Malloy, die ADHS und einen Klumpfuß hat und auch ohne Tourette exzellent fluchen kann.
Drei Dinge nimmt Dylan sich für seine letzten sechs Monate vor: Mit Michelle Malloy schlafen, seinen Vater nach Hause holen und Amir einen neuen besten Kumpel besorgen. Alles eine echte Herausforderung, aber Dylan lässt nicht locker.
Auch dann nicht, wenn Mr Dog wieder in ihm rumort und dauernd die Tour vermasselt. Und schließlich, wie so oft im Leben, ist sowieso nichts und niemand wie gedacht.

Quelle: Arche Verlag

Der Autor:

Brian Conaghan , geboren 1971, wuchs in der schottischen Stadt Coatbridge auf. Er studierte kreatives Schreiben an der Universität von Glasgow und verdiente sein Geld als Maler und Dekorateur, Barmann, DJ, Schauspieler, Lehrer und nun auch als Schriftsteller. Er lebt mit seiner Frau Orla und seiner Tochter Rosie in Dublin. Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe ist sein zweiter Roman.
Quelle: Arche Verlag

Rezension:

Oberflächlich wusste ich bereits vor dem Lesen einiges über die Krankheit "Tourette", doch das Buch gibt seinem Leser einen weiteren sehr emotionalen Einblick in das Leben eines Betroffenen und seiner Umgebung. Brian Conaghan versteht es nicht nur hervorragend seine Geschichte in der Jugendsprache wiederzugeben sondern nimmt uns mit auf eine Reise in ein besonderes Leben.

Es ist, als befände man sich selbst im Kopf von Dylan Mint und würde seine Gedanken denken bzw. Gefühle erleben. Stellenweise empfand ich die genutzte Jugendsprache ein wenig derb, doch es passt zur Entwicklung des Protagonisten.

Dylan ist 16 und bis auf das Tourette-Syndrom ein ganz normaler Teenager. Noch ein wenig naiv, möchte er dennoch als cool wahrgenommen werden und ist zum ersten Mal auch ein wenig verliebt.
Die Briefe an seinen Vater zeigen seinen Zwiespalt zwischen Kind und Erwachsenen wieder. Dabei zeigt er stellenweise eine Reife, die man nicht vermutet hätte.

Da er keine "normale" Schule besuchen kann, ist er tagsüber von anderen Sonderlingen umgeben. Alle Jugendliche haben ihre eigenen emotionalen und körperlichen Probleme. Dennoch benehmen sie sich untereinander wie alle anderen Teenager auch. Sie alle haben die gleichen Wünsche, Hoffnungen, Träume und Vorurteile. Im Laufe der Handlung finden Dylan und sein Freund Amir aus ihrem Schneckenhaus heraus und schließen gemeinsam weitere Freundschaften.
Auch Dylans Mom hat ihre Probleme und muss am Ende erkennen, dass Dylan stärker und verständnisvoller ist, als sie annahm.

Das Buch räumt Vorurteile aus dem Weg und gibt uns einen Einblick in Dylans Alltag. Mit Witz, Ironie und wunderbaren Wortspielen entfaltet sich hier ein kurzweiliges Jugendbuch mit Denkfaktor.

Die Geschichte hielt mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen. Ich kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung erteilen.



Über das Tourette-Syndrom:

Für alle, die mit der Bezeichnung Tourette-Syndrom nicht viel anfangen können möchte ich kurz ein paar erläuternde Zeilen zu dieser Krankheit einfügen.

Tourette-Syndrom ist einfach erklärt eine Störung der Entwicklung des Nervensystems. Die Betroffenen entwickeln Tics wie z. B. unwillkürliche, rasche, oftmals sehr plötzlich beginnende und heftige Bewegungen. Hinzu kommen, ungewollte Ausrufe, Geräusche oder verbale Äußerungen. Diese Tics nehmen in Stresssituationen zu, können aber auch über längere Zeiträume hinweg unterdrückt werden. Letzteres ist aber mit großer Anstrengung und starkem Willen verbunden. Es handelt sich um eine chronische Krankheit. Menschen mit Tourette haben eine ganz normale Lebenserwartung.
Aufgrund der optischen und vor allem verbalen Tics, gehen viele davon aus, dass auch das Denkvermögen betroffen ist. Dem ist nicht so. Betroffene können genauso hoch oder minder intelligent wie gesunde Menschen sein.


Vielen Dank an den Arche Verlag für dieses tolle Buch.


Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken

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