Montag, 30. März 2015

Meine Leipziger Buchmesse 2015

Manchmal kommt alles anders als geplant. Seit zwei Wochen schwirren mir die Erlebnisse und Gefühle der Buchmesse als Endlosschleife im Kopf herum, doch es fand sich bis heute nicht die rechte Zeit, diese auch aufs Papier bzw. den Blog zu verewigen. Nicht das ihr denkt, mich gibt es nicht mehr, jedoch war in den vergangenen Tagen einfach privat und beruflich so viel los, dass ich hierfür den Kopf nicht frei hatte.

Im vergangenen Jahr durfte ich meine allerersten zwei Buchmessetage erleben und war so überwältigt, dass ich mir in diesem Jahr sogar drei Tage gönnen wollte. Natürlich in der Annahme, alles ein wenig ruhiger anzugehen. So ganz habe ich diesen Vorsatz nicht einhalten können. Dennoch erlebte ich vieles entspannter und intensiver als zuvor. Mein Resumee am Ende der drei Tage lautete: "Auch drei Tage scheinen irgendwie nicht auszureichen!".
Diese Messe war vor allem geprägt von Herzenstreffen und wundervollen Gesprächen.

Am Donnerstag erwartete mich bereits das erste besondere Highlight. Gemeinsam mit Arndt von Astrolibrium durfte ich zu einem Interview mit Kristine Bilkau. 




Wir plauderten über ihren grandiosen Erstlingsroman "Die Glücklichen" und ich traute mich, zumindest eine direkte Interviewfrage zu stellen. Für mich bedeutete dies einen großen persönlichen Schritt und eine wichtige Erfahrung.
Das Interview fand in einer sehr entspannten und harmonischen Atmosphäre statt. 


Das komplette Interview könnt ihr euch gern über den nachfolgenden Link anhören.


Die störenden Nebengeräusche hatte ich vor Ort gar nicht als so laut empfunden, doch es lohnt sich reinzuhören.
Meine Rezension zum Buch stelle ich in Kürze auf dem Blog ein und hoffe, eure Neugier auf diese besondere Geschichte wecken zu können.

Es ist toll, wenn man lieb gewonnene Menschen endlich einmal persönlich kennen lernen darf und einige angenehme Stunden zusammen verbringen kann. So bummelte ich mit Verena durch die Hallen. Gemeinsam genossen wir ein interessantes Interview mit Waltraut Lewin und anschließender Buchlesung aus "Wenn du jetzt bei mir wärst - Eine Annäherung an Anne Frank". 


 Diese bereits 79 Jahre alte Dame hat mich restlos begeistert. Sie wirkt in ihrer ganzen Art noch dermaßen jugendlich, dass man sie glatt für 40 Jahre jünger halten würde. 


Dementsprechend ist auch ihr Schreibstil und ich freue mich unheimlich darauf, ihr Buch zu lesen.




Es gab aber auch witzige Begegnungen, wie ihr hier unschwer erkennen könnt.











So vergingen die Stunden und ich lauschte noch der Preisverleihung der Leipziger Buchmesse.



Dieser Messetag klang in einem für mich wichtigen Herzenstreffen mit anregenden Plaudereien und leckerem griechischem Essen aus.

Die nächsten beiden Tage war ich nicht allein unterwegs und da Heike und ich uns so herrlich ergänzten, hatten wir auch jede Menge Spaß.


Natürlich waren Hetty und Wally mit von der Party und fühlten sich sichtlich wohl.


Wir bummelten durch die Hallen, besuchten verschiedene Lesungen. Dabei entdeckten wir auch ein paar ausgefallene buchige Assessores, 




die nicht in jedes Wohnzimmer passen würden, 



jedoch einen gewissen Charme ausstrahlten. 






 

Man glaubt es so vielleicht nicht, doch diese Stühle sind unheimlich bequem, leider etwas Kostenintensiv...


Zwischendurch trennten wir uns kurz, als ich zu einem interessanten Verlagstermin beim S. Fischer Verlag aufbrach und trafen uns anschließend beim Meet & Greet wieder. 

Hier traf ich endlich einmal persönlich auf Annika Bühnemann und Andrea Bielfeldt. Aber auch viele weitere Autorinnen und Autoren waren vor Ort. Alle nahmen sich richtig viel Zeit und wir führten einige interessante Unterhaltungen. Am Ende gab es eine große Buch- und Kindleverlosung. Ich hatte mal wieder kein Glück, doch Heike gewann eines der Buchpakete und war so lieb, mit mir zu teilen. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön.

Beim großen Bloggertreffen von Random House traf ich auf viele liebe bekannte Gesichter. 
Es war schön, wieder einmal mit euch quasseln zu dürfen. Ich musste auch feststellen, wie ähnlich doch manche Interessen und Buchgeschmäcker sowie Lebensansichten sein können.


mit Claire Hajaj
"Ismaels Orangen"

Aber auch die anwesenden Autoren waren wie gewohnt herzlich, signierten Bücher und ließen sich viel Zeit für angeregten Gespräche.

mit Nicole Neubauer
"Kellerkind"











 Doch unser Tag neigte sich hier noch nicht dem Ende zu. Um 20.00 Uhr waren wir in der Leipziger Innenstadt zur "Häppchenlesung" verabredet. Nachdem uns unser Navi erst fehlleitete, wir für nur knapp 8 km fast 30 Minuten benötigten und irgendwie niemand das Cafe zu kennen schien, erreichten wir unser Ziel genau pünktlich. Neben leckerem italienischem Essen erlebten wir eine herrlich kurzweilige, witzige Lesung.
Emily Bold

Ivonne Keller



               















Marah Wolf

Dana Graham



                                                                  













Nikola Hotel


Katrin Koppold

          
















Eileen Janket


Kira Gembri



                       
                                    








Hätte ich nicht bereits einige der Bücher zu Hause bzw. auf meiner Wunschliste stehen würde letztere nun um einiges länger sein. Ein großes Dankeschön an Emily, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Bücherstapel zu signieren. Zum Abschluss gab es eine Buchverlosung und wer hatte erneut Glück - Heike. Da das Buch aber nicht so ganz in ihr Leseschema passte, durfte ich es mit nach Hause nehmen. Manchmal kommt das Glück auch auf Umwegen daher.

Nach einem leckeren Frühstück im Pressezentrum begann unser letzter Tag auf der Buchmesse.



Wir starteten mit dem Bloggerfrühstück bei skoobe/dotbooks. 




Dort trafen wir einige bekannte Gesichter wieder und begaben uns anschließend auf den Weg zu den Lieblingsautoren.








Dort hatte ich bei Mike bereits am Donnerstag ein paar wunderschöne Portemonnaie für mich und die Kinder erstanden. 







Dazu gab es viele tolle Postkarten, wie ihr auf dem Bils sehen könnt.

 Wir plauderten ein wenig mit den anwesenden Autoren und bummelten weiter. 




Mittags trennten sich unsere Wege. Heike begab sich zu einigen Lesungen, die ich aufgrund meiner anstehenden Termine leider nicht besuchen konnte.

Um 12.00 Uhr erlebte ich ein lustiges und interessantes Bloggertreffen bei Chicken House und durfte am Schluss sogar ein Stückchen von der Geburtstagstorte naschen. Schließlich feierte Chicken House seinen 5. Geburtstag. 



Aus diesem Anlass waren der Gründer, Barry Cunningham sowie die Autorin Sophia Bennett - deren Buch #rausmitderdicken ihr vielleicht bereits kennt - vor Ort, 



erzählten ein wenig über sich, den Verlag und beantworteten unsere Fragen. Vielen Dank auch an alle anwesenden Verlagsmitglieder und Hilke Schenck für die Ausrichtung dieses tollen Events.





Im Vorfeld konnten wir an einem Gewinnspiel teilnehmen. Sophia spielte nun Glücksfee und ich konnte es fast nicht glauben, sie zog meinen Namen als ersten aus dem Lostopf. Mit mir durften sich noch zwei weitere glückliche Gewinnerinnen über ein signiertes Buch von "Big Game", das ja erst im April erscheint sowie eine Freikarte für den Kinofilm freuen. Ich möchte auch hierfür noch einmal Dankeschön sagen!



Zu Beginn bekam jeder von uns ein kleines Bild mit einem Buchcover in die Hand gedrückt. Drei Blogger, die das Cover von "Big Game" auf ihrem Zettel hatten, durften mit Barry und Sophia um die Wette Eierlaufen. Es war unheimlich lustig und ich finde es toll, dass die beiden diesen Spaß mitgemacht haben. 



Überhaupt nahmen sich Barry und Sophia im Anschluss an das eigentliche Treffen noch viel Zeit für Gespräche und das Signieren von Büchern. Beide sind sehr warmherzige Menschen.




 Da die Gänge mal wieder mehr als voll und teilweise einseitig gesperrt waren, blieb ich im CCL Center und wartete auf den Beginn des LovelyBooks-Bloggertreffens. 


Wenig später trafen auch meine lieben Bloggerkolleginnen Moni von Buecherloewe und Stephanie von  Buchstabenfaengerin ein, so dass uns noch ein wenig Zeit für einen Plausch blieb. 

mit Stepanie
Moni und Eva, wir haben ganz vergessen ein gemeinsames Foto zu machen!

Anschließend folgten wir einer Diskussion über Blogger und die Zusammenarbeit mit den Verlagen.

Zusammen mit den Autorinnen Wiebke Lorenz 




und Melanie Raabe 

beantworteten mehrere Verlagsmitarbeiter die gestellten Fragen.




Bettina Belitz lies uns einen kurzen Einblick in ihr neues Jugendbuch "Mit uns der Wind" erhaschen und wir durften schon einmal einem Auszug hieraus lauschen. 



Zum Abschluss gab es lecker aussehende Cupcakes, von denen ich dieses Mal irgendwie keinen abbekam sowie eine prallgefüllte Büchertasche. Ein herzliches Dankeschön an das LovelyBooks-Team für diesen schönen Nachmittag und die Goodie-Bags!



Doch schon wartete der nächste Termin auf mich, ein Meet & Greet mit Jennifer Benkau. Die sympathische und schlagfertige Autorin stellte ihr neues Buch "Mit Rosen bedacht" vor






 und stand den anwesenden Bloggern Rede und Antwort zu allen neugierigen Fragen. Ich habe mich in der großen Masse noch nicht wirklich getraut, Fragen zu stellen, doch es war spannend zuzuhören.



Beim Meet & Greet mit den Feelings-Team traf ich mich zu einem Interview mit Ivonne Keller. Obwohl ihr Terminkalender wirklich mehr als voll und ihre Stimme recht angeschlagen war, nahm sie sich viel Zeit für mich. Das Interview kommt in einem separaten Artikel, da ich es noch überarbeiten muss. Leider habe ich in der der Hektik ganz vergessen, ein Foto von uns beiden zu machen.

Den Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildete die Lesung von Katja Piel aus ihrem Buch "Tod auf Ibiza". Auch Katja nahm sich viel Zeit für Fotos und Gespräche.





Müde und voller wundervoller Eindrücke machten wir uns auf den Heimweg.

Leider habe ich zu einigen Gelegenheiten einfach nicht ans Fotografieren gedacht, doch manchmal waren Begegnungen und Gespräche einfach wichtiger und wertvoller.

Auch wenn ich es schon mehrfach geschrieben habe, möchte meinen Herzensmenschen für die witzigen, interessanten und wundervollen Gespräche danken. Ihr seid etwas Besonderes und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Eure Anja









Sonntag, 8. März 2015

Rezension "Marienkäfertage" von Uticha Marmon - Magellan Verlag


Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Magellan (20. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3734850053
ISBN-13: 978-3734850059
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
D: 14,95 €






Inhalt:


Endlose helle Tage, Sonnenlicht, das flirrend durch Baumkronen fällt, kaltes Seewasser und frische Zimtbrötchen – so war ihr Sommer, jedes Jahr. Jetzt sind das alles nur noch Erinnerungen an eine Zeit, als sie Elin und noch nicht Lykke war. Doch was heißt das überhaupt – Lykke sein? Und wie passt dieser fremde Junge in ihr neues Leben, Rasmus, der ihr Angst macht, den sie aber auch ein kleines bisschen mag? Während sie sich vorsichtig an ihre neuen Gewissheiten herantastet, erkennt sie eines: Das Glück ist vielleicht ein scheuer Gast, aber es liegt an uns, ob wir ihm die Tür öffnen.

Quelle: Amazon


Die Autorin:


Uticha Marmon, geboren 1979, studierte Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Pädagogik in Mainz, Wien und München. Sie arbeitete als Theater-Dramaturgin und war im Anschluss einige Jahre als Lektorin und Regisseurin bei einem Hörbuchverlag tätig. Seit 2010 ist sie freiberufliche Autorin und Lektorin mit dem Schwerpunkt Kindermedien. Uticha Marmon lebt in Hamburg.

Quelle: Amazon


Rezension:


Was passiert, wenn die eigene heile Welt zusammenbricht, nichts mehr so ist, wie es einst schien. Wenn Wahrheiten von Lügen überschattet werden. Der letzte Halt wegbricht und genau in diesem Moment diejenigen, die alles erklären könnten und bisher einen sicheren Hafen darstellten nicht greifbar sind. Du kannst und willst die einzigen Personen, die Licht ins Dunkel bringen könnten nicht fragen, denn du fühlst dich von ihnen hintergangen, verraten. Plötzlich erscheint das ganze bisherige Leben in einem anderen Licht und du wirst zu jemand anderen, einer Person, die du nicht kennst.

So in der Art ergeht es Elin. Ein Brief verändert ihr ganzes Sein von einem Moment auf den anderen. Aus Elin wird Lykke. Fremd, unwirklich und doch irgendwie vertraut.

In dieser Situation flieht Elin an den Ort ihres Herzens, das Marienkäferhaus. Dort begegnet sie Rasmus. Von ihm und "Opa" Knut erhält sie nach und nach Antworten auf ihrer Suche nach sich selbst und den eigenen Wurzeln.

Wie leicht kann ein einzelner Moment, eine getroffene Entscheidung und eine zufällige Begegnung unser Leben prägen, verändern und über unsere Zukunft entscheiden.

Dies ist ein Buch mit sehr viel Tiefgang und Feingefühl. Zwischen den Zeilen verbergen sich die eigentlichen Botschaften. Um wirklich alles verstehen zu können, müsst ihr euch voll und ganz auf Elin und ihre Gefühlswelt einlassen. Nicht immer erscheinen ihre Reaktionen oder die von Rasmus logisch. Doch wie würden wir in einer solchen Situation reagieren? Es ist einfach zu sagen, dies oder jenes wäre richtig, wenn es uns selbst nicht betrifft. Dennoch folgen wir oft eher unseren Gefühlen und agieren in diesem einen speziellen Moment ganz anders als erwartet. 

Uticha Marmon versteht es auf eine besondere Art, uns auf Elins Indentitätssuche mitzunehmen. Aber es ist auch eine Geschichte über Familie, Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Über Geheimnisse, Erinnerungen und die Suche nach Geborgenheit, Glück und einem Platz im Leben.

Am Ende breitet sich die warme helle Marienkäferwelt über allem aus und dennoch gibt es kein Heile-Welt-Ende. Nicht alle Fragen werden geklärt und die weitere Zukunft der Protagonisten bleibt offen, und wir unseren Wünschen, Hoffnungen und Vermutungen überlassen. Und gerade darin besteht für mich der letzte besondere Zauber des Buches.

Fazit:


Eine gelungene intensive Identitässuche mit Tiefgang und Gefühl.



Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken




Dienstag, 3. März 2015

Rezension "Nur Meer und Himmel" von Michael Morpurgo - Fischer KJB

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (19. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3737352100
ISBN-13: 978-3737352109
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: Half a Man


D: 14,99 €   A: 15,50 €




Inhalt:


Bestsellerautor Michael Morpurgo erzählt von der langsamen Annäherung eines Kriegsversehrten und seines Enkelsohns

Seit Michael denken kann, fürchtet er sich vor den Besuchen seines Großvaters. Nicht, weil dem alten Mann mehrere Finger fehlen und sein Gesicht von Verbrennungen entstellt ist, sondern weil seine Eltern in seiner Gegenwart so angespannt sind. Was dem Großvater zugestoßen ist – darüber spricht niemand. Nur Michael hört nicht auf, sich diese Frage zu stellen, und eines Tages bricht der Großvater das Schweigen.

Michael Morpurgo ist ein brillanter Erzähler – zusammen mit den farbigen Illustrationen von Gemma O’Callaghan brennt diese Geschichte lichterloh, bis ganz am Ende so etwas wie Frieden einkehrt.

Quelle: Amazon



Über den Autor und weitere Mitwirkende


Michael Morpurgo wurde 1943 in London geboren. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sein Roman ›Gefährten‹ wurde verfilmt und lief 2012 in den deutschen Kinos. Morpurgo hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau in Devon, England.

Uwe-Michael Gutzschhahn, geboren 1952, studierte Anglistik und Germanistik und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Er war viele Jahre als programmverantwortlicher Verlagslektor in diversen Verlagen tätig und lebt heute als Autor, Übersetzer, Herausgeber und freier Lektor in München. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet.

Gemma O’Callaghan ist Illustratorin und Graphikerin. Während ihres Studiums entdeckte sie ihre Leidenschaft für Siebdruck, die bis heute anhält. Sie lebt in Nottingham. ›Nur Himmel und Meer. Die Geschichte meines Großvaters‹ ist ihr erstes Buch für junge Leser.
Quelle: Amazon


Rezension:


Zwischen zwei Buchdeckeln und gerade einmal 64 Seiten findet sich eine sehr gewichtige nachdenkliche Geschichte. Mit schlichten, recht einfachen Formulierungen dringt der Inhalt direkt ins Herz der Leser und wirkt nachhaltiger als ein blumiges dickes Manifest. Ehrlich und ohne Sensationshascherei erzählt der Autor seine Geschichte in der der "Ich"-Form.

Von Michael Morpurgo hatte ich bis dato noch nichts gelesen. Dennoch kam man in der Vergangenheit an seinem Werk "Gefährten" durch die ständige Medienpräsenz nicht vorbei. Und schon da hat mich die Thematik, die er aufgriff tief berührt. Ich habe leider einfach noch nicht die Zeit gefunden, mir dieses Buch zur Hand zu nehmen. Etwas für meine To-do-Liste.
Doch im Fall von "Nur Meer und Himmel" machte mich die Buchbesprechung auf Astro Librium neugierig und ich löste spontan die Buchbestellung aus. Diese Spontanität habe ich in keinster Weise bereut. Danke Arndt.

Dieses Buch gibt uns viele Aspekte zum Nachdenken mit auf den Weg. 

Auf der einen Seite ist da Michaels Großvater, der ein schlimmes Traumata überlebt und dennoch viele Jahrzehnte später nicht wirklich verarbeitet hat. Dies lag jedoch nicht allein an dem Erlebten, den Erinnerungen und verbliebenen sichtbaren Verletzungen. Die Menschen seiner Umgebung begannen ihn aus Scham, Furcht oder falsch verstandenem Mitgefühl nicht mehr wirklich zu sehen. Selbst seine eigene Frau blickte die "beschädigte" äußere Hülle nicht mehr an und vergaß dabei die inneren Werte, das was ihren Mann eigentlich ausmachte. So zu leben und das Gefühl zu haben, sich niemandem öffnen, mit niemandem sprechen zu können, muss eine schwere Last sein. Das Vertrauen in andere, aber auch das in sich selbst wird immer kleiner. Persönlichkeiten verändern sich und Menschen triften auseinander.

Doch dann kam Michael.
Auch Michaels Eltern wollten nicht, dass er seinen Großvater ansah, da es diesem nicht recht sei und ihn verletzen könnte. Doch Kinder kennen die falsch verstandene Scham der Erwachsenen noch nicht und leben eine natürliche Neugier aus. Und so begann Michael seinen Großvater zu sehen. Tief berührt hat mich in diesem Fall der folgende Abschnitt:

"Weißt du, was ich an dir mag, Michael?", fuhr er fort. "Du schaust mich an. Die meisten vermeiden das. Nicht mal deine Mutter tut es, und die ist immerhin meine Tochter. Sie schaut weg. Die meisten Menschen schauen weg. Nicht, dass ich ihnen das vorwerfe. Früher ja, aber heute nicht mehr. Doch du schaust nicht weg."

Wir sollten nicht immer rational oder für andere denken, uns die kindliche Neugier bewahren und offener durchs Leben gehen. Was schadet ein Blick, wenn er mit einem freundlichen Lächeln begleitet wird. Wenn wir damit Interesse, statt Sensationslust bekunden, nicht angewidert oder abgestoßen von der äußeren Erscheinung oder dem Handicap der Menschen um uns herum durch die Welt laufen. Die anderen in ihrer Persönlichkeit wahrnehmen, das ist wichtig. Ich denke, das ist auch das,  was diese sich wünschen und brauchen. Nur so können wir uns einander öffnen.

Michael Morpurgo findet schlichte kindgerechte Worte, um ein schwieriges Thema aufzugreifen. Einfühlsam und mit vielen wundervollen passenden Bildern untermalt ist dies auch ein wichtiges Buch für Erwachsene. 


Eine Geschichte, die sich ganz still einen Platz im Herzen der Leser sichert.



Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken