Montag, 28. September 2015

Rezension "Glück ist eine Gleichung mit 7" von Holly Goldberg Sloan - Carl Hanser Verlag


Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (27. Juli 2015)
Übersetzer: Wieland Freund
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446245537
ISBN-13: 978-3446245532
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
Originaltitel: Counting by 7s
D: 16,90 Euro






Inhalt:


Willow ist ein Energiebündel, denkt immer positiv und interessiert sich für alles: Sie studiert das Verhalten von Fledermäusen, züchtet Zitrusfrüchte im Garten und begeistert sich für die Schönheit der Zahl 7. Ihr größter Wunsch ist es, gleichaltrige Freunde zu finden. Dafür lernt sie sogar Vietnamesisch. Doch dann verunglücken ihre Adoptiveltern bei einem Autounfall. Es ist wie ein Wunder, wie Willow mit ihrer Art zu denken – ihrer Hochbegabung – und ihrem ungebrochenen Charme ihre Welt zusammenhält. Dabei verändert sie das Leben aller, die sie trifft, und jeder Einzelne entdeckt, welche Kräfte in ihm stecken.

Quelle: Amazon


Die Autorin:


Als die Regisseurin, Filmproduzentin und Drehbuchautorin Holly Goldberg Sloan mit 24 Jahren ihr erstes Drehbuch verkaufte, war sie schon viel herumgekommen und hatte bereits in Kalifornien, den Niederlanden, in Istanbul, Washington D.C. und Eugene, Oregon gelebt. Heute ist sie sesshaft geworden und lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Santa Monica, Kalifornien. „Glück ist eine Gleichung mit 7“ (2015) ist ihr erstes Jugendbuch bei Hanser.

Quelle: Amazon

Rezension:



Willow, ein eigenwilliges und ganz besonderes Mädchen, ist die Hautperson in "Glück ist eine Gleichung mit 7". Alle positiven Ereignisse in ihrem Leben haben einen Bezug zu dieser Zahl. 
Zufall oder Bestimmung? Willow glaubt nicht an Zufälle und sieht das Leben aus einer Sicht, die an Reife weit über ihr Alter von 12 hinausreicht. Dennoch hatte sie es nie leicht, sich in der normalen Welt zurechtzufinden. 

"Wir sind alle bunt gemixte genetische Eintöpfe. Jeder Mensch besteht aus jeder Menge Zutaten, die ihn zu etwas machen, was einzigartig ist."

Hochbegabung ist nicht immer ein Segen und bedeutet für Willow, allein zu sein. In ihrem Elternhaus findet sie Geborgenheit und uneingeschränkte Liebe, denn für diese beiden Menschen bedeutet sie pures Glück. Aber sie können ihr die Freundschaft zu Gleichaltrigen nicht ersetzen. Gerade als das Mädchen beginnt, sich Mai anzuschließen und die ersten zarten Bande einer Art Freundschaft geknüpft werden, schlägt das Schicksal brutal zu und verändert alles.

Auch Willow verändert sich und differenziert sich von lebenslangen für sie immer wichtig gewesenen Ritualen. Ihre Trauer geht dadurch noch tiefer zu Herzen und berührt ihre Umwelt ganz leise, aber nachhaltig.

"Für jemanden, der trauert, ist jede Vorwärtsbewegung ein Problem. Nach einem schweren Verlust will man eigentlich rückwärtsgehen."

Trotz aller Schicksalsschläge verliert sie aber nie den Blick auf das Wesentliche und bezaubert mit einem ganz besonderen Charme. Dadurch beeinflusst sie nachträglich das Leben der Menschen um sich herum und rettet sogar ein Leben.

Holly Goldberg Sloan erschafft auf eine einzigartige Art und Weise facettenreiche Charaktere und fesselt durch einen besonderen Schreibstil. Perspektivwechsel und kurze prägnante Sätze lassen den Inhalt intensiver wirken, wodurch sich diese Geschichte für mich auch von anderen Büchern dieser Art hervorhebt.

Wir lernen einen Schulpsychologen kennen, der sich ziellos durchs Leben treiben lässt, aber als einer der wenigen das besondere Wesen von Willow erkennt. Für mich erfährt Dell Duke im Laufe der Geschichte die größte Entwicklung. Der unsympathischen Phlegmatiker gewinnt an Selbstvertrauen, integriert sich am Ende in eine bunte Gemeinschaft und übernimmt erstmals wirklich Verantwortung für sich und andere.

"Für mich sind diese Menschen die Farben meines Regenbogens. Sie sind lebendig und einzigartig. Und sie haben einen festen Platz in meinem Herzen." 

Patty, die Mutter von Mai und Quang-ha, hat das Herz auf dem rechten Fleck. Diese resolute, manchmal ein wenig undurchsichtig erscheinende Frau wird zu Willows Rettungsanker. Nicht immer kann man Patty´s Aktionen oder ihre Lebenseinstellung nachvollziehen, doch gerade aufgrund ihrer verschroben anmutenden Eigenarten erliegt man als Leser auch rasch ihrem Charme.

"Wenn du dich um andere kümmerst, nimmst du das Scheinwerferlicht von deinem eigenen Leid."

Fazit:


Ein Buch, das fasziniert, nicht jedem Leser überzeugen und Gemüter spalten wird.
Ein Buch voller Gefühl, Ernsthaftigkeit, tiefgründige Gedanken und einer Prise Humor.

Wer es zulässt, erfährt eine eigenwillige Sicht auf die Welt und entdeckt vielleicht ganz neue Sichtweisen.



Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken

Donnerstag, 24. September 2015

Rezension "Eine Buchhandlung auf Reisen" von Christopher Morley - Atlantik Verlag (Hoffmann und Campe)

Gebundene Ausgabe
Verlag: Atlantik Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-455-60023-0
Seiten: 192
Erscheinungsdatum: 15.08.2015
Übersetzung: Felix Horst
D: 18,00 Euro




Inhalt:


Die Vorgeschichte zum Leserliebling "Das Haus der vergessenen Bücher": Bevor Büchernarr Roger Mifflin sich dem stationären Buchhandel in Brooklyn zuwendet, ist er als fahrender Buchhändler mit seinem Planwagen in New England unterwegs. Dort trifft er auf die resolute Helen McGill, die gemeinsam mit ihrem Bruder eine Farm bewirtschaftet. Kurz entschlossen kauft sie Mifflin, der das Vagabundendasein gründlich satt hat, den Bücherwagen samt Pferd und Hund ab und entdeckt die wunderbare Welt der Literatur und die Liebe.
Quelle: Atlantik Verlag



Der Autor:


Christopher Morley (1890–1957), Amerikaner mit englischem Humor und englischen Wurzeln, war Mitbegründer der Saturday Review of Literature, die er von 1924 bis 1940 leitete, und schrieb für die New York Evening Post. Er ist Autor von mehr als 50 teils belletristischen, teils Sachbüchern und zahlreichen Essays.
Quelle: Atlantik Verlag



Rezension:


Man nehme ein treues Pferd, einen wachsamen Hund als Hüter und einen Parnassus voll mit buchigen Schätzen. Nun fahre man hinaus in die Welt, verkaufe Bücher, verschenke sie gar und verbreite eine ganz besondere Art von Glück. 



Kann dieses Rezept für ein erfülltes Leben so einfach sein?

Ich habe es ausprobiert und bin für eine Weile in die Haut von Helen McGill geschlüpft.
Ja, es war ein Abenteuer. Manche Nächte lagen romantisch in Mondlicht getaucht vor mir, andere waren bitterkalt. 



Auch mit Halunken und Wegelagerern musste ich mich herumschlagen.
Doch es hat sich gelohnt und ich konnte mit Hilfe eines einzigartigen Mannes allen Widrigkeiten trotzen. Allein die Gesellschaft dieses kauzigen kleinen Mannes, an dessen Belesenheit kaum einer von uns heranreichen mag, war es Wert, sich auf diese abenteuerliche Reise zu begeben. Roger Mifflin ist ein Wunder an Wissen und einem reichen Zitatenschatz aus allen Bereichen der Literaturwelt. Ja, was soll ich sagen, ich hatte das Vergnügen seiner einmaligen Gesellschaft.

Nebenbei durfte ich Zeuge einer wahrhaft wundervollen Liebesgeschichte werden.
Da stoßen zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Charaktere unverhofft aufeinander. Der erste spontane Gedanke ruft: "Das geht nicht gut.", doch rasch wird man eines besseren belehrt. Es wird weder romantisch schnulzig, manchmal sogar eher ein wenig herb, doch ist es absolut rührend und geht zu Herzen. Vor allem, wenn man "Das Haus der vergessenen Bücher" bereits gelesen hat und weiß, dass sich hier eine Liebe fürs Leben entwickelt.

Es gibt nicht viele Buchreihen, bei denen man das zweite Buch unbedingt vor dem ersten lesen sollte bzw. kann. Doch in diesem speziellen Fall finde ich diese umgekehrte Reihenfolge absolut richtig und vom Atlantik Verlag wohl bedacht ausgeführt. 

Meine Rezension zum Buch könnt ihr hier gern noch einmal nachlesen
http://zwiebelchens-plauderecke.blogspot.com/2014/09/rezension-das-haus-der-vergessenen.html

Mit "Das Haus der vergessenen Bücher" zog Christopher Morley mich und viele andere in seinen Bann. In "Eine Buchhandlung auf Reisen" tauchen wir in die Vorgeschichte ein und können diese nun wesentlich intensiver genießen. 
Mussten wir zuvor in einem merkwürdigen gefahrvollen Kriminalfall ermitteln und einen Bücherschatz beschützen, dürfen wir uns nun in ein ungefährlicheres, jedoch bilderreiches und zu Herzen gehendes Abenteuer stürzen.





Es gibt Bücher, die wurden eigens einfach nur für Büchermenschen geschrieben. 
Sie sind Balsam für die Seele und lassen ihre Leser mit einem wohlig warmen Gefühl der Zufriedenheit zurück. Wobei das nicht heißt, dass man nicht weiter zwischen den Zeilen verweilen möchte und mit dem Zuklappen des Buchdeckels ein Verlustgefühl verspürt.

Fazit:


Wer sich noch nicht von Christopher Morley oder Roger Mifflin hat einfangen lassen, sollte dies schleunigst zulassen. Also, hopp hopp in die nächste Buchhandlung mit euch!






Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken

Donnerstag, 17. September 2015

Rezension "Und du bist nicht zurückgekommen" von Marceline Loridan-Ivens -- Insel Verlag




Gebundene Ausgabe: 111 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (6. September 2015)
Sprache: Deutschmit Judith Perrignon (Autor), Eva Moldenhauer (Übersetzer)
ISBN-10: 3458176608
ISBN-13: 978-3458176602
Originaltitel: Et tu n'es pas revenu
D: 15,00 Euro






Inhalt:


Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird.

Einen Brief, in dem sie das Unaussprechliche zu sagen versucht: Nur drei Kilometer sind sie voneinander entfernt, zwischen ihnen die Gaskammern, der Geruch von brennendem Fleisch, der Hass, die Unausweichlichkeit der eigenen Verrohung, die ständige Ungewissheit, was geschieht mit dem anderen? Einmal gelingt es dem Vater, ihr eine kleine Botschaft auf einem Zettel zu übermitteln. Aber sie vergisst die Worte sofort – und wird ein Leben lang versuchen, die zerbrochene Erinnerung wieder zusammenzufügen.
Marceline Loridan-Ivens schreibt über diese Ereignisse und über ihre unmögliche Heimkehr, sie schreibt über ihr Leben nach dem Tod, das gebrochene Weiterleben in einer Welt, die nichts von dem hören will, was sie erfahren und erlitten hat. Und über das allmähliche Gewahrwerden, dass die Familie ihren Vater dringender gebraucht hätte als sie: »Mein Leben gegen deines.«

Und du bist nicht zurückgekommen ist eine herzzerreißende Liebeserklärung, ein erzählerisches Meisterwerk, ein einzigartiges Zeugnis von eindringlicher moralischer Klarheit – das wohl letzte Zeugnis seiner Art.

Quelle: Amazon



Die Autorin und Übersetzerin


Marceline Loridan-Ivens, 1928 als Marceline Rozenberg geboren, wurde im März 1944 mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie lebt in Paris.

Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzt Literatur und wissenschaftliche Schriften französischsprachiger Autoren ins Deutsche, u.a. von Claude Simon, Jorge Semprún, Marcel Mauss, Mircea Eliade, Gilles Deleuze und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: 1982 »Helmut-M.-Braem-Preis«, 1991 »Celan-Preis«.

Quelle: Amazon



Rezension:


Ein schlichtes in Leinen gebundenes Büchlein hat mich am letzten Wochenende begleitet.
Der Inhalt wiegt dafür umso schwerer.

Dieses Buch ist ein Brief von Marceline an ihren im KZ ermordeten Vater, aber eigentlich ein Resümee ihres Lebens.
Sie zeigt offen, wie ein naives 15jähriges Mädchen durch Hilfe von Freundinnen und viele glückliche Zufälle die Schrecken der Judenverfolgung überlebt, aber dennoch den Weg zurück in ein normales Leben nicht wirklich finden kann. Trotz aller Erfolge und eingegangenen Bindungen, bleibt sie eine Suchende.

Sie verschweigt nicht, wie sich ihre Sicht auf das Leben und gegenüber ihren Leidensgenossinnen während der Zeit in Birkenau veränderte. Wie ihr einziger Gedanke dem eigenen Überleben galt und sie zu Handlungen zwang, für die sie sich noch viele Jahre später schämte. 

Ihre Wut auf den geliebten Vater, der prophezeite, dass nur das junge Mädchen die Torturen überleben würde.


"Du wirst vielleicht zurückkommen, weil du jung bist, aber ich werde nicht zurückkommen."

Ein Brief ihres Vaters auf einem Fetzen Papier gab ihr zwar die Kraft weiter zu kämpfen und dennoch verblassten die Worte und kamen nie mehr zurück. Um nicht zu zerbrechen, lies sie diese erst gar nicht zu sich durchdringen. Einzig der Satz 


"Mein liebes kleines Mädchen..."

konnte eine Zeit lang ihr Herz erwärmen.

Doch wirklich bewegen und ein Leben lang begleiten wird sie eine Frage ihres Vaters:

"Was wünschst du dir am meisten auf der Welt, Marceline?"


Sie wird immer wieder durch ihre Gedanken schwirren, vielleicht auch, weil später niemand mehr ihr diese Frage stellte. Hat sie je eine Antwort darauf gefunden?

Wie groß muss der Schmerz sein, wenn man selbst der Meinung ist, das Überleben nicht verdient zu haben und spüren zu müssen, dass die eigene Familie lieber den Vater lebend in die Arme geschlossen hätte.

Marceline zeigt auf, dass das Überleben des Vernichtungslager und Leben nicht immer Hand in Hand gingen. Das auch die Familienmitglieder traumatisiert zurück blieben, die der Deportation in Vernichtungslager entgingen und den eigentlichen Krieg körperlich unversehrt überstanden. Psychisch scheiterten viele Jahre später zwei ihrer Geschwister an der Last des Wissen und des zu verarbeitenden Verlustes.

Marceline blieb stark, lebte ein ausgefülltes Leben und dennoch hat sie mit 87 Jahren die Antwort auf die Frage:



"Jetzt, da das Leben zu Ende geht, meinst du, dass wir gut daran taten, aus den Lagern zurückzukommen?" 

noch immer nicht gefunden.

"...Aber ich hoffe, dass ich, wenn mir die Frage, kurz bevor ich abtrete, gestellt wird, werde sagen können, ja, es hat sich gelohnt."


Ich wünsche ihr von Herzen, dass Marceline diese Worte am Ende ihres Lebens aussprechen wird und dies auch so empfindet.



Fazit:


Ein offenes ehrliches Buch, das nichts verschweigt und nichts verschönt. Zeilen, die aufzeigen, welche Traumata Menschen gezwungen waren zu durchleben und wie diese auch noch Jahre nach Kriegsende ihre Nachwirkungen zeigten.




Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken

Sonntag, 13. September 2015

Rezension "Ein Lord mit Herz und Verstand" von Julia Quinn - CORA Verlag



Historical Gold 
Bandnummer: 0284
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: CORA Verlag; Auflage: 03.02.2015
Sprache: Deutsch

Bestellnummer: 0871150284
D: 5,99 Euro




Inhalt:


„Ich muss dieses Jahr einfach heiraten. Sonst sterbe ich!“ Lady Sarah brennt darauf, endlich standesgemäß unter die Haube zu kommen. Stattdessen muss sie die glanzvolle Hochzeit ihrer Cousine über sich ergehen lassen – und ihr Tischherr ist ausgerechnet Lord Hugh, der einst durch ein Duell fast ihre Familie zerstört hätte. Aber nicht nur deshalb verabscheut die überschwängliche junge Dame den verschlossenen, mathematisch hochbegabten Adeligen. Kein Wunder: Sie ganz Gefühl, er ganz Verstand, das kann ja nur Streit geben, oder? Doch plötzlich fliegen Funken völlig anderer Art, und Sarah muss sich eingestehen, dass ihre Rechnung nicht aufgeht …
Quelle: Cora Verlag

Die Autorin:



Julia Quinn wollte nach ihrem Abschluss in Harvard ursprünglich Ärztin werden, überbrückte die Zeit bis zur Aufnahme in die medizinische Fakultät aber damit, einen historischen Liebesroman zu schreiben. Vier erfolgreiche Bücher und ein weniger erfolgreiches Semester später, entschied sie sich endgültig dazu, dem Schreiben dem Vorzug vor dem Studieren zu geben.

Schon bald fanden sich Julia Quinns Romane auf der Bestsellerliste der New York Times (der wichtigsten in den USA) regelmäßig auf den vorderen Plätzen, 2008 eroberte sie sogar mit „Verführt von einer Lady“ auf Anhieb Platz 1. Doch nicht nur das Lesepublikum konnte sie mit ihren romantischen Verwicklungen, den erfrischend witzigen Dialogen und hinreißenden Liebesszenen überzeugen, Kritiker und Kollegen waren ebenso begeistert. So widmete ihr 2003 das renommierte Politmagazin TIME Magazine einen anerkennenden Artikel, und 2010 stieg sie in die Romance Writers of America‘s Hall of Fame auf, nachdem sie dreimal hintereinander einen RITA Award gewonnen hatte, den Oscar der Liebesromanszene.
Quelle: Cora Verlag


Rezension:


Man mag es zwar anhand der seit fast zwei Jahren hier auf dem Blog geposteten Rezensionen nicht unbedingt glauben, doch ich lese zwischendurch unheimlich gern historische Liebesromane. Diese füllen auch einen großen Teil meiner Bücherregale. 
Julia Quinn gehört in dieser Sparte zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ich lasse mich gern von ihr in das England von vor fast 200 Jahren zurück entführen. Ihre Romane bauen aufeinander auf und wir begegnen lieb gewonnen Charakteren immer wieder oder dürfen uns auf turbulente Abenteuer mit bisher nur in "Nebenrollen" aufgetauchten interessanten Persönlichkeiten freuen. Dabei kann jedes Buch unabhängig von vorherigen gelesen werden.

Ihr geistreich humorvoller leichter Schreibstil, die sympathischen, teils schrulligen Charaktere mochten mich bisher immer zu überzeugen und versprechen in der Regel spannende, witzige und gefühlvolle Lesemomente.
"Ein Lord mit Herz und Verstand" ist der erste Roman aus ihrer Feder, der diese Kriterien nicht ganz erfüllen konnte.
Streckenweise ist die Handlung für mich nicht logisch aufgebaut und der Lesefluss recht stockend. Die an einigen Stellen zu langen Konservationen wirken ermüdend. Ich wurde von der Handlung nur ansatzweise gefangen genommen. Leider hat Julia Quinn in diesem dritten Band um die "Smythe Smith"-Familie das Potential der Geschichte nicht voll ausgeschöpft.


Fazit:


Trotz aller Kritik ist "Ein Lord mit Herz und Verstand" eine leichte und humorvolle Lektüre für zwischendurch und ich freue mich auf weitere unterhaltsame Geschichten aus der Feder von Julia Quinn.


Kimmy vergibt 3,5 von 5 Käseecken







Donnerstag, 10. September 2015

Rezension "Wenn du jetzt bei mir wärst - Eine Annäherung an Anne Frank" von Waldtraut Lewin - cbj Verlag



Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: cbj (9. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570171086
ISBN-13: 978-3570171080
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
D: 16,99 Euro





Inhalt:


Längst ist das lebenslustige jüdische Mädchen, das sich zwei Jahre lang in der Prinsengracht zu Amsterdam vor den Nazis verstecken konnte und dort Tagebuch führte, zu einer Ikone erstarrt und geistert als Lernstoff durch die Klassenzimmer Deutschlands. Waldtraut Lewin wagt es, das Denkmal von seinem Sockel und Anne in unsere Welt zu holen, um sie besser kennenzulernen. Bei ihrer fiktiven Begegnung lässt sie Anne staunen über das, was sich in den siebzig Jahren seit ihrem Tod verändert hat. Und erzählt ihr vom Staat Israel oder vom neuen Deutschland, in dem Juden leben dürfen und Menschen gegen Rechtsradikalismus auf die Straße gehen. Zusammen wagen sie den Blick von heute auf das Gestern und das Morgen.
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Waldtraut Lewin, geboren 1937, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin und arbeitete als Opernübersetzerin, Dramaturgin und Regisseurin zunächst am Landestheater Halle und dann am Volkstheater Rostock. Seit 1978 arbeitet sie als freischaffende Autorin von Romanen, Hörspielen und Drehbüchern, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Quelle: Amazon


Rezension:


Dieses Buch ist ein gewagtes Experiment. Es zeugt von Mut, Fantasie, ein wenig Naivität und dem großen Wunsch, Heranwachsenden die geschichtlichen Ereignisse des Holocausts und der Probleme der Juden im Staate Israel näher zu bringen. Sicher ein ungewöhnlicher Weg, doch ich denke, dass es Waldtraut Lewin mit ihrer ganz speziellen Art schafft, einen großen Teil der Leser von "Wenn du jetzt bei mir wärst" zu erreichen. Und wenn nur ein wenig Interesse oder Neugierde geweckt wird, dann ist dies schon ein erster Schritt in die richtige Richtung.

An dem Namen Anne Frank kommt niemand vorbei und egal ob man das Buch gelesen hat oder nicht, "Das Tagebuch der Anne Frank" ist jedem zumindest vom Namen her ein Begriff. Dennoch liegen die darin geschilderten Erlebnisse in der Vergangenheit. Nicht jeder möchte mit dieser Vergangenheit konfrontiert werden bzw. sich damit beschäftigen. Wie also kann man das sich so immer mehr sich einschleichende Vergessen verhindern?

In Situationen, in den denen wir unsere Handlungen und die daraus resultierenden Ereignisse nicht mehr ändern können, steht immer wieder eine Frage im Raum: "Was wäre wenn...?"
Genau an diesem Punkt greift Waldtraut Lewin an und versucht uns auf eine mystisch wirkende, warmherzige Art das Mädchen Anne Frank näher zu bringen. Eine Anne Frank mit den Hoffnungen und Wünschen eines heranwachsenden Mädchens, aber mit den Erfahrungen einer alten Frau. Dickköpfig, eigensinnig, voller Wissensdurst und Lebensfreude begibt sich dieses besondere Mädchen auf Entdeckungsreise.

Die Autorin nimmt uns mit auf eine geschichtliche Reise. Wir wagen einen erneuten Blick auf die Situation der Juden zu Zeiten des Krieges, aber auch auf ihr Leben nach dem Krieg. Diese Einblicke fand ich sehr interessant. Die Reise nach Israel und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für den Ablauf der Geschichte barg recht viel Potential, sagte mir in der Gesamtheit betrachtet aber nicht hundertprozentig zu. Mir erfolgte an diesem Punkt die Betrachtung des Ganzen zu leicht und einseitig.

Ich hatte das Vergnügen einem Interview sowie einer kurzen Lesung von Waldtraut Lewin auf der Leipziger Buchmesse folgen zu dürfen. Mich hat ihre Art tief beeindruckt.
Die von ihr geschriebenen Zeilen, in der ihr eigenen Art und Weise vorgetragen zu hören, birgt einen besonderen Zauber. Ein von ihr eingelesenes Hörbuch würde seine Wirkung nicht verfehlen.

Fazit:


Ein gewagter ungewöhnlicher Blick zurück auf den Holocaust, der hoffentlich dem ein oder anderen mehr die Augen öffnet.



Kimmy vergibt 4 von 5 Käseecken

Sonntag, 6. September 2015

Rezension "Aussicht auf Sternschnuppen" von Katrin Koppold - Rowohlt Verlag (rororo)



Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: rororo (31. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499269856
ISBN-13: 978-3499269851
D: 9,99 Euro







Inhalt:



Helga hat es nicht leicht, und das nicht nur wegen ihres altmodischen Namens: Sie findet eine verdächtige SMS auf dem Handy ihres Freundes Giuseppe, der kurz darauf gen Italien aufbricht - angeblich beruflich. Helga reicht es. Hals über Kopf folgt sie ihm zum Flughafen, aber alle Flüge sind gestrichen. Mit Mühe kann sie noch einen Mietwagen ergattern, den sie sich allerdings teilen muss. Mit Nils - Schauspieler, Kettenraucher, Nervensäge. Ihr Weg führt die unfreiwillige Fahrgemeinschaft von Verona über den Gardasee bis in die Hügel der Toskana. Und alles läuft gründlich anders, als Helga es geplant hat.
Quelle: Amazon





Die Autorin:



"Wenn du an eine Weggabelung kommst, geh einfach drauf zu".

Dieses Zitat aus dem Film "360°", das die Autorin ihrem Debutroman "Aussicht auf Sternschnuppen" vorausgestellt hat, trifft ihre Lebensphilosophie ziemlich genau. Nicht lange zaudern, Neues ausprobieren, auch wenn man sich dabei blaue Flecke holt, Risiken eingehen, Visionen haben!
Nach Abitur und Studium ist Katrin Koppold viel gereist, hat die Welt erkundet, als Fitnesstrainerin, Journalistin, Mode- und Kosmetikdarstellerin und in einem Restaurant gearbeitet, bevor sie den Mann ihrer Träume kennen gelernt hat und sesshaft geworden ist. Heute lebt sie mit ihrer Familie und den Katzen Merlin und Fiona in einem Häuschen in der Nähe von München.
Ihre Romane rund um die Liebe, das Leben und das große Glück lässt sie immer wieder an Orten spielen, an die sie ihr Herz verloren hat: Italien, Irland, München, Paris ...

Unter dem Pseudonym Jade McQueen schreibt Katrin Koppold mit vier befreundeten Autorinnen die Reihe "The Diamond Guys".
Quelle: Amazon




Rezension:



Was erwartet euch bei "Aussicht auf Sternschnuppen"? Jedenfalls nicht nur das, was der Titel und das Genre vermuten lassen. Katrin Koppold hat für ihre Leser einen unterhaltsamen Roman mit vielen humorvollen Einschüben und einem unerwarteten Tiefgang geschaffen.

Helga ist für mich die perfekte Protagonistin. Sie ist auf ihre Art zurückhaltend und doch entwickelt sie nach und nach immer mehr Selbstbewusstsein. Dabei lässt sie kein Fettnäpfchen aus.
Manche Situationen erscheinen leicht überspannt, doch wer sagt, dass wir uns ab einem bestimmten Alter logisch und gesetzt verhalten müssen und nicht auch einmal unseren kindisch anmutenden Ambitionen freien Lauf lassen dürfen. Genau diese Verhaltensweisen machen Helga so sympathisch. Am Ende beweist sie Rückgrat, lässt sich nicht in eine ungewollte Zukunft treiben und geht ihren eigenen Weg.

Nils dagegen weckt anfangs zwiespältige Gefühle, schleicht sich aber nach und nach in die Herzen der Leser. Helga rüttelt ihn auf und es gelingt ihm, nicht mehr nur über Dinge nachzudenken, von einer anderen Zukunft zu träumen, sondern zu handeln, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mutig neue Wege zu beschreiten.

Aber auch Guiseppe zeigt eine ganz besondere Großherzigkeit. Er ist derjenige, den ich zu Beginn nicht wirklich einschätzen konnte und dem man leicht unlautere Beweggründe für sein Handeln unterstellen möchte. Doch am Ende ist alles anders, als der Anschein vermuten lässt.

Begleitet einfach Helga und Nils auf ihrer abenteuerlichen Reise nach Italien und in einen neuen Lebensabschnitt. Die ungewollte Gesellschaft des jeweils anderen erweist sich rasch für beide als Glücksfall und wir Leser haben das Vergnügen erfrischenden Dialogen zu folgen und an amüsanten spritzigen Wortwechseln teilzuhaben.

Nebenbei dürfen wir an einer Lebensgeschichte teilhaben, die mich unheimlich berührt hat und zu Herzen geht.

Mit mal mehr oder weniger unvorhergesehenen Wendungen, turbulenten Szenen und einer großen Portion Humor nimmt uns Katrin Koppold mit auf eine witzige abenteuerliche Reise. Die Tiefe zwischen den Zeilen gibt der Geschichte das besondere etwas.

Und das Beste am Buch ist, wir können die beiden weiter begleiten, auch wenn die Hauptakteure im Folgeband wechseln.



Kimmy vergibt 4 von 5 Käseecken