Montag, 11. Januar 2016

Rezension "Zusammen werden wir leuchten" von Lisa Williamson - Fischer KJB


Broschiert: 384 Seiten
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch; Auflage: 1 (10. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
Angelika Eisold-Viebig (Übersetzer)
ISBN-10: 3733500768
ISBN-13: 978-3733500764
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Originaltitel: The art of being normal
D: 12,99 Euro





Inhalt:


Eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen – leichtfüßig, humorvoll und herzerwärmend

Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch … ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten.
Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr?

Mutig, wichtig und mit Witz erzählt – ein Buch wie ein Leuchtfeuer!


Quelle: S. Fischer




Die Autorin:


Lisa Williamson wurde 1980 in Nottingham, England, geboren. Während ihres Schauspielstudiums hielt sie sich mit Bürojobs über Wasser. Und wenn der Chef gerade nicht hinsah, feilte sie an ihren literarischen Werken. Lisa Williamson lebt mit ihrem Freund Matt im Norden Londons.
Quelle: S. Fischer




Rezension:


Mädchen spielen mit Puppen und lieben pinkfarbene Kleider. Jungen dagegen toben herum, lieben Autos und die Farbe blau.
Doch was, wenn die Tochter so gar nichts mit Puppen anzufangen weiß und der lang ersehnte Stammhalter sich lieber den Puppenwagen schnappt. Spätestens in diesen Momenten beginnen in den ersten Köpfen die Achtungszeichen zu leuchten und es wird versucht, das Kind in die "richtige Richtung" zu schupsen. Was aber, wenn all dies nicht die gewünschte Wirkung zeigt und sich die Wesensmerkmale des Kindes mit zunehmendem Alter von denen seiner Geschlechtsgenossen immer mehr zu unterscheiden beginnen? Was, wenn eines Tages die Aussage im Raum steht: "Ich stecke im falschen Körper fest." In diesem Moment bricht unser vorgefertigtes Weltbild zusammen. Trotz aller Toleranz ist die Thematik des Andersseins in unserer Gesellschaft leider noch immer nicht wirklich akzeptabel. Transgender klingt gediegen wissenschaftlich, jedoch auch steril und nicht jeder weiß sofort, was es bedeutet. Würde ich jetzt Transe schreiben, für mich eher ein verformtes Schimpfwort, würde jeder wissen, wovon ich schreibe...

Lisa Williamson hat einen wichtigen und wundervoll sensiblen Jugendroman rund um genau dieses Thema geschrieben.
Mit einer großen Portion Humor und sehr viel Einfühlungsvermögen nimmt sie uns mit in die Welt von David Piper. Dieser optisch typische schlaksige 14-jährige Junge hat nur einen Wunsch - er möchte viel lieber ein Mädchen sein.
Nur seine engsten Freunde sind eingeweiht und stehen fest zu ihm. Den Mut, es seinen Eltern zu sagen, hat er bislang noch nicht aufgebracht. Die Angst vor Ablehnung, Spott und vor allem dem Alleinsein hält ihn zurück, sich zu outen. Und noch ein weiterer Grund  - er möchte seine Eltern nicht enttäuschen.

Aber da gibt es auch noch Leo Denton. Der geheimnisvolle, auf den ersten Blick düster erscheinende Junge zieht David magisch an. Nein, es sind keine amourösen Gefühle, die er für den Neuen an der Schule hegt, da ist etwas anderes, unergründliches.
Leo zeigt Courage und steht David in einer für diesen brenzlig peinlichen Situation bei. Spätestens ab diesem Zeitpunkt verweben sich die Schicksale der beiden.
Leos Geschichte hat mich tief berührt und hält einige Überraschungen für die Leser bereit.

Lisa Williamson hält ihre Leser bis zum Schluss mit unerwarteten Wendungen in Atem. Immer wieder müssen wir unser gefasstes Weltbild neu zusammenfügen und lernen, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Es gibt kein richtig oder falsch. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze und wir sollten diese nicht in Frage stellen, sondern akzeptieren.

"Zusammen werden wir leuchten" ist ein intensives Buch über das sich selbst finden. Aber auch über Familie, Freunde, Toleranz und den Mut, sein Leben entgegen allgemein gültiger Konventionen zu leben. Um anders zu sein, sich nicht auf Kosten der eigenen Persönlichkeiten anzupassen, erfordert sehr viel Rückgrat und Mut.

Am Ende leuchten David und Leo über allen.


Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken


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