Dienstag, 23. Februar 2016

Rezension "Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten" von Reiner Engelmann - cbj Verlag


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: cbj (28. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570171973
ISBN-13: 978-3570171974
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
D: 16,99 Euro







Inhalt:



Wer Überlebende des Holocaust trifft, spürt den Abgrund, der sie von anderen Menschen trennt. Sie waren in Auschwitz, Buchenwald, Dachau. Sie haben unsägliches Leid erfahren. Der Tod war ihr ständiger Begleiter. 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz gibt es nicht mehr viele Zeitzeugen. Umso wichtiger ist es, ihre Erfahrungen für die Nachwelt zu dokumentieren. Im Gedenken an die Toten, aber auch für den Frieden in der Zukunft. Damit sich die Hölle auf Erden nicht wiederholt.

Reiner Engelmann hat Max Mannheimer, Esther Bejarano, Eva Mozes Kor und sieben weitere Zeitzeugen befragt und ihre Erinnerungen für Jugendliche aufgeschrieben. Ein erschütterndes Zeugnis und ergreifendes Mahnmal wider das Vergessen. Und zugleich ein zutiefst bewegendes Plädoyer für das Leben.

Mit schwarz-weiß Fotos und ausführlichem Glossar.
Quelle: Amazon


Der Autor:


Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. 
Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Zudem veröffentlichte er Bücher, vorwiegend zu sozialen Brennpunktthemen. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz

Quelle: Amazon


Rezension:


Wenn man über einen langen Zeitraum unentwegt kämpfen muss, reicht irgendwann die Kraft nicht mehr aus und wir geben auf. Heute ist es recht einfach aufzugeben und neu zu beginnen.

Im Konzentrationslager bedeutete Aufgeben den sicheren Tod. Menschen wurden bereits nach Tagen oder erst nach Wochen bzw. Monaten gebrochen und an den Rand dessen gebracht, was der Körper und Geist ertragen kann. Jeder Mensch besitzt eine andere Hemmschwelle oder Schmerzgrenze, um Leid zu ertragen bzw. daran zugrunde zu gehen. Doch es heißt nicht umsonst, der Wille kann Berge versetzen.
Neben vielen glücklichen Fügungen, waren es vor allem der eiserne Wille und der Funken an Hoffnung, die diese Menschen am Leben hielt. Kleinigkeiten erlangten eine große Bedeutung und wurden Navigatoren auf stürmischer See in einem aussichtslos erscheinenden Kampf.

Jedes einzelne, in diesem Buch erzählte Schicksal, ist bedeutungsvoll und jede Person verdient unseren größten Respekt. Es gibt nur noch wenige Überlebende, die meisten waren zu Zeiten der Gefangenschaft noch sehr jung, Kinder. Sie haben überlebt und Reiner Engelmann hat die große Verantwortung übernommen, die Erinnerungen für immer festzuhalten, damit sie nie in Vergessenheit geraten. Wie wichtig dies gerade in der heutigen Zeit ist, sehen wir täglich in den Medien oder erleben es im persönlichen Umfeld.


Wie ich bereits in meinen Ausführungen zu "Der Fotograf von Ausschwitz" deutlich machte, habe ich große Hochachtung vor der Empathie und eindringlichen Art von Reiner Engelmann über den Holocaust, seine Opfer und die Überlebenden zu schreiben. Es gibt so viele, deren Leben vorzeitig ausgelöscht wurde. Zu viele, deren Leben endete, noch bevor es richtig beginnen durfte.


Der Autor versteht es, jede einzelne Persönlichkeit in einem angemessenen Licht ohne pathetische Floskeln darzustellen, dem Leser ans Herz zu führen. Sich selbst rückt er weit in den Hintergrund, so dass die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leser den Überlebenden und ihren Erzählungen gilt. Reiner Engelmann agiert nur als weisender Lichtstrahl in der Dunkelheit. Sein Erzählstil ist schlicht, klar, eindringlich und vor allem glaubhaft. Umso tiefere Gefühle löst das Gelesene aus.


Zehn Überlebende des Holocaust erzählen in "Wir haben das KZ überlebt" ihre Geschichte. Jedes Schicksal ist einmalig und doch gleicht sich der Leidensweg, den sie durchlaufen mussten, das Schicksal, bei dem das Überleben an einem seidenen Faden hing. Die Momente, in denen der Zufall, ein Geste, ein Schritt in die andere Richtung oder eine hilfreiche Hand über Leben und Tod entschieden.



Bezeichnend für all diese Menschen ist, dass sie ihr Leben nach dem Holocaust nicht von Groll und Hass bestimmen ließen. Sie möchten nicht anklagen, sondern erinnern, aufzeigen, wie es wirklich war. Die Jugend aufrütteln und an die Hand nehmen, damit sich die Geschichte nicht eines Tages wiederholt.




Wir müssen uns auch weiterhin erinnern, damit all diese Menschen niemals in Vergessenheit geraten und als Mahnung, damit wir dem Terror nie mehr die Tür öffnen.



Auf Astrolibrium könnt ihr eine weitere intensive Ausführung zu dem Buch nachlesen sowie einem interessanten Interview zwischen Arndt Stroscher und Reiner Engelmann lauschen.




Kimmy vergibt 5 von 5 Käseecken







1 Kommentar:

geschichtenwolke hat gesagt…

Die Bücher gegen das Vergessen sind so wichtig und es ist gut, wenn die Betroffenen selbst zu Wort kommen! Man kann nur hoffen, dass ihre Worte ganz viele Menschen erreichen.