Samstag, 1. Oktober 2016

Erfurter Herbstlese - Geschichtsträchtiger Abend mit Claudia und Nadja Beinert am 30.09.2016



Heute Abend habe ich mich weit zurück in die Zeit des 13. Jahrhunderts begeben. Gemeinsam mit Claudia und Nadja Beinert ging es auf Spurensuche nach dem Naumburger Meister. 




Leider finden sich über diesen so gut wie keine geschichtlich verbrieften Fakten in den historischen Unterlagen der Bibliotheken. Selbst sein Name bleibt auf ewige Zeiten unbekannt. Dafür lebt er in seinen lebensechten Stifterfiguren weiter und lässt die Fantasie der Menschen immer wieder aufleben. Hier war er seiner Zeit weit voraus. 
Eine dieser Stifterfiguren soll Uta darstellen, deren Geschichte uns in den beiden vorangegangenen Büchern erzählt wird. Über die Identitäten der Stifterfiguren wird noch heute viel diskutiert, da diese bisher nicht eindeutig geklärt werden konnten. Fest steht, dass mehr als eine der dargestellten Persönlichkeiten zu Lebzeiten mindestens eine große Sünde beging. Daher auch der Buchtitel "Der Sünderchor".





Ursprünglich waren "Die Herrin der Kathedrale" und "Die Kathedrale der Ewigkeit" nicht als Fortsetzungsreihe geplant. Doch mit "Der Sünderchor" hat sich nunmehr das dritte Buch hinzugesellt.

Während des heutigen Abends gewährten uns die Autorinnen mit drei Szenenlesungen einen kurzen Blick auf vier der wesentlichen Protagonisten im Buch. Hortensia, Agnes, Matizo und den Bischof von Naumburg kamen zu Wort. Wobei Hortensia eindeutig Nadjas Favoritin der Geschichte ist und Agnes die von Claudia. Gern hätten sie uns auch den Meißner Markgrafen Heinrich von Wettin und Pauline aus Freiberg vorgestellt. Dies hätte aber den zeitlichen Rahmen der Veranstaltung gesprengt.




Der Naumburger Meister hat die Zwillingsschwestern bereits vor sieben Jahren in seinen Bann gezogen. Damals wurde die Grundidee zu "Der Sünderchor" geboren, aber vorerst in einer Art Ideenkiste verstaut. Nach dem letzten Buch platzte - wie sie selbst sagen - eine Art Gärballon und Matizo von Mainz war geboren. Im dritten Buch stecken erneut viel Herzblut und detaillierte Recherchearbeit. 
Dadurch, dass sie bezüglich der Person des Bildhauermeisters kaum auf historisch belegte Fakten zurückgreifen konnten, blieb ein großer Spielraum für ihre schriftstellerische Fantasie. 




Doch wo beginnt Claudia und wo endet Nadja Beinert? Der Übergang ist so fließend, dass sie selbst es nicht recht benennen können. Sie schreiben in einer Art geschlossenen Symbiose und verschmelzen dabei zu einer einzigen Person. Im Zeitalter ihrer Romanfiguren würden wir an Magie und Teufelswerk glauben, doch heute ist es einfach faszinierend. 

Wie muss man sich die Schreibarbeit des Autorinnenduos vorstellen? Leben doch beide Kilometerweit entfernt an unterschiedlichen Orten. Nadja in Erfurt und Claudia in Würzburg.
Von der Idee bis zum fertigen Buch vergeht ca. ein Jahr. Wobei die Besprechungen und Recherchearbeiten in etwa die Hälfte dieser Zeit in Anspruch nehmen. Das historische Hintergrundrecherchen nicht staubtrocken und langweilig sein müssen, bewiesen sie und mit kurzen Passagen aus einem Versbüchlein dieser Zeit. Auch die im Roman aufgeführten Rezepte wurden von den Schwestern auf Herz und Nieren geprüft, was sich teils als ein abenteuerliches Unterfangen entpuppte. Als Grundlage diente ihnen "Das Buch von guter Speise: Mittelalterlich kochen - Gerichte und ihre Geschichte"
Die restliche Zeit besteht aus reiner intensiver Schreibarbeit.




Zu Beginn eines Romanentwurfes sitzen die Schwestern gern gemeinsam an einem Tisch und diskutieren, planen und plotten die ersten Szenenentwürfe. Nach entsprechender Hintergrundrecherche u. a. in der Erfurter Unibibliothek, wobei hier oftmals die kleinen Randdetails des Lebensalltags im Mittelalter, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, begibt sich Claudia in Schreibklausur. Es entsteht der erste Rohentwurf des neuen Buches. Im Anschluss macht sich Nadja an die Verfeinerung der geschriebenen Szenen. Nun wandert das unfertige Manuskript mehrfach hin und her, bis beide mit dem geschaffenen Werk zufrieden sind. Um ein einheitliches Bild der Protagonisten zu erschaffen, halten sie sich an Porträtskizzen, die man auch auf ihrer Website finden kann. Die dazugehörigen Klarbilder bleiben geheim, damit der Leser die Geschichten mit eigenen Vorstellungen und Gedankenbildern ausfüllen kann. 



Jetzt heißt es nur noch nach dem Buch greifen, sich in das Thüringen um 1248 versetzen lassen und der Magie dieser Zeitepoche und seiner Menschen folgen.


Im Februar 2017 können wir uns bereits auf ein weiteres Buch aus der Feder der Beinert Schwestern freuen - "Die Mutter des Satan". Dieses Mal dürfen wir mit den Augen einer Mutter einen Blick auf den Privatmenschen Martin Luther werfen. 

Foto: Linnea Müller

Weitere Artikel zu Erfurter Herbstlese 2016 findet ihr auf meinem Blog, in der Thüringer Allgemeinen und auf dem Onlineportal der Thüringer Allgemeinen.






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