Montag, 12. Dezember 2016

Abschlussabend mit Literaturkritiker Denis Scheck - Erfurter Herbstlese 2016



Denis Scheck ist einer der bekanntesten Literaturkritiker in Deutschland und vielen durch seine Moderation der Sendung "Druckfrisch" in der ARD bekannt. Es ist eine liebgewordene Tradition, dass Denis Scheck das Publikum durch den letzten Herbstleseabend führt. Bereits zum 11. Mal war er an diesem Sonntag im Theater Erfurt zu Gast bei der Erfurter Herbstlese. 


Nur Stubbs, seinen nach einem englischen Maler benannten Jack-Russel-Terrier, musste er entschuldigen. Dieser müsse zu Hause an seinem Roman feilen, der bereits seit einem Jahr überfällig ist und in naher Zukunft beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen soll. Wir dürfen gespannt sein.


Mit viel Witz, großem Sachverstand und temporeich führte der Literaturkritiker die Besucher auch in diesem Jahr durch die Bücherwelt 2016. Die Hauptfrage lautete: 

"Wie findet man einen passenden Orientierungsmechanismus, eine Art Kompass, durch die stetig wachsende Bücherflut?" 


Sollte man sich an den Bestsellerlisten orientieren?

Denis Scheck wagte sich mit dem Vorsatz, die vier blödesten Bücher, die er finden konnte zu kaufen, in eine Buchhandlung. Kurios oder vorhersehbar? Alle vier Bücher fanden sich später auf den Bestsellerlisten wieder. Ob "Eine Tussi sagt `Ja!" von `Daniela Katzenberger, "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg" von Alexandra Reinwarth , "Die Millionärsformel" von Carsten Maschmeyer oder "Das Mondjahr" (Kalenderbuch) von Johanna Paungger - keines dieser Bücher hielt dem kritischen Auge von Denis Scheck stand.

Bestsellerlisten sind eben nur der kleinste gemeinsame Nenner des Massengeschmacks und zeigen auf, wie oft ein Buch gekauft wurde, sagen aber nichts über dessen Qualität aus, wie er am Ende seines Verrisses anmerkte.
Eine weitere Möglichkeit im Bücherdschungel auf die richtigen Werke zu treffen, wäre eine Orientierung im Bereich der Literaturpreise, die jedes Jahr verliehen werden. 

Aber auch die Vergabe vom Nobelpreis der Literatur ist nicht über Fehler erhaben. Obwohl er Bob Dylan und seine Texte sehr mag, bezeichnete Denis Scheck die Vergabe dieses Literaturpreises als kategoriales Missverständnis. 


Dann doch dem Literaturkritiker vertrauen?

Es gab 2016 eine große Bandbreite an empfehlenswerten Buchneuheiten.
Vor allem österreichische Autoren haben es Denis Scheck in diesem Jahr angetan.

Ob Christoph Ransmayr mit "Cox", Christian Kracht mit "Die Toten", einem Buch, das die richtigen Fragen stellt oder Martin Mosebach mit "Mogador", bei allen handelt es sich um Werke, die einen bestimmten Nerv treffen. So beinhaltet "Mogador" ein Zauberwort der Literatur. Angelehnt an das Zauberwort Mutabor (übersetzt: Ich verwandele mich) aus dem Märchen Kalif Storch, zeigt der Autor raffiniert und hintergründig initiiert, dass wir uns unser Leben selbst schaffen - positiv wie auch negativ.

Mit "Drehtür" von Katja Lange-Müller erwartet den Leser ein politisch hochaktuelles Buch, das die Asymetrie von Hilfe und deren Machtmechanismus aufzeigt.

In "Die Unglückseligen" von Thea Dorn trifft der wissenschaftliche Geist auf die Romantik des 18. Jahrhundert. Cynthia DÁprix Sweeney erfreut in "Das Nest" Liebhaber von Jane Austen mit einer lustigen Geschichte, sofern man nicht selbst betroffen ist und zeigt auf, was Geld anrichten kann.

Ein absolut finsteres Buch mit einem winzigen Fenster in Richtung Humor finden wir in "Der goldene Handschuh" von Heinz Strunk.
Als humorvolle oder unterhaltenden Literatur stellte Denis Scheck "Willkommen in Night Vale" von J. Fink & J. Cranor, "Die Merowinger" von Heimito von Dorer und "Meine geniale Freundin" von Elena Ferante vor.

Der neue Asterixband "Der Papyrus des Cäsar" knüpft mit seinen satirischen Einlagen an das Niveau der alten Bände an.

Marcel Beyer, Empfänger des Georg-Büchner-Preises, überzeugte mit "Erdkunde" und seinem Gedicht "Raps".

Krimifans sollten ein Auge auf Dominique Manottis "Schwarzes Gold" oder "Das barmherzige Fallbeil" von Fred Vargas werfen.

Denis Scheck ist bekennender Science Fiktion Fan und empfiehlt hier "Amaltheas" von Neal Stephenson.

Weiterhin befanden sich hinreißende Sachbücher, humorvolle Crashkurse in moderner Kunst und Recht sowie eines mit einem Liebesbrief ans Kartoffelpüree unter den vorgestellten Büchern.

Aber auch unter all dieser Vielzahl von Buchempfehlungen durfte ein kleiner Verriss nicht fehlen.
Bodo Kirchhoff traf mit "Widerfahrnis" auf wenig Gegenliebe. Scheck bezeichnete das Buch als ein grotesk misslungenes, rückwärtsgewandtes und verkitschtes Werk.



Noch immer verbleibt nun die Frage, wie findet der Leser das richtige Buch.

Denis Scheck empfiehlt jedem Leser den Weg der Selbstemanzipation, um für sich herauszufinden, welches Buch zu ihm passt.

Zum Glück sind Geschmäcker verschieden und der Buchmarkt bietet eine große Bandbreite an Literatur. Ich habe an diesem Abend das ein oder andere Buch meiner Wunschliste hinzufügen können.

Während des dem Abend vorangegangenen Meet & Greets durfte ich gemeinsam mit meiner Freundin und vier weiteren Lesern einen entspannten und sehr sympatischen Denis Scheck erleben. Wir bekamen die Gelegenheit kleinen Anekdoten aus seinem Leben zu lauschen und einen Blick hinter die Kulissen seiner Sendung "Druckfrisch" zu erhaschen.


An dieser Stelle endet meine Zeit als TA-Herbstlese-Bloggerin 2016. Es waren aufregende, interessante und ereignisreiche Wochen. Ich möchte mich beim Team der Thüringer Allgemeinen und der Erfurter Herbstlese für eine Vielzahl an unvergesslichen Leseabenden bedanken.





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