Mittwoch, 25. Mai 2016

Rezension "Liebe ist was für Idioten wie mich" von Sabine Schoder - FISCHER KJB



Broschiert: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch; Auflage: 2 (23. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3733501519
ISBN-13: 978-3733501518
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
D: 12,99 Euro





Inhalt:

Eine Liebesgeschichte, so echt, dass sie weh tut – und so berauschend, dass sie süchtig macht

Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man nach einem Konzert mit dem Sänger der Band im Bett landet, obwohl man den eigentlich total bescheuert findet.

Wirklich.
Kein großes Ding.
So was passiert.
Aber ausgerechnet ihr?
Nein!
Ganz.
Sicher.
Nicht.

Oder vielleicht doch?
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Die Autorin:



SABINE SCHODER, Jahrgang 1982, hat Graphikdesign in Wien studiert und einige Partys in dunklen Bars gefeiert. Ob sie ihren Jay Feretty dort gefunden hat, bleibt ein Geheimnis. Heute lebt sie fernab vom Großstadttrubel in Vorarlberg. ›Liebe ist was für Idioten. Wie mich.‹ ist ihr Debüt.

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Rezension:


Durch Zufall flatterte mir das Buch vor einer Weile in die Hände. Geliebäugelt hatte ich ja schon vorher damit, da mich die bunte Covergestaltung und der Titel magisch anzogen. Jedoch ist es immer so eine Sache, wenn Bücher hochgelobt werden. Entweder es ist für dich als Leser wirklich der absolute Volltreffer oder du gehst enttäuscht aus der Lesepause heraus. Sicher sind die gesetzten Erwartungen an solch ein Buch auch immer ein weniger höher, als bei anderen. Bei "Liebe ist was für Idioten wie mich" könnt ihr eure Erwartungen ruhigen Gewissens hoch ansetzen.

Der Klappentext vermittelt erst einmal den Eindruck, hier eine luftig leichte Liebesgeschichte mit ein paar Verwicklungen und den obligatorischen Liebeskummer vor sich liegen zu haben. Eine Story also zum Abschalten und Genießen. Anfangs scheint dieses Klischee auch voll bedient zu werden. Doch bereits nach wenigen Seiten verändert sich das Geschehen, der Leser wird in eine berührende realistisch anmutende Geschichte gerissen und kann sich den Emotionen in ihrer Tiefe nicht entziehen. Liebenswerte Charaktere, ein flüssiger Schreibstil und eine Handlung, bei der du dich gern mit auf die Reise nehmen lässt, runden diese Geschichte perfekt ab.


Der Tod der Mutter hat Vikis Vater zum Alkoholiker werden lassen. Die Beziehung der beiden ist aufgrund der gewalttätigen Tendenzen ihres Vaters eigentlich keine mehr. Als ihre Freunde sie nun zur Feier ihres Geburtstages in eine Bar einladen und es als Geschenk ein wenig Gras dazu gibt, gerät Viki kurzzeitig komplett aus der Spur. Eigentlich kann sie Jay Feretti, den arroganten Sänger der gerade auftretenden Band, überhaupt nicht leiden. Eher bemitleidet sie die Groupies, die ständig an ihm zu hängen scheinen. Doch an diesem Abend ist alles anderes und Viki erwacht am nächsten Morgen neben ihrem Hassobjekt...
Viki ist wütend auf sich, auf ihre Freunde, das Gras und natürlich auf Jay. Als dieser sich jedoch am nächsten Tag bei ihr meldet, ist dies der Beginn einer zarten Liebe, die beinahe an den Geheimnissen, die zwischen ihnen stehen, zu zerbrechen droht.

Ich habe mit den beiden Protagonisten gelacht, war fasziniert, habe gehofft, gebangt und gelitten. Sie haben sich nach und nach in mein Herz geschlichen und wurden fast so etwas wie liebe Freunde.

Ein sehr authentisches gefühlvolles Buchdebüt. Lasst euch vom Strudel der Emotionen mitreißen.

Sonntag, 22. Mai 2016

Rezension "Mein Herz wird Dich finden" von Jessi Kirby - FISCHER Sauerländer


Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (25. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Anne Brauner
ISBN-10: 3737353522
ISBN-13: 978-3737353526
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Things We Know by Heart

D: 16,99 Euro



Inhalt:


Eine Liebe, die tragisch endet.
Eine neue Liebe, die tragisch beginnt.
Ein Herz, das nicht aufhört zu lieben.
Und am Ende der Tränen: das Glück.

400 Tage ist es her.
Vor 400 Tagen ist Mias große Liebe bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vor 400 Tagen hat Noah eine zweite Lebenschance bekommen.
Als sie einander begegnen, spüren sie beide sofort, dass sie zusammen gehören.

Doch nur Mia weiß, dass Noah ihr niemals begegnen wollte. Dass sie gegen seinen ausdrücklichen Willen gehandelt hat, als sie sich auf die Suche nach ihm gemacht hat. Dass Noah niemals wissen wollte, wer vor 400 Tagen ums Leben gekommen ist. Weil es irgendwie nicht richtig ist, dass er weiterleben darf – nur weil jemand anderes gestorben ist.

Doch für Mia ist es, als wäre die Welt plötzlich wieder in Ordnung. Als wäre das Leben wieder bunt und schön. Und als hätte sie Noah nicht verschwiegen, dass sie einander nur begegnet sind, weil sie wissen wollte, wer der Mensch ist, der das Spenderherz ihres Freundes bekommen hat. Doch wie glücklich darf sie nach Jacobs Tod eigentlich sein? Und wann wird aus Schweigen … Verrat?

Mia muss Noah erzählen, wer sie ist. Aber was bedroht ihre Liebe mehr? Eine Lüge – oder die Wahrheit?
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Die Autorin:


Jessi Kirby ist, genau wie Mia, eine leidenschaftliche Läuferin, und ihr Herz schlägt für ihre Familie und das Meer. Sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden – und geheiratet. Mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt sie in Orange County, Kalifornien, USA.
Quelle: Amazon


Rezension:


Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, fällt es schwer loszulassen, das eigene Leben neu zu ordnen und weiterzuführen. Und ewig umkreist uns die eine Frage, die niemand beantworten kann: 
"Warum?" 
Wir möchten am Rad des Schicksals drehen und ungeschehen machen, was passiert ist.

Mia ergeht es da nicht anders. Von einem Moment auf den anderen verliert sie die Liebe ihres Lebens. Doch es gibt einen Unterschied und hier beginnt die eigentliche Geschichte. Jacob ist nicht wirklich verschwunden und lebt in mehreren Menschen weiter, die dank seiner Organspende weiterleben oder ein besseres Leben leben können. Jessi Kirby spricht das sensible Thema Organspende auf eine sehr eindringliche, aber nicht aufdringliche Art an. Sie bewegt dazu, darüber nachzudenken. 

Ich gebe zu, ich stehe der Thematik auch ein wenig Zwiespältig gegenüber. Die erreichten "Wunder" und "geschenkten Leben" und das entstehende Glück berühren. Doch auf der anderen Seite stehen noch immer die Bedenken, ob ein Leben hierfür nicht zu früh aufgegeben wird... 
Ich bin mit mir an dieser Stelle bisher nicht im Reinen, da Herz und Verstand noch nicht auf einer Ebene miteinander agieren.

Im Fall von Mias Geschichte, wurde Jacob mit seinem frühen Tod allerdings zum Lebensretter und Mia muss sich in einem Leben ohne ihre erste große Liebe zurechtfinden. Eine Art Therapie stellen für sie die Begegnungen mit den Empfängern der Spenderorgane dar. Oder ist es eher eine Selbstgeiselung und die einzige Möglichkeit für sie Jacob festzuhalten, einen Funken von ihm in diesen Menschen wiederzufinden?
Nur einer, der für sie wichtigste, meldet sich nicht. Jacobs Herz schlägt im Körper eines jungen Mannes weiter...

Auch Noah hat seine Probleme mit dem "geschenkten" Leben. Immerhin musste erst ein anderer Mensch sterben, damit er gesund weiterleben darf. Dieses "Geschenk" birgt nicht nur die Hoffnung auf ein langes Leben und die Möglichkeit die Welt zu entdecken. Nein, es ist für ihn auch eine Bürde, eine Verantwortung, der sich nicht immer gewachsen fühlt.




Das Herz steht für all unsere Gefühle, für die Liebe, die wir für andere empfinden. Besitzt unser Herz eine Art Gedächtnis? Speichert es Erinnerungen, die Gefühle beeinflussen können?

Mias Begegnung mit Noah zeigt einfühlsam, in welchem Zwiespalt beide stecken. Ihre Beziehung wird von Geheimnissen überschattet und beide müssen über ihre Schatten springen, neu Vertrauen fassen und den Mut zu einem Neuanfang finden.

Das Buch dringt nicht zu weit in die Tiefe, um für jugendliche Leser den Lesegenuss zu bewahren, gibt aber die ersten Denkanstöße, um sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen. Manche Lösungen erscheinen mir für das wahre Leben recht simpel gewählt. Hierhätte ich mir ein wenig mehr Mut in der Umsetzung gewünscht hätte. 
"Mein Herz wird dich finden" zeigt, wie wundervoll das Leben sein kann, dass wir auch in dunklen Zeiten nach vorn blicken müssen. Es gibt noch so vieles, für das es sich zu leben lohnt. Manchmal kommt das Glück ganz unverhofft zurück.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich noch nachschieben. Dieser hat mit der Geschichte selbst oder der Autorin nichts zu tun.

Im Nachhinein habe ich mitbekommen, dass die Namen der Protagonisten, z. B. von Noah, der in der Originalfassung Colton (Colt) heißt, geändert wurden. Ich finde dies schade, denn so kommen rasch Unstimmigkeiten in der Handlung bzw. Übersetzung auf. An einer Stelle im Buch wird Noah mit seinem Spitznamen als Colt angesprochen. Es passiert nur ein einziges Mal und eine weitere Erklärung für diese Namensgebung erfolgt nicht. Störend wirkt sich das zwar nicht direkt aus, doch genau über diese Stelle bin ich gestolpert. Leider ist diese Vorgehensweise kein Einzelfall in der Buchbranche.

Liebe Verlage habt bitte mehr Vertrauen in uns Leser. Ihr müsst die Namen nicht nach Gefallen bzw. Mode ändern. Ich finde die Namen der Originalfassung interessant und mir hätte das Buch auch so gefallen. Ich mache eine gute Story nicht an den Namen der handelnden Personen fest. Mich müssen der Plot und die Umsetzung überzeugen. Genau das hat Jessi Kirby auch geschafft.

Dienstag, 10. Mai 2016

Rezension "Remember Mia" von Alexandra Burt - dtv Verlag



Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423261013
ISBN-13: 978-3423261012
Originaltitel: REMEMBER MIA
D: 14,90 Euro





Inhalt:

Eine junge Mutter kämpft darum, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen – während die Welt sie für die Mörderin ihres Kindes hält.

Nach einem Autounfall erwacht Estelle Paradise im Krankenhaus und kann sich an nichts erinnern. Man hat sie in einer tiefen Schlucht aus dem Wrack ihres Wagens geborgen – schwer verletzt. Doch nicht alle Verletzungen stammen von dem Unfall: Es hat auch jemand auf Estelle geschossen. Wer? Nur sehr langsam dringt die wichtigste Frage in ihr Bewusstsein: Wo ist Mia, ihre sieben Monate alte Tochter? Sie war nicht mit im Unfallwagen. In einem schmerzlichen Prozess kehrt Estelles Erinnerungsvermögen zurück: Mia war schon drei Tage vor dem Unfall aus ihrem Apartment in New York verschwunden. Und Estelle wird auf einmal vom Opfer zur Hauptverdächtigen.

Quelle: Amazon



Die Autorin:

Alexandra Burt ist in Fulda geboren und zog nach einem Studium der Betriebswirtschaft in die USA. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Texas und schreibt auf Englisch. Dies ist ihr erster Roman.

Mehr zur Autorin unter www.alexandraburt.com.
Quelle: dtv-Verlag



Rezension:



Ein schlichtes schwarze Cover und eine geheimnisvolle Geschichte, nehmen uns in „Remember Mia“ mit auf die Suche nach der Wahrheit. Ein einzelner Schmetterling zeigt die Machtlosigkeit, in der die Protagonisten anfangs verharren, die Zartheit und Hilflosigkeit, die das Baby Mia umgeben.

Die Ereignisse werden aus der Sicht der Hauptprotagonistin Estelle erzählt. Gemeinsam mit ihr erleben wir die Vergangenheit noch einmal und setzen ihr Leben, wie es vor dem Unfall war, Puzzleteil für Puzzleteil zusammen. Wir fühlen ihre Ängste, Zweifel und die immense Schuld, die sie immer wieder verspürt.

Doch was passierte wirklich? Wie kann ein Baby aus einer abgeschlossenen Wohnung samt Kleidung und Spielzeug verschwinden? Existierte Mia überhaupt oder ist sie das Hirngespinst einer traumatisierten Seele, eine Wunschvorstellung? Welche Rolle spielt Stellas Mann Jack?
Jeder ist verdächtig. Doch was geschah wirklich?


Alexandra Burt bietet einen großen Spielraum für Spekulationen und Gedankenspiele. Mit jedem Erinnerungsfetzen ihrer Hauptprotagonistin verschiebt sich das gewonnene Bild für den Leser und macht Platz für einen neuen imaginären Handlungsablauf.

Dabei gibt sie an einer Stelle relativ am Anfang der Geschichte einen winzigen Hinweis, bei dem ich kurz gestutzt, ihn dann aber – wie sicher fast jeder Leser - recht schnell ausgeblendet habe. Im Nachhinein wurde mir die Bedeutung dieses kurzen Momentes erst bewusst. Diese unscheinbare Szene fügt letztendlich die Handlungsstränge wieder zusammen.

Stella ist eine Protagonistin, die man einerseits gern haben muss, andererseits nicht immer versteht. Ihre empathischen Gefühlsdefizite treten auch später noch sehr deutlich zutage.
Bei Jack verhält es sich anders. Trotz einiger guter Seiten ist er für mich kein Sympathieträger. Er ist der absolute Erfolgsmensch, der Schwächen bei anderen nicht eingestehen bzw. akzeptieren kann, seine eigenen aber gern unter den Tisch kehrt. Seine halbherzige Hilfe kommt in Estelles Situation zu spät. Einzig seine Entscheidung, sie in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen, stellt sich am Ende als der Rettungsanker heraus, den unsere Protagonistin brauchte. Jedoch geschah dies nicht aus Liebe und Mitgefühl, sondern eher aus Eigennutz und Blick auf eine angestrebte Karriere.

Selbst als so gut wie alle Knoten der Geschichte entworren sind, reißt die Spannung nicht ab. Stella zeigt sich zäher und entschlossener, als es anfangs den Anschein hatte.
Dennoch erwartet uns kein heiter Sonnenscheinende und genau aus diesem Grund hat mir der Abschluss gefallen.

Mit „Remember Mia“ erwartet den Leser ein psychologisch spannender und gut durchdachter Thriller. Dabei verzichtet die Autorin auf blutige verstörende Szenen und entfacht dennoch ein Kopfkino, wie ich es lange nicht mehr beim lesen eines Thrillers erlebte.

Wir werden mit alltäglichen Versagensängsten und unseren Schwächen konfrontiert, finden aber tief verborgen auch unerwartete Stärken. Gerade die Mütter unter den Lesern dieses Buches möchte ich „warnen“ – es schickt euch auf eine Gefühlsachterbahn, die niemanden unberührt lässt.

Dienstag, 3. Mai 2016

Rezension "Willkommen im Meer" von Kai-Eric Fitzner - Knaur Taschenbuch




Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Knaur TB (24. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426519119
ISBN-13: 978-3426519110
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Das Buch, das einen „Lovestorm“ entfachte

Im Mai 2015 erlitt Kai-Eric Fitzner einen Schlaganfall. Seine Frau veröffentlichte daraufhin einen verzweifelten Aufruf, den selbstverlegten Roman ihres Mannes zu kaufen und so die Familie in schwieriger Zeit zu unterstützen. Über Nacht wurde „Willkommen im Meer“ ein vielgeliebter Bestseller. Mittlerweile ist der Autor aus dem Koma erwacht und versucht, sich ins Leben zurück zu kämpfen. Sein Traum, bei einem Verlag veröffentlicht zu werden, hat sich mit dieser nun bei Knaur publizierten Ausgabe erfüllt.

Tim ist Lehrer mit Leib und Seele. Seine Mission: die Schüler zu ermuntern, nicht alle Dinge einfach hinzunehmen, sondern sie zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Mit seinem Lehrstil eckt er an seiner neuen Schule in Oldenburg gewaltig an. Dass er und seine Frau sich auch noch privat mit einigen Schülern anfreunden und einen verzweifelten Oberstufenschüler gar bei sich einziehen lassen, macht seine Situation nicht leichter. Bald droht man dem unkonventionellen Lehrer mit Berufsverbot. Doch auch wenn Tims Gegner mit harten Bandagen kämpfen – sie haben die Rechnung ohne Tims Familie und ohne seine Schüler gemacht.
Quelle: Amazon


Der Autor:


Kai-Eric Fitzner kam 1970 in Bremen zur Welt. Sein Frühwerk, die Geschichte vom geschenkgierigen Hasen, verfasste er im Alter von sieben Jahren und sorgte damit auf Omas Geburtstagsfeier für Furore. Auf die Schulzeit folgte ein geisteswissenschaftliches Studium, das Anfang des neuen Jahrtausends konsequenterweise in einer IT-Karriere mündete. Heute lebt er mit seiner Familie in Oldenburg und ist ein gefragter Vortragsredner.
Quelle: Amazon




Rezension:


Die Auswahl dieses Buches habe ich mir medienbedingt bestimmen lassen.
Der Hintergrund der Veröffentlichung und die tragische Geschichte des Autors haben die Gemüter vieler Leser, so auch mich, sehr bewegt. Da der Klappentext bereits verrät, dass diese Geschichte aus dem normalen Rahmen fällt, war ich natürlich auch recht neugierig.
Warum also nicht neue Lesewege einschlagen und dabei etwas Gutes tun. Anders muss nicht schlecht sein und kann, wie ich aus Erfahrung weiß zu tollen Leseentdeckungen und frischem Leseschwung führen.

Aufgrund der Publicity und dem Erfolg des Buches setzte ich die Messlatte meiner Erwartungen recht hoch an. Zu hoch?

Kai-Eric Fitzner verwendet für seinen Protagonisten die Ich-Perspektive und ich mag Bücher, die in diesem Stil geschrieben sind. Dennoch tat ich mich mit dem Einstieg in die Erzählung schwer.

Die Charaktere rund um Tim Schäfer entbehren - genau wie der Protagonist selbst - zwar nicht einer großen Bandbreite an Eigenschaften und interessanten Zügen, verbleiben aber in einer eigenen, für mich nicht greifbaren Welt. Ich konnte mich mit keiner Person identifizieren und sie berühren auch keinen besonderen Punkt in mir. Seltsam distanziert beobachtete ich Tim Schäfer in seinen Handlungen, folgte seinen Ansichten und lauschte seinen Äußerungen, ob diese nun im Dialog oder einer Art Selbstgespräch erfolgten.
Die Gedankensprünge im Ablauf selbst erschwerten den Zugang für mich als Leser. Es war nicht immer einfach einen Weg durch das Chaos zu finden. Die dargestellten Lebensansichten des Lehrers Schäfer sowie dessen Privatleben ließen mich nur hoffen, dass meinen Kindern ein solches "Vorbild" in der Schule erspart bleibt.
Ein wenig Hippie, ja, das wünschte ich mir manchmal schon von einem Lehrer. Klingt ja auch cool. Doch kommt Alkohol ins Spiel, der dann auch noch mit den Schüler geteilt  und dies als Lappalie hingestellt wird, dann reagiere ich allergisch. Allgemein wirkt das komplette Konstrukt eher fragwürdig, als überzeugend.

Dabei entbehrt die Geschichte nicht einiger guter Ansätze. Die hier provozierte Gesellschaftskritik ist nicht zu übersehen und lässt den Leser über bürokratische Hürden, gesellschaftliches Miteinander und den Sinn, den wir unserem Leben geben, nachdenken. Hierarchien werden angezweifelt und die Schüler zu eigenständigen Denken aufgefordert. Hierbei sollen sogar Grenzen überschritten werden. Fortschritt, auch gesellschaftlicher Natur, wird nur durch Mutige, die ihren eigenen Weg gehen und dabei nicht immer Normkonform vorgehen erwirkt.
Dennoch war mir das ständige gegen den Strom schwimmen auf die Gesamtlänge des Buches zu viel und zu unrealistisch. Es waren, ich möchte mal sagen, zu viel Rebellion gegen die Gesellschaft und zu wenig greifbarer Inhalt versammelt.
Der Autor konnte mich nicht wirklich fesseln oder mitreißen und selten war ich so froh, ein Buch beendet zu haben.

Das Buch profitiert enorm von der tragischen Lebensgeschichte des Autors und der Medienpräsenz. Ich bezweifle, dass es ohne diesen Hintergrund den gezeigten Erfolg erzielt hätte.

Eine sehr eigene Geschichte, zu der es sicher zwiespältige Meinungen gibt, so dass sich jeder selbst sein eigenes Bild machen sollte.