Donnerstag, 17. August 2017

Rezension "Death Call - Er bringt den Tod: Thriller (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 8)" von Chris Carter - Ullstein Taschenbuch


    Taschenbuch: 416 Seiten
    Verlag: Ullstein Taschenbuch (11. August 2017)
    Sprache: Deutsch
    Übersetzung: Sybille Uplegger
    ISBN-10: 3548289525
    ISBN-13: 978-3548289526
    Originaltitel: The Caller
    D: 10,99 Euro




    Inhalt:


    Er findet dich. Immer. Überall.

    Tanya Kaitlin freut sich auf einen entspannten Abend. Plötzlich klingelt ihr Handy, ein Videoanruf von ihrer besten Freundin. Tanya nimmt den Anruf an, und der Alptraum beginnt: Ihre Freundin ist gefesselt und geknebelt. Tanya hat eine Chance, die Freundin zu retten, hört sie von einer tiefen, unheimlichen Stimme. Sie muss nur zwei Fragen richtig beantworten. Sie scheitert - und ihre Freundin wird vor ihren Augen brutal ermordet. Profiler Robert Hunter und sein Partner Garcia haben einen neuen Fall: ein Serienmörder, der seinen Opfern in den sozialen Medien auflauert. Er studiert ihre Fehler und nutzt sie für sein perfides Spiel. Und das hat gerade erst begonnen ...
    Quelle: Ullstein Buchverlage


    Der Autor:


    Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Gegenwärtig lebt Chris Carter in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.
    Quelle: Ullstein Buchverlage




    Rezension:

     
    Nach diesem Thriller möchtet ihr keine Videoanrufe führen - glaubt mir.

      Fast ein Jahr ist es her, dass ich Chris Carter live zur Eröffnungsveranstaltung seiner recht kurzen Deutschlandlesetour im Rahmen der Erfurter Herbstlese erleben durfte. Ein Abend, der noch immer nachhallt. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Der sympathische Autor hat mich in seinen Bann gezogen und bis heute nicht losgelassen. Andererseits kam es mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich seinen neuesten Thriller in den Händen halten durfte.
      Ein absoluter Pageturner.

      "Death Call" brilliert einmal wieder durch seine detaillierten Schilderungen, besonders im Hinblick auf die Psyche der beteiligten Personen. Dieser Thriller ist nichts für zart besaitete Leser, dennoch nimmt sich Chris Carter - im Vergleich zum vorherigen Band - in seinen Ausführungen sehr zurück. Ja, die Szenen sind brutal, doch trotz der bildhaften Beschreibungen verbleiben die extremsten Details der Vorstellungskraft jedes Einzelnen. Ihr entscheidet, wie weit sich die Bilder in Euren Köpfen manifestieren.

      Im Laufe der Handlung lässt er uns die Opfer näher kennen lernen, Sympathien zu diesen entwickeln, um seine Leser anschließend in einem gekonnten Schachzug mit in den Abgrund zu reißen. Es gibt immer zwei Opfer. Eines, das die physischen Qualen ertragen muss und eines, das ein Leben lang psychisch gestraft sein wird. Die Ideologie hinter den Taten ist erschreckend wie traurig.
      Chris Carter hat eine besondere Art, mit Worten Bilder zu entwerfen und somit eine Art Film in den Kopf des Lesers zu projizieren. Seine Protagonisten werden zu Freunden, Verbündeten und umso schmerzhafter ist anschließend der Verlust.



    Der Autor schafft es scheinbar mühelos den Spannungsbogen von Kapitel zu Kapitel steigen zu lassen. Winzige Cliffhänger an deren Enden bewirkten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Der Täter bleibt bis zum Schluss im Dunklen verborgen und so mancher Lösungsweg erweist sich als Sackgasse. Ich habe bis zur Entlarvung des Mörders nicht sagen können, um wen es sich handelt. Verschiedene Handlungsstränge sorgen für einen weiteren Kick. Schlussendlich verlaufen sie aber auf einen gemeinsamen Punkt hinaus.
    Einer ist die angehende "Lovestory" für Hunter. Mein Lieblingsprotagonist und Ermittler ist und bleibt Hunter. Ich hoffe, das leichte Schmetterlingsflattern wird im nächsten Band zum Flügelschlagen. Verdient hätte er es.

    Neben Spannung und Unterhaltung gibt uns Chris Carter dieses Mal noch einige Denkanstöße mit auf den Weg. Wir alle bewegen uns in den verschiedenen Bereichen der Social Media. Ganz selbstverständlich teilen wir Gedanken, Erlebnisse, Fotos und vieles mehr. Welche Gefahren sich hinter dieser Transparenz verbergen, wird spätestens nach "Death Call" noch einmal deutlich bewusst.


    Auch Band 8 der Hunter-Garcia-Reihe ist ein absolutes MUSS für Thrillerliebhaber.



Sonntag, 13. August 2017

Rezension "All die verborgenen Dinge" von Sarah Moore Fitzgerald - FISCHER KJB



Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (23. März 2017)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Adelheid Zöfel
ISBN-10: 373735197X
ISBN-13: 978-3737351973
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
D: 14,99 Euro





Inhalt:


Glück ist (k)ein Wunder
Unten am Fluss liegt das Glück. Genauer gesagt im Wohnwagen am Flussufer. Er ist einer dieser wenigen Orte auf der Welt, wo man sagen kann, was man denkt und sich nicht verstellen muss. Dort wohnt Ned. Er ist neu an Mintys Schule und so ganz anders als alle anderen. Die Mitschüler finden ihn seltsam, wollen nichts mit ihm zu tun haben. Aber Minty ist fasziniert. Ned traut sich, ganz er selbst zu sein, egal, was andere denken. Im Gegensatz zu Mintys Eltern, die sich gerade getrennt haben und so gar nicht sie selbst sind. Durch ihre Freundschaft zu Ned sieht Minty, was so vielen verborgen bleibt: Wir entscheiden selbst, wie wir die Welt sehen. Glück ist kein Wunder, wir haben es selbst in der Hand.
Authentisch, einfühlsam und mit ganz viel Herz.
Quelle: S. Fischer Verlag




Die Autorin:



Sarah Moore Fitzgerald, geboren 1965 in New York, USA, ist Professorin für Psychologie. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Limerick, Irland, und glaubt ganz fest an die magische Wirkung von Apfelkuchen. Und daran, dass man die Hoffnung niemals aufgeben darf.

Literaturpreise:
›Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens‹:
Nominiert für den Waterstones Children's Book Prize (Shortlist) 2015
Ausgezeichnet mit dem Irish Book Award 2014
Quelle: S. Fischer Verlag





Rezension:


Bereits mit  "Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens" konnte mich Sarah Moore Fitzgerald vor einer Weile sehr begeistern und nun war ich auf ihr neuestes Werk mehr als gespannt. 

Wieder bewegen wir uns in der realen Welt und erhaschen einen Blick auf die Gedanken- und Gefühlswelt Heranwachsender unter dem Einfluss ihrer familiären Zustände. Es geht um alltägliche Probleme in der Schule, im Freundeskreis und mit den Eltern. 

Missverständnisse können lawinenartig Aktionen in Gang setzen. Halbwahrheiten zeigen, um wie vieles wichtiger Ehrlichkeit im Umgang miteinander ist.
Die Protagonisten im Buch kämpfen mit dem Alleinsein, Intoleranz, Ausgrenzung, Vorurteilen der Gesellschaft, den eigenen Unsicherheiten und Träumen. Wir erleben, wie zerbrechlich zart geknüpfte Bande der Freundschaft sind und wie stark die innere Verbundenheit dennoch werden kann.

"Gerüchte sind nur Wörter. Sie schweben durch die Luft, von einer Stimme zu anderen, und sie sind unsichtbar. Komisch, wenn man sich überlegt, wie viel Macht sie trotzdem haben können." 

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Minty erzählt und der Leser findet sich nach kurzer Orientierung sehr gut in ihre Gedankenwelt hinein. Ned besticht dagegen mehr durch die von Minty beobachteten Handlungen und ihre Beschreibungen seines Gemütszustandes. Man ist versucht, selbst in die Geschichte einzugreifen und gegen die Ungerechtigkeiten, denen besonders Ned ausgesetzt ist, anzukämpfen. Beide Protagonisten könnten unterschiedlich nicht sein und doch existiert zwischen ihnen eine Verbundenheit, gegen die sie sich nicht erwehren können. 

"So viel verschiedene Gefühle meldeten sich: Loyalität und Verbundenheit, Hoffnung und Freundschaft."

Der bildhafte, stellenweise poetische und ausdrucksstarke Schreibstil der Autorin hat mich hier wieder einmal fesseln können. Aufgrund kurz gehaltener Kapitel ist es es möglich, passende Leseunterbrechungen einzufügen, wobei sich die 240 Seiten des Buches recht zügig lesen lassen. Dabei muss man immer wieder innehalten, um die wundervollen Zitaten im Buch genießen zu können.

Leider geht Sarah Moore Fitzgerald dieses Mal für mich nicht genug in die Tiefe. Sie belässt es bei kurzen Anschüben und plätschert mehr an der Oberfläche herum. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Intensität gewünscht. Dennoch entwickelt man bei Lesen eine starke Verbundenheit mit Ned und Minty. 

Es ist eine Geschichte, die bewegt, über Abenteuer und den Wert von Ehrlichkeit, Vertrauen und Freundschaft. 

Montag, 7. August 2017

Rezension "Mitternachtstango" von Katrin Koppold - Books on Demand





Taschenbuch: 388 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (14. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3743149257
ISBN-13: 978-3743149250
D: 11,99 Euro








Inhalt:


Ich wollte mein Herz nie wieder an etwas hängen, von dem ich nicht ertragen könnte, es zu verlieren. Aber so funktioniert das Leben nicht ...
Die Journalistin Amelie Schneider arbeitet in ihrer Freizeit als Klinikclown und liebt diesen Job über alles. Um ihre kleinen Patienten aufzuheitern, ist ihr keine Mühe zu viel. Deshalb denkt Amelie auch nicht lange nach, als sich ein kranker Junge ein Autogramm des Hollywoodstars Nik von Hohenstein wünscht: Schließlich muss sie sowieso nach Südfrankreich, wo Nik gleich mit seiner ersten Regiearbeit als heißer Anwärter auf die Goldene Palme gilt.
Doch ein paar Tage vor der Preisverleihung wird der ebenso ehrgeizige wie attraktive Nik in einer höchst pikanten Situation erwischt und hat ganz andere Probleme, als den Autogrammwunsch eines kleinen Jungen zu erfüllen. Womit er allerdings nicht gerechnet hat: Amelie ist überaus hartnäckig und bald auch die Einzige, die ihm aus seinem Schlamassel heraushelfen kann ...
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Katrin Koppold:
"Wenn du an eine Weggabelung kommst, geh einfach drauf zu".
Dieses Zitat aus dem Film "360°", das die Autorin ihrem Debutroman "Aussicht auf Sternschnuppen" vorausgestellt hat, trifft ihre Lebensphilosophie ziemlich genau. Nicht lange zaudern, Neues ausprobieren, auch wenn man sich dabei blaue Flecke holt, Risiken eingehen, Visionen haben!
Nach Abitur und Studium ist Katrin Koppold viel gereist, hat die Welt erkundet, als Fitnesstrainerin, Journalistin, Mode- und Kosmetikdarstellerin und in einem Restaurant gearbeitet, bevor sie den Mann ihrer Träume kennen gelernt hat und sesshaft geworden ist. Heute lebt sie mit ihrer Familie und den Katzen Merlin und Fiona in einem Häuschen in der Nähe von München.
Ihre Romane rund um die Liebe, das Leben und das große Glück lässt sie immer wieder an Orten spielen, an die sie ihr Herz verloren hat: Italien, Irland, München, Paris ...
Quelle: Amazon

Rezension:


Den Verlauf der Geschichte dürfen wir aus zwei Perspektiven erleben. Einmal aus Amelies und einmal aus Niks Sicht erhalten wir einen Einblick auf ihre Gefühls- und Gedankenwelt. „Mitternachtstango“ ist erneut eine Achterbahnfahrt durch unsere Emotionen. Romantisch, witzig, spannend, ernst und gefühlsgeladen darf sich der Leser durch die Seiten tragen lassen.

Starke Protagonisten und der aktuelle ernste Grundton (DKMS) sorgen für eine Ausgewogenheit zwischen Unterhaltung und nachdenklich stimmenden Passagen.
Dennoch ist es ein heiteres Buch, in das man leicht eintauchen und sich fallen lassen kann.

Trotz aller Leichtigkeit hat Katrin Koppold es wieder getan und eine winzige Passage eingefügt, auf die ich ehrlich gestanden, schon gewartet hatte. Ich wusste, ich würde meine Taschentuchpackung brauchen…

Als wunderbar exzentrisch empfand ich Amelies Freundin und Kollegin Lieselotte mit ihrer Wünschelrute „Herbert“. Ich könnte sie mir gut als Protagonistin in einem weiteren Roman vorstellen.

Lebendig sowie farbig beschriebene Handlungsorte entführen uns romantische Dörfer und pulsierende Großstädte. Man bekommt direkt Lust, sich ins Auto zu setzten und loszufahren bzw. zu fliegen.

Nehmt euch einen Kurzurlaub und reist in die Welt von "Mitternachtstango".


Mittwoch, 2. August 2017

Rezension "Im Glashaus gefangen zwischen Welten" von Devakumaran Manickavasagan (Deva) - Engelsdorfer Verlag / Nova MD Verlag




Taschenbuch: 195 Seiten
Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (31. Juli 2012)

             Nova MD Verlag; Auflage 2 (18. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862689204
ISBN-13: 978-3862689200
D: 6,81 Euro / 2. Auflage: D: 14,50 Euro









Inhalt:


»Im Glashaus gefangen zwischen Welten« bietet einen Einblick in das Leben von Migranten, die ihre Heimat verlassen haben, um im Exil einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Am Beispiel der Jugend der in Deutschland lebenden Exil-Tamilen, zu denen er selbst gehörte, beschreibt der Autor Probleme und Hindernisse, die mögliche Gründe für eine verfehlte Integration sind. Von der einen Kultur in die andere gestoßen und in ihren Gefühlen verletzt, wissen sie oft nicht, wie ihr weiterer Weg verlaufen soll. Der Blick hinter die Kulissen ermöglicht betroffenen Migranten eine andere Sichtweise auf die Dinge und zeigt mögliche Wege auf.
Quelle: Amazon






Der Autor:



Devakumaran Manickavasagan, geb.1987 in Ratingen.
Seit über 10 beschäftigte er sich mit dem Wandel verschiedener Kulturen in Deutschland. Dies gelang ihm durch den Austausch mit betroffenen Menschen,begleitet von zahlreichen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen mit dem Leben zwischen zwei Kulturen. Während der Flüchtlingskrise, die Deutschland im Jahre 2015 heimsuchte, konnte er als Betreuer und später Leiter einer Notunterkunft mit seiner tatkräftigen Unterstützung einen wertvollen Beitrag für die neu angekommenen Menschen in Deutschland leisten. Der Autor war lange Jahre im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aktiv, um seine Forschungen und Beobachtungen, die er persönlich im Glashaus gemacht hat, zu widerlegen

Mehr über den Autor: www.devamanick.com
Quelle: Amazon



Rezension:


Nach einem sehr netten und höflichen Kontakt, hat mich dieses bereit 2012 erschienene Buch direkt über den Autor erreicht.
Die Problematik ist aktueller denn je und ich war gespannt, ob ich hier Antworten auf meine unterschiedlichen Fragen finden würde.

Der Buchtitel leitet sich von dem Ausspruch "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ ab, der wohl jedem bekannt ist. Doch was genau bedeutet er wirklich?

Hier gibt es unterschiedliche Interpretationen, die letztendlich jedoch auf dieselbe Aussage abzielen.

Man sollte niemanden Dinge vorwerfen, die man selbst tut bzw. getan hat. In heiklen Situationen sollte man darauf achten, nicht unüberlegt zu handeln und diese dadurch zu verschlimmern. Kritik an anderen ist leicht geübt, doch sollte niemand ein Urteil über das Verhalten anderer Personen fällen, wenn man selbst kein anderes Verhalten an den Tag legt.

Ich habe im eigenen Bekanntenkreis den Fall, das von der betreffenden Person öffentlich harsche Kritik für etwas geübt wurde, Leute regelrecht verdammt wurden, auf Unverständnis sowie Ablehnung stießen, das der Kritikübende selbst in der Vergangenheit nicht anders gehandhabt hatte. Ja, man kann seine Ansichten ändern. Wenn ich jedoch Kritik übe, denselben „Fehler“ aber selbst auch begangen habe, sollte dies nicht unerwähnt bleiben. So aber wirken die Äußerungen für mich heuchlerisch.

Wie münzt der Autor nun dies auf das Thema seines Buches um? 

Deva spricht aus eigener Lebenserfahrung heraus. Er verschweigt gemachte Fehler nicht und zeigt seinen Weg der Verarbeitung auf. Der Autor verdammt nicht, er entschuldigt auch nichts. Sein Anliegen ist darauf ausgerichtet, Verständnis zu schaffen - für die Probleme von Migranten und deren Kindern, Betroffenen einen Ausweg zu zeigen und Hilfestellungen zu geben. Er möchte nicht, dass wir das Verhalten akzeptieren, sondern die Gründe, den Ursprung begreifen, aus denen sich diverse Problematiken entwickeln.

Wir sehen nur die Flüchtlinge, die ins Land strömen, Forderungen stellen, aber dennoch keine Verbundenheit mit der neuen Heimat aufbauen wollen. Der erste Gedanke von Flüchtlingen ist immer die Flucht und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Dabei bleiben Pläne, wie dies in einem neuen Land, ohne Hab und Gut zu realisieren ist, außen vor. Das Erwachen kommt meist zu spät. Es ist ein Neuanfang, der viele vor unüberwindbare Hürden stellt. Sprachbarrieren und veraltete Wertvorstellungen behindern einen fortschrittlichen Weg. Handlungsweisen verstärken sich ins Extreme, weil man eine Art Heimatgefühl bewahren möchte. Der Wunsch selbst ist nur zu verständlich, an der Umsetzung hapert es. Die Kinder dieser Familien sind am schlimmsten getroffen. Sie bewegen sich zwischen zwei Kulturen, zwei Welten und gehören doch nirgends wirklich dazu. Wo liegen ihre wahren Wurzeln und wie verbunden sind sie noch mit diesen? Es folgt eine oft lebenslange Identitätssuche.

Kontroversen sind vorprogrammiert. Fehlverhalten oder die Fluch in die vorgelebten, meist von Gewalt geprägten Muster, resultieren hieraus. Deva betreibt Ursachenforschung, ohne Anklage zu erheben. Er möchte wachrütteln und Konfliktlösungen aufzeigen.

Mir hat das Buch zum Beispiel die Frage, warum Migranten ihre Religion strenger ausüben, sich oft nur in ihre eigenen Kulturkreise zurückziehen, dafür von der Kultur des Landes, in dem sie Zuflucht gesucht haben, abkapseln und regelrecht fanatisch an Sitten und Gebräuchen der alten Heimat festhalten, beantwortet.

„Im Glashaus gefangen zwischen Welten“ würde ich in den Bereich Sachbuch einordnen. Es ist informativ und hilft, Verhaltensweisen nachvollziehen zu können. Dabei fordert das Buch beim Lesen große Aufmerksamkeit, denn was sich anfangs noch leicht wie eine Art Autobiografie liest, wird mit Fortschreiten psychologisch und philosophischer. Der Schreibstil gleicht an vielen Stellen einer wissenschaftlichen Abhandlung, dann wechselt der Autor wieder ein einen eher erzählerischen Tenor.

Natürlich darf man die vom Autor getätigten Ausführungen nicht auf alle Menschen ummünzen. Es gibt viele Ausländer, die sich in ihrer Wahlheimat voll integrieren, einen ausgewogenen Weg zwischen der Landeskultur und dem mitgebrachten Glauben finden konnten.

Auch blitzt beim Autor immer mal wieder ein verklärter Blick auf das Leben deutscher Jugendlicher und ihrer Familien durch. So unähnlich sind die Strukturen im Vergleich zu tamilischen Familien gar nicht. Leistungsdruck wird auch hier sehr oft aufgebaut. Spricht man mit deutschen Jugendlichen, fühlen sich diese in ihren Freiheiten von den Eltern auch eingegrenzt.

Das Unbekannte, das, was man selbst nicht leben darf oder kann, erscheint immer als erstrebenswertes Ziel. Doch manchmal unterscheidet sich das angestrebte Leben nur in wenigen Punkten von dem eigenen. Ungebrochen dessen bedeutet es eine Gratwanderung, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen und den eigenen Weg zu finden.

Deva hat mit seinem Buch einen Schritt in die richtige Richtung getan. Er öffnet denen, die es zulassen, den Blick auf die Möglichkeit von einem Leben mit Traditionen und Fortschritt, unter dem Einfluss verschiedener kultureller Strömungen, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. Allen anderen gibt er hoffentlich ein wenig mehr Verständnis für unsere Mitmenschen mit auf den Weg.


Sonntag, 30. Juli 2017

Rezension "Die Leichtigkeit" von Catherine Meurisse - Carlsen Verlag






Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Carlsen (20. Dezember 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551734240
ISBN-13: 978-3551734242
D: 19,99 Euro





Inhalt:


Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden. Mit „Die Leichtigkeit“ hat Catherine Meurisse ein intensives und sehr persönliches Buch geschaffen, das ihrer Trauer Raum gibt und zugleich eine Ermutigung ist, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern.
Quelle: Amazon






Die Autorin:


Catherine Meurisse studierte Französisch und Literatur in Poitiers und anschließend Illustration - zunächst an der Estielle Schule in Paris und später an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs. Während dieser Zeit entstehen ihre ersten professionellen Illustrationen. Seit 2001 arbeitet sie für Charlie Hebdo und wird 2005 Redaktionsmitglied. Sie veröffentlicht Karikaturen und Zeichnungen in Le Nouvel Observateur, Libération und weiteren Zeitschriften, zudem hat sie auch mehrere Kinderbücher illustriert. Neben ihrer Arbeit für Charlie Hebbdo veröffentlichte sie auch Comics für Kinder und Erwachsene. "Die Leichtigkeit" ist ihre erste Veröffentlichung in Deutschland.
Quelle: Amazon




Rezension:



Manchmal bestimmt ein winziger Augenblick den weiteren Verlauf unseres Lebens. Die einen nennen es Schicksal, Vorsehung, Zufall oder einen glücklichen/unglücklichen Moment im Universum. Dies kann ein Eindruck, ein Bild, eine Reportage, eine Begegnung oder wie bei Catherine Meurisse eine Verspätung sein.





Der Spruch "Zur falschen Zeit am falschen Ort" sagt sich leicht dahin. Doch es gibt Momente, da hat dies unaussprechliche Folgen. Folgen für die direkt Betroffenen, aber auch ihre Familien und Freunde.

Noch am Vormittag des 7. Januar 2015 erschien "Charly Hebdo" mit einem provokanten Spruch unter einer Karikatur auf der abschließenden Seite. Provokant und polarisierend waren die Artikel und Karikaturen schon immer. Ein Satire-Magazin, das mutig unbequeme Wahrheiten beim Namen nennt. Doch an diesem unvergessenen Tag sollten die letzten Worte eine erschreckende, bittere Wirklichkeit annehmen.



Catherine Meurisse kommt an diesem Tag nur wenige Minuten zu spät zur Arbeit. Minuten, die ihr das Leben retten sollen. Denn am 7. Januar 2015 drangen zwei maskierte, bewaffnete Al-Quaida Terroristen in das Redaktionsgebäude. Am Ende offenbart sich ein Blutbad. Elf Menschen sterben, elf weitere werden teils schwer verletzt. Freunde, langjährige Kollegen sind von einem Moment auf den anderen nicht mehr da.

Catherine verliert buchstäblich den Boden unter den Füßen. Hinzu kommen die Selbstvorwürfe. Warum ist sie noch am Leben? Wie soll das Leben weitergehen? Verstehen kann man diesen Akt der Gewalt nicht. Wie kann man damit aber weiterleben, täglich den Erinnerungen gewachsen sein, das Gedankenrad nicht immer wieder um diesen einen Moment kreisen lassen?



Catherine verliert "Die Leichtigkeit" in ihrem Leben, ihr Denken, Handeln und ihre kreative Inspiration. Verarbeitet hat sie ihre Gefühle und das Fehlen eben dieser in der vorliegenden Graphic Novel. Anfangs existiert Catherine nur noch. Die Fröhlichkeit, der Esprit ist aus ihrem Geist entschwunden, scheint für immer verloren. Es bedarf eines langen zähen Weges, zu ihrem inneren ICH zurück zu finden. Selbstzweifel, Wut, Frustration und ein unbändiger Wille zu leben, treiben sie dabei an. Die Kunst ist eine Art rettender Anker für sie. Die Erinnerungen an ihre ermordeten Freunde lassen sie in einer tiefen Trauer versinken und spenden doch auch genug Kraft, einen Neuanfang zu wagen.

"Die Leichtigkeit" ist nicht nur ihr Weg zurück ins Leben, eine Mahnung und eine Verarbeitung der seelischen Wunden für Catherine Maurisse. Es ist ein Buch, das Mut gibt. Es zeigt, dass wir uns nicht unterkriegen lassen dürfen. Denn Situationen, in denen wir unsere Leichtigkeit verlieren können, gibt täglich viele.

Bewahrt euch eure Leichtigkeit und haltet das Glück und die Liebe in eurem Leben fest. Genießt die Schönheiten des Alltags und gebt niemals auf.





Ich habe dieses Buch als Wanderbuch im Rahmen eines Projektes von Astrolibrium bekommen. Gerade bei diesem Thema ist es wichtig, jemanden an seiner Seite zu wissen. 

Weitere Gedanken auf der Reise zur "Leichtigkeit" findet ihr unter den nachfolgenden Links bei:

Arndt von Astrolibrium

Yvonne und Paulinchen von Lesende Samtpfote


Freitag, 28. Juli 2017

Rezension "Apfelkuchen am Meer" von Anne Barns - MIRA Taschenbuch




Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1 (8. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3956497104
ISBN-13: 978-3956497100
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Der süße Duft des warmen Kuchens, der sich mit dem salzigen des Meeres vermischt, das ist für Merle das Aroma der Ferien ihrer Kindheit – das Aroma der Apfelrosentorte. Seit Generationen wird das geheime Rezept in Merles Familie weitergereicht. Als eine Freundin ihr erzählt, dass sie genau diese Torte in einem Café auf Juist gegessen hat, macht Merle sich spontan auf die Suche nach der Bäckerin. Unweigerlich führt ihr Weg sie zurück auf die Insel, wo noch mehr Geheimnisse verborgen liegen als nur ein Familienrezept.

Quelle: Amazon


Die Autorin:


Anne Barns ist ein Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie liebt Lesen, Kuchen und das Meer. Zum Schreiben zieht sie sich am liebsten auf eine Insel zurück, wenn möglich in die Nähe einer guten Bäckerei.

Quelle: Amazon


Rezension:



„Apfelkuchen am Meer“ weckt schon mit den ersten Seiten die Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Strand und Meer – Inselurlaub pur. Ich habe mich sofort festgelesen und von langen Strandspaziergängen geträumt. Wie Merle liebe ich das Wasser und sammle begeistert Steine und Muscheln. Nur Bernstein habe ich bisher nie entdeckt.

Doch Merles Ausflug auf die Insel ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen werden geweckt, alte Geheimnisse treten ans Tageslicht und halten einige Überraschungen bereit. Nebenbei dreht sich das Liebeskarussell und dieser Inselsommer verändert nicht nur Merles Leben und Zukunftspläne.

Die Frauen in Anne Barns Buch stehen mit beiden Beinen fest im Leben, halten zusammen und man kann das besondere Band zwischen Ihnen auf jeder Seite spüren. Solche Freundinnen wünscht man sich im Leben. Aber auch die männlichen Bewohner haben es in sich. Doch einfach machen es Ihnen die Frauen nicht.




Juist selbst kenne ich nicht, hätte nun aber unheimlich Lust auf einen Urlaub auf der Insel.

Wer gern alte Familiengeheimnisse lüftet und nach einem Roman sucht, der die richtige Urlaubsstimmung mitbringt, ist hier gut aufgehoben. Doch Warnung, ihr solltet beim Lesen immer ein leckeres Stückchen Kuchen dabei haben, denn es warten einige Verführungen auf euch.

Dank Anne Barns durfte ich bereits von der berühmten Apfelbutter kosten (lecker). Jetzt heißt es nur noch, mich selbst an deren Herstellung zu versuchen und eine Apfelrosentorte gilt es auch zu backen. (Die Rezepte findet ihr übrigens im Buch.)

Dienstag, 25. Juli 2017

Rezension "Einzig" von Kathryn Evans - FISCHER KJB


Broschiert: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch; Auflage: 1 (24. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
übersetzt von: Sabine Reinhardus
ISBN-10: 3733502973
ISBN-13: 978-3733502973
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren
D: 12,99 Euro





Inhalt:


Stell dir vor, dein Leben dauert nur 365 Tage.
Danach übernimmt jemand anderes dein Leben: deine Clique, deinen Freund – alles, von dem du meinst, dass es einzig und allein dir gehört …
Die sechzehnjährige Teva scheint ein vollkommen normales Mädchen zu sein. Nicht einmal ihr beste Freundin Maddy oder ihr Freund Ollie ahnen, dass sie nicht ist, was sie vorgibt zu sein. Dass Teva sie anlügt, an jedem einzelnen Tag. Dass sie nur eine von vielen ist. Zu Hause warten ein Dutzend jüngere Versionen von ihr, für immer und ewig acht, neun oder zehn Jahre alt. Weggesperrt, nachdem sie 365 Tage lang so getan haben, als würden sie ein ganz normales Leben leben.

Teva ist nicht bereit, ihre Freiheit und ihre Freunde aufzugeben, doch ihre Zeit läuft langsam ab. Nummer Siebzehn wartet nur darauf, endlich an die Reihe zu kommen. Tee beschließt, dass es ein Ende haben muss. Sie wird kämpfen, koste es, was es wolle …
… Eine einzigartige Mischung aus Thriller und Sci-Fi – und ein Pageturner ab der ersten Seite!
Quelle: Fischer KJB




Die Autorin


Kathryn begann ihre Karriere am Theater, hörte jedoch dort auf, um eine Familie zu gründen. Sie ist außerdem Eigentümerin einer richtigen Obstfarm.. Ihre Kreativität lebt sie beim Schreiben aus. Ansonsten liebt sie Tanzen und Fechten, und ist finanzwirtschaftliche Koordinatorin für die »Society of Children's Book Writers and Illustrators«. Sie lebt auf ihrer Farm in Sussex.

Literaturpreise:

›Einzig‹:
- Gewinner beim Edinburgh Book Festival 2016

Kathryn Evans gewann den SCBWI (Society of Children´s Books Writers & Illustrators) Crystal Kite Award in Großbritannien und Irland.
Quelle: Fischer KJB



Rezension:


Der Traum vom ewigen Leben, für immer jung bleiben – für Teva harte Realität – ein Alptraum – ihre Zukunft.

Jeden Tag wird sie mit ihren vergangenen Leben und der Aussicht auf die eigene Zukunft konfrontiert. Es sind ihre jüngeren „Ich´s“, die sie täglich vor Augen hat. Keine Erinnerungen oder Fotos, nein, reale lebendige Tevas in allen Altersstufen. Für jedes Lebensjahr eine Teva und natürlich Eva, mit der alles begann. Nur zwei Tevas fehlen, doch ihre Mutter hält auch dieses Geheimnis tief in sich verborgen. Sie versucht ihr Kind, ihre Kinder zu beschützen und doch übersieht sie die Anzeichen des Sturms, der sich zusammenbraut.

Was wird sein, wenn sie eines Tages nicht mehr für die Mädchen da sein kann? Eva wird immer eine Dreijährige bleiben und alle anderen sind ebenfalls in ihrem jeweiligen Alter gefangen.

Fiktion oder der Ausblick auf die Möglichkeiten der Wissenschaft in der Zukunft?

Teva ist 16. Sie möchte sich entfalten, ihren Weg finden und ihre Träume verwirklichen. Dabei bleibt ihr nur die kurze Zeitspanne von einem Jahr, nur 365 Tage, für die Umsetzung. Danach wird sie für immer im Körper einer 16jährigen feststecken und hinter den Mauern ihres Zuhauses gefangen sein. Denn in der Öffentlichkeit darf es nur eine Teva geben. Viel zu gefährlich wäre es, zu versuchen, das Phänomen der Familie, Außenstehenden zu erklären.




Können die jüngeren Tevas noch Freundinnen sein, wirken teilweise sogar wie Zwillinge, entfernen sie sich mit zunehmendem Alter immer weiter voneinander. Sie werden Konkurrentinnen in einem Leben, das sie sich teilen und eines Tages abgeben müssen. Sie müssen zusehen, wie eine Doppelgängerin mit der besten Freundin Spaß hat, mit der ersten großen Liebe beginnt eigene Erinnerungen zu schaffen und niemand bemerkt etwas.

Zwischen der fünfzehnjährigen und der sechzehnjährigen Teva scheint aber ein gewaltiger Wesenssprung erfolgt zu sein. Beide kämpfen um ihren eigenen Platz im Leben. Sie gleichen sich und doch werdet ihr beim Lesen große Unterschiede feststellen. Sind wir mit fünfzehn so anders, als mit sechzehn? Ehrlich, ich kann mich nicht wirklich daran erinnern. Doch es lohnt, einmal darüber nachzudenken und dadurch vielleicht auch die eigenen Kinder besser zu verstehen.

Hoffnungen, Träume und Wünsche, wie sie alle Teenager haben. Ziele, die es zu erreichen gilt. Stellt euch vor, ihr würdet alles für dieses eine Ziel geben und ein anderer bekäme dafür die Belohnung. Ihr wäret nur noch zum Zuschauer aus weiter Ferne verdammt. Das Leben geht weiter, doch ihr dürft nur noch als Zaungast agieren. Eure Welt schrumpft auf die Quadratmeter eures Hauses zusammen.

Teva beginnt zu kämpfen – für sich, für ihr Leben, aber auf für Fünfzehn und die anderen Tevas. Doch dafür muss sie ein Geheimnis lüften, das ihre Weltsicht erschüttern wird.

Dieser Kampf fordert viel Kraft,  physisch sowie auch psychisch.

„Einzig“ ist überraschend, fesselnd und anders als die üblichen Jugendthriller. Kathryn Evans verliert sich nicht in Klischees und konnte eine neue Idee perfekt umsetzen. Wer sich auf diese einlässt, sich treiben lässt und nicht alles kleinlich hinterfragt, den erwarten spannende gefühlsgeladene Lesestunden.

Sonntag, 23. Juli 2017

Rezension "Esst euer Eis auf, sonst gibt´s keine Pommes - Mein Abenteuer als Alleinerziehende" von Katja Zimmermann - Ullstein Taschenbuch




Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (13. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548376703
ISBN-13: 978-3548376707
D: 9,99 Euro







Inhalt:


Erlaubt ist, was funktioniert - Hauptsache, die Kinder überleben.

Schwanger mit Zwillingen! Katja Zimmermann kann ihr Glück kaum fassen. Bald werden sie und ihre Jugendliebe eine richtige Traumfamilie sein. Bis Jonas ihr den folgenschweren Satz sagt: »Tut mir leid, das musst du ohne mich machen.« Seitdem schlägt sich Katja solo durchs Leben — mit Humor und Pragmatismus. Das »bisschen Haushalt«? Sieht die Wohnung halt aus wie nach Hurrikan Katrina. Selbstgekochter Babybrei? Es gibt doch Gläschen. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Hauptsache, alle haben eine gute Zeit. Der Alltag mit Kindern ist zwar keine romantische Komödie, aber voller absurd-komischer Momente.
Quelle: Ullstein Buchverlage




Die Autorin:


Katja Zimmermann wurde 1972 in Westberlin geboren und arbeitet als freie Drehbuchschreiberin für alle Serien mit „Liebe“ im Titel. Spezialität: Hochzeitsfolgen. Boshaftigkeit oder Ironie des Schicksals?
Quelle: Ullstein Buchverlage




Rezension:


Dies ist das erste Buch, das mich nicht nur mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurücklässt, sondern das ich wirklich bewusst und nach reiflicher Überlegung im letzten Drittel abgebrochen habe. Nach dem Titel und Klappentext bin ich leider mit falschen Voraussetzungen in mein Lesen gestartet und wurde recht schnell enttäuscht.

Dabei ist es nicht der Schreibstil der Autorin. Nein, der Text liest sich flüssig und auch der von mir erwartete Humor blitzte anfangs immer mal wieder durch. Der „Augenzwinkernde“ Blick geht aber von Seite zu Seite immer mehr verloren. Titel und Cover sind witzig und ansprechend. Mich hat die Einseitigkeit der Betrachtung des Themas „Alleinerziehend“ gestört und begann spätestens nach den ersten 60 Seiten nur noch zu nerven. In die Rubrik „Humor“ ist dieses Buch definitiv nicht einzuordnen.

Das Leben als Alleinerziehende ist unbestritten nicht einfach. Noch dazu mit Zwillingen, ist der Alltag besonders anfangs turbulent und anstrengend. Doch hier begibt man sich in ein Jammertal, welches ich nicht nachvollziehen kann. Bei Katja Zimmermann stimmt, bis auf das Fehlen eines Partners an ihrer Seite, alles. Sie bekommt sehr viel Unterstützung seitens ihrer Familie, hat einen super funktionierenden Freundeskreis und eine Arbeit, die sich super in ihren Familienalltag integrieren lässt. Sie kann somit auf ein wirklich gut funktionierendes Netzwerk zurückgreifen. Und auch finanzielle Probleme, wie sie Alleinerziehende, aber auch Paare oft plagen, konnte ich nicht finden. Zumindest in diesem Punkt ist der Vater der Kinder für sie da. Davon können andere Alleinerziehende meist nur träumen. Bei einigen Episoden war ich am Überlegen, wer außer der Autorin, sich den beschriebenen Luxus leisten kann. Um eine „typische“ Alleinerziehende handelt es in diesem Buch nicht.

Es wird zwar immer wieder betont, wie sehr sie die Kinder liebt und für sie da ist, was ich unbestritten glaube, doch parallel wird über alles und jeden gejammert. Über vieles wird geschimpft und als Leser erhält man eine sehr einseitige Sichtweise vorgehalten.

Ihrer Auffassung nach haben nur Alleinerziehende wie sie mit Problemen zu kämpfen. In sogenannten „Zwei-Eltern-Familien“ gibt es einfach keine wahren Probleme, die spielen sich nur auf und haben es doch total leicht. Familien haben es leichter und Alleinerziehende muss man bedauern bzw. auf einen Thron heben. So ist für mich der Tenor des Buches.

Auch „komplette“ Familien haben im Alltag Problemen zu bewältigen. Diese sind sicher anders geartet, dennoch nicht weniger groß oder belastend. Sie idealisiert die „perfekte“ Familie, wie sie es sich vielleicht für sich selbst gewünscht hätte, übersieht dabei aber, dass die Wirklichkeit anders aussieht.

Bei Katja Zimmermann liest sich der Alltag so, als gäbe es keine wirklichen Probleme bei anderen, diese seien nur hausgemacht und unwichtig. Sie setzt sich eine Art Heiligenschein auf, den ich so nicht sehen kann. Dabei geht es vorrangig darum, was sie selbst nicht machen kann oder andere nicht so regeln, wie sie es sich wünscht. Welche Freiheiten sie sich im Gegensatz zu einem Großteil anderer Mütter leisten kann, ist der Autorin gar nicht bewusst. Die Kinder sind immer nur Randfiguren in einem Stück, in dem sie als Zwillingmutter die Hauptrolle innehat.

Es ist die Geschichte einer unzufriedenen Luxus-Zwillingsmama, die nach Selbstbestätigung sucht, den wahren Problemen des Lebens aber blind gegenübersteht.
Leider hält „Esst euer Eis auf, sonst gibt´s keine Pommes – Mein Abenteuer als Alleinerziehende“ nicht, was Cover und Klappentext dem Leser versprechen.



Sonntag, 16. Juli 2017

*** Pixibuch-Challenge 2017 - Part 6 *** Mein Sticker-Pixi *** - Carlsen Verlag

Bevor es auf Reisen geht, sind wir immer am Überlegen, was wir zum Zeitvertreib mit einpacken. Bei einer Flugreise, so wie in diesem Jahr, muss natürlich auch die Gewichtsbegrenzung des Handgepäcks beachtet werden. Dicke Wälzer oder große Spiele lassen sich da nicht transportieren.

Doch es gibt eine Abhilfe - die Sticker-Pixis. Hier finden gerade kleine Kinder maximalen Spaß und Beschäftigung auf minimalem Raum. Doch auch die Größeren lassen sich hiervon gern begeistern.






Natürlich gibt es auch hier eine bunte Auswahl an Themen und die nachfolgenden drei Pixi-Bücher haben gerade unserem Jüngsten gefallen.


Mein Sticker-Pixi "Zu Hause"


stellt die einzelnen Räume in der Wohnung vor und wofür sie genutzt werden. Mit den Kindern lassen sich so bekannte Gegenstände benennen und entdecken. Kurze Sätze und viele Bilder unterstützen, lassen aber viel Freiraum für eigene Gedanken.


Sondereinband: 24 Seiten
Verlag: Carlsen 
Sprache: Deutsch
Pixi-Serie: 234 / Nr. 2127
ISBN: 978-3-551-05079-3
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 36 Monate - 6 Jahre
D: 0,99 Euro






Mein Sticker-Pixi "Fahrzeuge"


zeigt uns, wo wir welche Fahrzeuge im Alltag antreffen. Ob auf der Baustelle, an der Tankstelle, dem Bauernhof oder beim Hilfseinsatz von Polizei und Feuerwehr. Unterwegs bei Fahrten mit dem Auto, ist besonders unser Kleiner immer begeistert, wenn er diese dann in natura bei der Arbeit entdeckt bzw. beobachten kann.


Sondereinband: 24 Seiten
Verlag: Carlsen 
Sprache: Deutsch
ISBN: Pixi-Serie 234/Nr. 2129
ISBN: 978-3-551-05079-3
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 36 Monate - 6 Jahre
D: 0,99 Euro






Mein Sticker-Pixi "Bei der Polizei"


ist sicher ein Buch, das vorrangig Jungs lesen möchten, doch auch für kleine Mädchen interessant ist.
Es zeigt, dass Polizisten nicht nur Verbrecher jagen, sondern noch ganz andere Aufgaben erfüllen. 



Sondereinband: 24 Seiten
Verlag: Carlsen 
Sprache: Deutsch
ISBN: Pixi-Serie 234/Nr. 2128
ISBN: 987-3-551-05079-3
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 36 Monate - 6 Jahre
D: 0,99 EUro






Alle Pixi-Stickerbücher beinhalten eine Doppelseite mit abziehbaren Stickern und fördern damit noch einmal die Kreativität. Die Sticker können in das Pixi eingeklebt und so die einzelnen Szenen ergänzt werden. Sie lassen sich in der Regel auch leicht wieder abziehen und neu positionieren. Natürlich können die Sticker auch zur Gestaltung eigener Bilder Verwendung finden.

Sticker-Pixi sind tolle Erlebnisbücher für kleine Entdecker und kreative Köpfchen.



Dienstag, 11. Juli 2017

Rezension "Der Tag, an dem wir dich vergaßen " von Diane Chamberlain - Harper Collins



Broschiert: 400 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (8. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Marion Ahl
ISBN-10: 3959670850
ISBN-13: 978-3959670852
Originaltitel: The Silent Sister
D: 12,00 Euro




Inhalt:



Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Riley MacPherson nach North Carolina zurück. Jahrelang hat sie diesen Ort gemieden – zu zerrüttet war ihre Familie seit dem Selbstmord ihrer Schwester vor über 20 Jahren. Als Riley ihr Elternhaus ausräumt, findet sie eine Schachtel mit alten Zeitungsartikeln und macht eine schockierende Entdeckung: Lebt ihre totgeglaubte Schwester etwa noch? Was ist damals geschehen? Doch bei ihren Nachforschungen stößt Riley auf eine undurchdringliche Mauer des Schweigens …

„Ein absoluter Pageturner und ein Muss für alle Mystery-Fans!“
Library Journal

Quelle: Harper Collins





Die Autorin:


Diane Chamberlain ist in Plainfield, New Jersey, geboren und aufgewachsen. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin arbeitete sie als medizinische Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin. Bisher sind 16 Romane von ihr erschienen, die mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurden. Diane Chamberlain hat drei erwachsene Stieftöchter, einen Enkelsohn und zwei Shelties, die immer dann mit ihr spielen wollen, wenn ihr gerade eine großartige Idee für ein neues Buch gekommen ist.

Quelle: Harper Collins


Rezension:


Den Leser erwartet eine recht ruhig aufgebaute, dadurch jedoch umso intensivere Geschichte. 
Von Beginn an emotional und geheimnisvoll lassen einen die Geheimnisse dieser Familientragödie nicht aus ihren Fängen. Der Autorin gelingt es, ihre Figuren greifbar und intensiv darzustellen. So erleben wir mit ihnen eine Kaskade an Gefühlen. Nicht immer ist klar, wem die eigene Sympathie gelten soll. Meine Emotionen haben sich hinsichtlich einiger Protagonisten im Laufe der Geschichte sehr verändert. Dieses Mitwachsen mit der Handlung hat Diane Chamberlain für mich perfekt umgesetzt.

"Der Tag, an dem wir dich vergaßen" zeigt, wie weit wir für unsere Lieben gehen würden. Wie viel wir bereit wären aufzugeben. Oft spielen zufällige Begegnungen eine wichtige Rolle im Leben. Schicksalsschläge lassen uns wachsen sowie unsere inneren Stärken entdecken. Vertrauen und Liebe geben hierbei den nötigen Halt. 




Wie gut kennen wir unsere Eltern, Geschwister oder Freunde? Für Riley zerbricht bei ihrer Suche nach Antworten eine Familie und fügt sich neu zusammen. Viele kleine Puzzlestücke fügen sich am Ende zu einem Bild zusammen, dessen Ausmaße niemand vorhersehen konnte. Nicht jedes verletztes Herz kann geheilt werden, doch die Liebe lässt einen viele Hürden überwinden. In dieser Hinsicht empfand ich gerade die Darstellung von Rileys Bruder Danny sehr berührend.

Diane Chamberlain scheut sich nicht davor, ihre Protagonisten Fehler begehen zu lassen. Selbst wenn man über die manchmal kurzsichtigen Handlungen von Riley den Kopf schüttelt, muss man auch einmal ehrlich in sich gehen. Aus der Distanz gesehen erscheint vieles einfach und logisch. Ist man jedoch selbst in einer ähnlichen Situation gefangen, ergeben sich völlig andere Reaktionen. Verstand und Gefühle laufen nicht immer auf einer Ebene. Die Auseinandersetzung mit diesem Konflikt und dessen Verarbeitung haben mir am Plot gefallen.

Ein wenig irritierend ist für mich allerdings die Beurteilung des Library Journal, die auch im Klappentext angeführt wird -"...ein Muss für alle Mystery-Fans!". Hier werden Erwartungen erzeugt, die nicht befriedigt werden, denn Mystery-Elemente konnte ich keine entdecken. Dies nur als Anmerkung, damit niemand unter falschen Voraussetzungen das Buch zur Hand nimmt. Der Spannung selbst tut dies keinen Abbruch. 

Hier gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.

Freitag, 23. Juni 2017

Zwiebelchen goes on holiday!

Ja, einmal im Jahr machen wir auch unseren großen Familienurlaub. Und nun ist es soweit.
Sommer, Sonne, Strand und noch viel, viel mehr.



In diesem Jahr geht nach zehn Jahren ein Traum in Erfüllung. Mit der Großen waren wir schon einmal da, doch mit allen drei Kindern, das schien in den letzten Jahren fast unmöglich. Wohin es genau geht, verrate ich nicht. Ich glaube es erst, wenn ich wirklich dort bin. Im Moment verschiebt sich der morgige Flug immer weiter nach hinten. Bitte drückt die Daumen, dass alles gut geht!




Falls ich irgendwo ein freies WLAN finde, vorausgesetzt, mein Handy macht auch mit, gibt es sicher einmal zwischendurch Bilder via Instagram.

Ansonsten bleibt es hier in den nächsten zwei Wochen ruhig. Bis bald!

Rezension: "Fürchte die Nacht" von Claudia Puhlfürst - Coppenrath Verlag



Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Coppenrath; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3649671271
ISBN-13: 978-3649671275
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
D: 14,95 Euro





Inhalt:

Eine Woche Exkursion ins Nirgendwo – auf so eine Idee können auch nur verschrobene Biolehrer kommen, finden Lena und ihre beste Freundin Anne. Rund um ihr Landschulheim gibt es nichts als hohe Bäume und dichtes Unterholz. Zumindest eignet sich dieser Ort bestens für nächtliche Mutproben, und gleich am ersten Abend fordern die Jungs Lena und ihre Freundinnen dazu heraus, mit ihnen im Wald zu übernachten. Doch spät in der Nacht wird Anne von einer vermummten Gestalt angegriffen und gleich am nächsten Abend kommt es zu einem weiteren Überfall. Ein Mädchen aus der Gruppe wird im Wald erdrosselt aufgefunden! Völlig traumatisiert bricht die Klasse den Ausflug ab – doch der Mörder muss ihnen nach Hause gefolgt sein und lauert schon auf sein nächstes Opfer … Jugendthriller mit raffiniertem Katz-und-Maus-Spiel.
Quelle: Coppenrath Verlag





Die Autorin:


Claudia Puhlfürst, geboren 1963, studierte Biologie und Chemie und arbeitete als Dozentin und Lehrerin, bevor sie Redakteurin beim Duden-Verlag wurde. In der Belletristik hat sich die Autorin mit mehreren Psychothrillern einen Namen gemacht. Sie bezeichnet sich selbst als "kriminelle Schreibtischtäterin". Mit ihrem Hund und zwei Meerschweinchen lebt Claudia Puhlfürst in Zwickau.
Quelle: Coppenrath Verlag




Rezension:


Wäldern wohnt etwas Geheimnisvolles und Romantisches inne. 
Eine sonnendurchflutete Waldlichtung strahlt pure Magie aus. Ganz anders verhält es sich bei Nacht. Undefinierbare Schatten im trüben Mondlicht, das leiseste Rascheln im Unterholz verursachen Gänsehaut. Die Fantasie schlägt Purzelbäume und unsere Urängste kommen hervor. 
Doch gerade dieses Gefühl von Gefahr reizt. So stürzen sich Lena und Anna ins vermeintliche Abenteuer.

Was danach geschieht erscheint so real und wäre für mich der pure Alptraum. Egal, ob selbst betroffen oder als Elternteil. 
Da es sich bei den Protagonisten um Sechzehn-/Siebzehnjährige handelt, spiegelt sich dies auch in ihrem Verhalten wieder. Manchmal erscheinen sie dadurch recht nervig. Doch genau das spricht für eine authentische Handlung. Mal ernsthaft, nachdenklich, dann wieder recht oberflächlich oder naiv erleben wir die Jugendlichen. Der Autorin gelingt es das typische Verhalten von Teenagern und auch die Unterschiede im Wesen ihrer Protagonisten herauszuarbeiten.

Das Szenario ist geheimnisvoll, stellenweise düster und quälend. Psychologisch war das Buch für mich ein Pageturner

Claudia Puhlfürst spielt regelrecht mich den Ängsten ihrer Leser. Von Beginn an möchte man die Geheimnisse lösen, denn es gibt mehr als nur eines zu erforschen. Immer, wenn ich mich am Ziel angekommen fühlte, gab es eine neue Wendung und die Lösung rückte in weite Ferne. 

Das Ende hat mich sehr überrascht und ich wollte es am liebsten gar nicht wahrhaben... 


Sonntag, 18. Juni 2017

Rezension "Kasimir Karton – Mein Leben als unsichtbarer Freund" von Michelle Cuevas - FISCHER KJB





Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (23. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3737340463
ISBN-13: 978-3737340465
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren
D: 12,99 Euro





Inhalt:


"Man ist nur so unsichtbar, wie man sich fühlt ..."
Manchmal wundert Kasimir sich schon, warum ihn niemand beachtet. Im Sportunterricht wird er nicht als Letzter ins Team gewählt, er wird gar nicht gewählt. Der Busfahrer schließt die Tür vor seiner Nase, und seine Eltern vergessen, ihm bei den Mahlzeiten einen Teller hinzustellen. Nur seine Zwillingsschwester Fleur hält zu ihm. Doch eines Tages macht Kasimir eine schockierende Entdeckung: Er ist unsichtbar! Fleur hat sich ihn ausgedacht! Mit dem Wunsch, ein echter Junge zu werden, begibt sich Kasimir auf eine lange Reise …
Die wirklich wahre Lebensgeschichte eines unsichtbaren Freundes – phantasievoll, pfiffig und superwitzig!

Quelle: Amazon

Die Autorin:



Michelle Cuevas wurde 1982 in Massachussetts, USA, geboren. Sie studierte Kunst und Kreatives Schreiben und arbeitete als Kunstpädagogin beim Whitney Museum of American Art in New York. Eines Tages begegnete ihr Kasimir Karton und erzählte ihr seine ganz echte Lebensgeschichte. Und die musste sie einfach aufschreiben.

Literaturpreise:
Die italienische Ausgabe von Kasimir Karton/Confessions of an imaginary friend hat in Italien den ›Premio Andersen‹ 2016 in der Kategorie Kinderbuch von 9-12 gewonnen.

Quelle: Amazon


Rezension:


Kinder leben ihre Fantasie unbekümmert aus. Leider verlieren wir im Erwachsenenalter diese Fähigkeit zunehmend. Mit Kasimir Karton dürfen alle noch einmal in das Reich der Fantasie und Kindheit abtauchen.

Ganz ehrlich, wer hatte als Kind keinen unsichtbaren Freund? Jemanden, der einfach da war, wenn man ihn brauchte, dem man Geheimnisse erzählen konnte, mit dem man weinen durfte, ohne sich zu schämen, der auch bei Wutattacken verständnisvoll und geduldig zuhörte?

Bei mir war es keine konkrete Gestalt, die ich mir vorstellte, dafür wohnte meinen Plüschtieren Leben inne und wir spielten miteinander, führten tiefsinnige Gespräche oder tanzten durch die Wohnung. Sie waren im weiteren Sinne also auch eine Art unsichtbare Freunde.

Manchmal fühlen sich Kinder selbst unsichtbar und werden durch einen erfundenen Freund für sich selbst wieder realer oder fühlen sich sicherer. Sie sind nicht mehr so allein.

An diesem Buch reizte mich, dass es nicht um ein Kind mit einem unsichtbaren Freund, sondern um diesen Freund selbst geht. Kasimir muss schmerzvoll feststellen, dass er der unsichtbare Freund seiner heißgeliebten Schwester ist. Mit einem Schlag stellt Kasimir fest, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt – oder doch? Was passiert, wenn Kinder aus dem Alter herauswachsen und keinen imaginären Freund mehr brauchen? Verschwinden unsere Fantasiewesen einfach, lösen sie sich in Luft auf? 


Diesen Fragen geht Michelle Cuevas in ihrem Buch nach. Mit großer Sensibilität, geht sie mit dem Thema um. Auch wenn das Buch aus Kasimirs Sicht geschrieben ist, wird noch einmal deutlich, wie wichtig so ein imaginärer Freund für ein Kind sein kann und dass Eltern diesen ernst nehmen sollten. 


Kasimirs Existenz ist ein ewiger Kreislauf und zeigt, wie sehr wir in unserer Entwicklung Träume und Fantasien brauchen. Ein unsichtbarer Freund kann trösten und Geheimnisse bewahren, die niemand sonst verstehen würde. Jeder imaginäre Freund ist anders. Ihre Verschiedenartigkeit zeigt, wie facettenreich wir Menschen und wie unterschiedlich unsere Bedürfnisse sind.

Dabei ist Kasimirs Geschichte poetisch und humorvoll. Es wird turbulent, witzig und nachdenklich. 
Die einzelnen Kapitel lassen sich leicht und schnell lesen. Für die jüngere Zielgruppe sind einige Passagen vielleicht noch zu anspruchsvoll ausgearbeitet, bieten aber wunderbaren Gesprächsstoff für die ganze Familie.

„Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund“
ist originell und hebt sich von den üblichen Kindergeschichten ab. 
Ich empfand den Ausspruch: „Du bist nur so unsichtbar, wie du dich fühlst, egal ob dich jemand erfunden hat oder nicht“ sehr prägend und möchte euch diesen gern mit auf den Weg geben.