Freitag, 23. Juni 2017

Zwiebelchen goes on holiday!

Ja, einmal im Jahr machen wir auch unseren großen Familienurlaub. Und nun ist es soweit.
Sommer, Sonne, Strand und noch viel, viel mehr.



In diesem Jahr geht nach zehn Jahren ein Traum in Erfüllung. Mit der Großen waren wir schon einmal da, doch mit allen drei Kindern, das schien in den letzten Jahren fast unmöglich. Wohin es genau geht, verrate ich nicht. Ich glaube es erst, wenn ich wirklich dort bin. Im Moment verschiebt sich der morgige Flug immer weiter nach hinten. Bitte drückt die Daumen, dass alles gut geht!




Falls ich irgendwo ein freies WLAN finde, vorausgesetzt, mein Handy macht auch mit, gibt es sicher einmal zwischendurch Bilder via Instagram.

Ansonsten bleibt es hier in den nächsten zwei Wochen ruhig. Bis bald!

Rezension: "Fürchte die Nacht" von Claudia Puhlfürst - Coppenrath Verlag



Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Coppenrath; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3649671271
ISBN-13: 978-3649671275
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
D: 14,95 Euro





Inhalt:

Eine Woche Exkursion ins Nirgendwo – auf so eine Idee können auch nur verschrobene Biolehrer kommen, finden Lena und ihre beste Freundin Anne. Rund um ihr Landschulheim gibt es nichts als hohe Bäume und dichtes Unterholz. Zumindest eignet sich dieser Ort bestens für nächtliche Mutproben, und gleich am ersten Abend fordern die Jungs Lena und ihre Freundinnen dazu heraus, mit ihnen im Wald zu übernachten. Doch spät in der Nacht wird Anne von einer vermummten Gestalt angegriffen und gleich am nächsten Abend kommt es zu einem weiteren Überfall. Ein Mädchen aus der Gruppe wird im Wald erdrosselt aufgefunden! Völlig traumatisiert bricht die Klasse den Ausflug ab – doch der Mörder muss ihnen nach Hause gefolgt sein und lauert schon auf sein nächstes Opfer … Jugendthriller mit raffiniertem Katz-und-Maus-Spiel.
Quelle: Coppenrath Verlag





Die Autorin:


Claudia Puhlfürst, geboren 1963, studierte Biologie und Chemie und arbeitete als Dozentin und Lehrerin, bevor sie Redakteurin beim Duden-Verlag wurde. In der Belletristik hat sich die Autorin mit mehreren Psychothrillern einen Namen gemacht. Sie bezeichnet sich selbst als "kriminelle Schreibtischtäterin". Mit ihrem Hund und zwei Meerschweinchen lebt Claudia Puhlfürst in Zwickau.
Quelle: Coppenrath Verlag




Rezension:


Wäldern wohnt etwas Geheimnisvolles und Romantisches inne. 
Eine sonnendurchflutete Waldlichtung strahlt pure Magie aus. Ganz anders verhält es sich bei Nacht. Undefinierbare Schatten im trüben Mondlicht, das leiseste Rascheln im Unterholz verursachen Gänsehaut. Die Fantasie schlägt Purzelbäume und unsere Urängste kommen hervor. 
Doch gerade dieses Gefühl von Gefahr reizt. So stürzen sich Lena und Anna ins vermeintliche Abenteuer.

Was danach geschieht erscheint so real und wäre für mich der pure Alptraum. Egal, ob selbst betroffen oder als Elternteil. 
Da es sich bei den Protagonisten um Sechzehn-/Siebzehnjährige handelt, spiegelt sich dies auch in ihrem Verhalten wieder. Manchmal erscheinen sie dadurch recht nervig. Doch genau das spricht für eine authentische Handlung. Mal ernsthaft, nachdenklich, dann wieder recht oberflächlich oder naiv erlegen wir die Jugendlichen. Der Autorin gelingt es das typische Verhalten von Teenagern und auch die Unterschiede im Wesen ihrer Protagonisten herauszuarbeiten.

Das Szenario ist geheimnisvoll, stellenweise düster und quälend. Psychologisch war das Buch für mich ein Pageturner

Claudia Puhlfürst spielt regelrecht mich den Ängsten ihrer Leser. Von Beginn an möchte man die Geheimnisse lösen, denn es gibt mehr als nur eines zu erforschen. Immer, wenn ich mich am Ziel angekommen fühlte, gab es eine neue Wendung und die Lösung rückte in weite Ferne. 

Das Ende hat mich sehr überrascht und ich wollte es am liebsten gar nicht wahrhaben... 


Sonntag, 18. Juni 2017

Rezension "Kasimir Karton – Mein Leben als unsichtbarer Freund" von Michelle Cuevas - FISCHER KJB





Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (23. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3737340463
ISBN-13: 978-3737340465
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren
D: 12,99 Euro





Inhalt:


"Man ist nur so unsichtbar, wie man sich fühlt ..."
Manchmal wundert Kasimir sich schon, warum ihn niemand beachtet. Im Sportunterricht wird er nicht als Letzter ins Team gewählt, er wird gar nicht gewählt. Der Busfahrer schließt die Tür vor seiner Nase, und seine Eltern vergessen, ihm bei den Mahlzeiten einen Teller hinzustellen. Nur seine Zwillingsschwester Fleur hält zu ihm. Doch eines Tages macht Kasimir eine schockierende Entdeckung: Er ist unsichtbar! Fleur hat sich ihn ausgedacht! Mit dem Wunsch, ein echter Junge zu werden, begibt sich Kasimir auf eine lange Reise …
Die wirklich wahre Lebensgeschichte eines unsichtbaren Freundes – phantasievoll, pfiffig und superwitzig!

Quelle: Amazon

Die Autorin:



Michelle Cuevas wurde 1982 in Massachussetts, USA, geboren. Sie studierte Kunst und Kreatives Schreiben und arbeitete als Kunstpädagogin beim Whitney Museum of American Art in New York. Eines Tages begegnete ihr Kasimir Karton und erzählte ihr seine ganz echte Lebensgeschichte. Und die musste sie einfach aufschreiben.

Literaturpreise:
Die italienische Ausgabe von Kasimir Karton/Confessions of an imaginary friend hat in Italien den ›Premio Andersen‹ 2016 in der Kategorie Kinderbuch von 9-12 gewonnen.

Quelle: Amazon


Rezension:


Kinder leben ihre Fantasie unbekümmert aus. Leider verlieren wir im Erwachsenenalter diese Fähigkeit zunehmend. Mit Kasimir Karton dürfen alle noch einmal in das Reich der Fantasie und Kindheit abtauchen.

Ganz ehrlich, wer hatte als Kind keinen unsichtbaren Freund? Jemanden, der einfach da war, wenn man ihn brauchte, dem man Geheimnisse erzählen konnte, mit dem man weinen durfte, ohne sich zu schämen, der auch bei Wutattacken verständnisvoll und geduldig zuhörte?

Bei mir war es keine konkrete Gestalt, die ich mir vorstellte, dafür wohnte meinen Plüschtieren Leben inne und wir spielten miteinander, führten tiefsinnige Gespräche oder tanzten durch die Wohnung. Sie waren im weiteren Sinne also auch eine Art unsichtbare Freunde.

Manchmal fühlen sich Kinder selbst unsichtbar und werden durch einen erfundenen Freund für sich selbst wieder realer oder fühlen sich sicherer. Sie sind nicht mehr so allein.

An diesem Buch reizte mich, dass es nicht um ein Kind mit einem unsichtbaren Freund, sondern um diesen Freund selbst geht. Kasimir muss schmerzvoll feststellen, dass er der unsichtbare Freund seiner heißgeliebten Schwester ist. Mit einem Schlag stellt Kasimir fest, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt – oder doch? Was passiert, wenn Kinder aus dem Alter herauswachsen und keinen imaginären Freund mehr brauchen? Verschwinden unsere Fantasiewesen einfach, lösen sie sich in Luft auf? 


Diesen Fragen geht Michelle Cuevas in ihrem Buch nach. Mit großer Sensibilität, geht sie mit dem Thema um. Auch wenn das Buch aus Kasimirs Sicht geschrieben ist, wird noch einmal deutlich, wie wichtig so ein imaginärer Freund für ein Kind sein kann und dass Eltern diesen ernst nehmen sollten. 


Kasimirs Existenz ist ein ewiger Kreislauf und zeigt, wie sehr wir in unserer Entwicklung Träume und Fantasien brauchen. Ein unsichtbarer Freund kann trösten und Geheimnisse bewahren, die niemand sonst verstehen würde. Jeder imaginäre Freund ist anders. Ihre Verschiedenartigkeit zeigt, wie facettenreich wir Menschen und wie unterschiedlich unsere Bedürfnisse sind.

Dabei ist Kasimirs Geschichte poetisch und humorvoll. Es wird turbulent, witzig und nachdenklich. 
Die einzelnen Kapitel lassen sich leicht und schnell lesen. Für die jüngere Zielgruppe sind einige Passagen vielleicht noch zu anspruchsvoll ausgearbeitet, bieten aber wunderbaren Gesprächsstoff für die ganze Familie.

„Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund“
ist originell und hebt sich von den üblichen Kindergeschichten ab. 
Ich empfand den Ausspruch: „Du bist nur so unsichtbar, wie du dich fühlst, egal ob dich jemand erfunden hat oder nicht“ sehr prägend und möchte euch diesen gern mit auf den Weg geben.



Freitag, 16. Juni 2017

Rezension "Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten" von Mamen Sánchez - Thiele & Brandstätter Verlag





Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Thiele & Brandstätter Verlag (17. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3851793382
ISBN-13: 978-3851793383
D: 20,00 Euro






Inhalt:


Der Fund eines zierlichen Damenstrumpfs in ihrer Wäsche verändert das Leben der 43jährigen Anwältin Cecilia von einem Tag auf den anderen. Nach zwölf Jahren Ehe und dem vergeblichen Versuch, ein Kind zu bekommen, ist sie plötzlich wieder allein und muss sich neu erfinden. Sie zieht aus ihrer schicken Dachterrassenwohnung am Retiro-Park in Madrid aus und beschließt, das alte Haus am Ufer des Manzanares, das sie von ihren Großeltern geerbt hat, in eine Pension für Studentinnen umzuwandeln.

Doch schon bei der Renovierung kommt es zu hitzigen Wortgefechten mit dem ruppigen Bauleiter Andrés Leal, der alles besser weiß. Ein geheimnisvolles goldenes Medaillon, das bei den Umbauarbeiten in einer Zwischenwand gefunden wird, sorgt für weitere Verwirrung. Vor allem als Cecilia später denselben Anhänger am Hals der neuen Haushälterin Azucena entdeckt.
Als endlich mit der schüchternen Noelia, der wunderschönen Ivana und der kriminalistisch veranlagten Catalina die ersten Pensionsgäste einziehen, stellt Cecilia kuriose Hausregeln auf, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Doch Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden, und auch Cecilia kann nicht verhindern, dass nach vielen Turbulenzen die Liebe Einzug hält in der schönsten Pension der Welt ...
Quelle: Thiele Verlag





Die Autorin:


Mamen Sánchez studierte in Madrid Kommunikationswissenschaften, dann Literaturwissenschaften an der Sorbonne und an den Universitäten von London und Oxford. Heute ist sie die stellvertretende Chefredakteurin der spanischen Zeitschrift Hola! und Chefredakteurin der mexikanischen Ausgabe. Sie ist verheiratet und hat fünf Kinder. Mit dem Roman Die schönste Art sein Herz zu verlieren erzielte die Journalistin und Autorin in Spanien einen grandiosen Erfolg. Der Roman verkaufte sich 150.000 Mal und stand in Deutschland auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
Quelle Thiele Verlag




Rezension:


Um es gleich vorweg zu nehmen, entweder man liebt diesen Roman oder mag ihn nicht. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst fällen. 

Mich hat die Geschichte rund um Cecilia toll aus dem Alltag entführen können und mir so eine schöne Auszeit beschert. Dabei war es ganz leicht, den Kopf und auch das ein oder andere Mal die Logik auszuschalten und sich treiben zu lassen.

Die Geschichte lebt von ihren facettenreichen sympathischen Charakteren. Sie wirken verletzlich, beweisen aber in kritischen Situationen große Stärke. Jede einzelne Figur trägt eine Last mit sich herum, die es zu erkunden gilt. Witzige, oftmals überspitzt ausgedrückte Hausregeln werden zu einem Mantra von Cecilia und leiten die einzelnen Kapitel ein. Nur dumm, dass sich niemand, nicht einmal Cecilia selbst, daran hält. Unsere Protagonisten stürzen sich dabei in tragische, komische oder abstruse Abenteuer. Intrigen werden gesponnen, Freundschaften geschlossen und natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz. Das ein oder andere Geheimnis wird aufgedeckt und ab und zu schimmert auch etwas Gesellschaftskritik mit durch. Aktuelle Themen, wie Flüchtlingspolitik etc. werden zwar aufgegriffen, aber eben nur am Rande gestreift und dienen als Rahmen für die Handlung. Zu viel Tiefgang darf man als Leser hierbei nicht erwarten.
Dennoch gibt es einige Überraschungen und sehr berührende Momente.

Mamen Sánchez
 hat es manchmal mit der Romantik etwas zu gut gemeint und das Ende kommt auf einer großen rosaroten Zuckerwattewolke daher. Ich muss gestehen, genau das habe ich aber zum Zeitpunkt meines Lesens auch gebraucht und daher war ich glücklich mit diesem Abschluss. Für mich einfach das passende Buch zur richtigen Zeit.

Jetzt seid ihr an der Reihe zu entscheiden, ob „Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten“ heute, morgen oder überhaupt der passende Lesebegleiter für euch ist.




Mittwoch, 14. Juni 2017

Rezension "Mein Geheimes Tagebuch" von Klaartje de Zwarte-Walvisch - C.H.Beck Verlag



Gebundene Ausgabe: 202 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 2 (30. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406688306
ISBN-13: 978-3406688300
Originaltitel: Alles ging aan flarden. Het oorlogsdagboek van Klaartje de Zwarte-Walvisch. Met een inleiding van Ad van Liempt. Tekstbezorging Ariane Zwiers
D: 17,95 Euro






Inhalt:


Am 22. März 1943 dringen „Judenjäger“ in das Amsterdamer Haus von Klaartje de Zwarte-Walvisch ein. Während sie auf ihren Mann warten, vertreibt sich einer von ihnen mit Klavierspiel die Zeit. Die Hölle beginnt langsam. Die Registrierung erweist sich als Internierung, und der neue Wohnort ist in Wirklichkeit ein Konzentrationslager. Das erst vor wenigen Jahren entdeckte Tagebuch der jungen Jüdin Klaartje de Zwarte-Walvisch ist in mehrfacher Hinsicht ein Wunder: Sie kann fast täglich protokollieren, was sie erlebt, ohne entdeckt zu werden. Kurz bevor sie den Zug in ein Vernichtungslager besteigt, übergibt sie das Tagebuch heimlich einem Verwandten, dem gegen alle Wahrscheinlichkeit die Flucht gelingt. Mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende werden die Hefte in seinem Nachlass entdeckt. Ein Wunder sind die Aufzeichnungen aber vor allem, weil es kein zweites Zeugnis gibt, das so furchtlos und unbefangen, so wütend und fassungslos und zugleich mit so viel Witz und Ironie schildert, welches Schicksal die niederländischen Juden zu erleiden hatten.
Quelle: Amazon




Autorenkommentar:


Klaartje de Zwarte-Walvisch, geboren 1911, arbeitete in Amsterdam als Näherin und heiratete 1934 den Lagerarbeiter Joseph de Zwarte. Im März 1943 wurden beide in das Konzentrationslager Herzogenbusch (Kamp Vught) deportiert. Am 16. Juli 1943 wurde sie in Sobibór ermordet.

Quelle: Amazon




Rezension:


In diesen Tagen wäre Anne Frank 88 Jahre alt geworden. Ihr Leben endete jedoch bereits 1945 mit gerade einmal 15 Jahren. Ohne ihr Tagebuch wäre ihr Name nur ein Sandkorn im Wind und bereits lange in Vergessenheit geraten. Ihre Aufzeichnungen sind ein Vermächtnis, ungefilterte Gedanken und ein direkter Blick auf die damaligen Ereignisse. Diese Tagebucheintragungen waren nie für die Allgemeinheit gedacht. Sie sollten ihr als Vorlage für ein Buch dienen, welches sie nach Kriegsende gern geschrieben hätte. 

Dagegen schrieb Klaartje de Zwarte-Walvisch ihre Gedanken mit der Hoffnung nieder, dass diese der Nachwelt erhalten bleiben würden. Ihr großer Wunsch, dass diese Zeilen gelesen werden, wenn sie nicht mehr da ist, ging in Erfüllung. Sie offenbaren einen neuen Blick auf die Zeit des Naziterrors, denn Klaartjes Eintragungen beginnen dort, wo die Anne Franks enden. Wir Menschen sind verschieden und genauso unterschiedlich sind unsere Wahrnehmungen und Erlebnisse in vergleichbaren Situationen.



Klaartje ermöglicht uns einen weiteren differenzierten Blick auf ein unmenschliches System, das rein auf die Massenvernichtung einzelner Bevölkerungsgruppen ausgerichtet war. Unwertes Leben nannten Sie es, Menschen zweiter Klasse. Die Auswirkungen musste Klaartje am eigenen Leib erfahren. Als Jüdin stand sie im Focus der Vernichtungsmaschinerie.

Heimlich und unter Lebensgefahr entstand ein authentischer Bericht über das Leben in Gefangenschaft, mit unbändigem Hunger, Verzweiflung und Angst. Das Schreiben wurde immer mehr zum Anker, der sie festhielt und aus dem sie ihre Kraft bezog.

Wir erleben zwischen den Zeilen eine verbitterte, mit dem Schicksal hadernde Frau. Sie schreibt sich ihre Wut und Verzweiflung vom Herzen und dennoch verspürt man dahinter immer wieder einen Funken Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllen sollte. Klaartje findet harte Worte, sarkastisch blickt sie auf ihre Peiniger und deren Mitläufer. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten. Dafür wohnt ihr eine Kraft und Stärke inne, die eher wächst, als unter den menschenverachtenden Umständen im Lager zu versiegen. Gerade einmal eine Zeitspanne von 5 Monaten umfasst ihr Geheimes Tagebuch. Doch diese konnte sie als Mahnmal für die Nachwelt erhalten, bevor sie mit nur 32 Jahren ermordet wurde.

Wie wichtig es ist, sich mit dieser Vergangenheit auseinander zu setzen, das Leid der Menschen nicht zu vergessen, zeigt sich heute immer wieder deutlich.

Klaartje war eine einfache Frau, die nur eines wollte, leben und in Würde alt werden. Auch wenn ihr dies verwehrt blieb, ihre deutlichen, klaren Worte blieben als Vermächtnis bestehen und helfen uns, weiter „Gegen das Vergessen“ anzukämpfen.


Collectie Joods Historisch Museum, Amsterdam
Klaartje de Zwarte-Walvisch und ein Ausschnitt aus ihrem Tagebuch



Samstag, 10. Juni 2017

Rezension "Das Bild aus meinem Traum" von Antoine Laurain - Atlantik Verlag





Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Atlantik (14. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455650457
ISBN-13: 978-3455650457
Originaltitel: Ailleurs si j'y suis
D: 20,00 Euro






Inhalt:


Maître Pierre-François Chaumont, ein brillanter Pariser Anwalt, ist leidenschaftlicher Kunstsammler und lässt sich keine Auktion entgehen. Von einem alten Ölgemälde kann er eines Tages den Blick nicht mehr abwenden: Der dargestellte Mann mit gepuderter Perücke ähnelt ihm wie sein Spiegelbild! Das Porträt soll seine Sammlung krönen und er ersteigert es, aber schon bald wandelt sich das Glücksgefühl in Paranoia, denn Pierre-François fürchtet, verrückt geworden zu sein: Niemand seiner Familie oder Freunde sieht die frappierende Ähnlichkeit.
Mithilfe des Wappens findet er jedoch die Familie des Porträtierten - ein altes Adelsgeschlecht, das seit Jahrhunderten auf Schloss Mandragore in der Bourgogne lebt. Heimlich reist Pierre-François dorthin und erlebt eine weitere Überraschung: Jeder scheint ihn zu kennen! Man hält ihn für den seit Jahrzehnten verschollenen Grafen, und Pierre-François belässt es dabei - er kann der Versuchung nicht widerstehen, einfach eine neue Identität anzunehmen und ein neues Leben anzufangen … Antoine Laurain erzählt in seinem Debüt von der Suche nach Identität, sich selbst und dem Glück, und von der Faszination für schöne und alte Dinge, die ihre eigenen Geschichten haben.
Quelle: Amazon






Der Autor und Mitwirkende:


Antoine Laurain arbeitete als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler in Paris. Er ist in Frankreich ein gefeierter Bestsellerautor. Mit Liebe mit zwei Unbekannten (Atlantik Verlag, 2015) gelang ihm der internationale Durchbruch. Zuletzt erschien sein Roman Der Hut des Präsidenten (Atlantik Verlag, 2016), mit dem er an seinen großen Erfolg anknüpfte.

Sina de Malafosse, geboren 1984 in Siegen, studierte Romanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften in Mainz und Dijon. Zuletzt als Verlagslektorin in Frankfurt a.M. tätig, lebt sie nun als Übersetzerin und Lektorin in Toulouse.
Quelle: Amazon




Rezension:



Spätestens nach "Der Hut des Präsidenten" bin ich der Feder von Antoine Laurain verfallen. Da war es einfach ein Muss, dass "Das Bild aus meinem Traum" in Zwiebelchens Plauderecke einzog. Und ich bin dem Autor und seinem Werk erneut erlegen. 

Ich liebe es, durch Schlösser zu wandern und die Porträts der ehemaligen Bewohner zu betrachten. Als Kind stellte ich mir gern vor, wie es wäre, zu diesen Zeiten gelebt zu haben oder wenn die dargestellten Personen Ahnen von mir wären. Manchmal mache ich das heute noch. 

Ich fühlte mich Pierre-François Chaumont im Buch stellenweise sehr nah. Auch mich begeistert das Sammeln antiquarischer Dinge. Es fasziniert, sich vorzustellen, mit welchen Erlebnissen diese einst verflochten waren. In manchen Dingen scheint die Seele der ehemaligen Eigentümer noch sehr präsent und sie erzählen uns Geschichten. Manchmal sind sie auch der Beginn einer neuen Geschichte. Hier kann die Fantasie noch ungebremst Purzelbäume schlagen. 




Pierre-François Chaumont ist ein Suchender. Fast schon obsessiv verfolgt er seine Sammelleidenschaft. Stellenweise scheint es, als ob sich unser Protagonist in einer Sackgasse verfangen hat. Auf seinem Weg muss er lernen loszulassen, sich von altem Ballast zu trennen, um vielleicht seiner wahren Bestimmung folgen zu können. 

Vom Leben überrannt, so würde ich unseren Protagonisten beschreiben, bis er auf diesen einen Gegenstand trifft, der ihn bis in die Seele hinein trifft. Dies ist der Augenblick, der alles verändert und zum Neubeginn seines Lebens werden soll.

Raffiniert verbindet Antoine Lauraint Realität und Traum miteinander und fügt gekonnt feinsinnige Prisen Humor an den richtigen Stellen ein. Mit seiner einprägsamen farbigen Sprachgestaltung zeichnet er die Bilder der Geschichte lebendig in unsere Köpfe.

"Das Bild aus meinem Traum"
ist keine komplizierte Geschichte, dafür umso wärmer und voller Glücksmomente. Es ist einfach 192 Seiten geballte Lesefreude.





Mittwoch, 7. Juni 2017

Rezension "Wenn Liebe Cowboystiefel trägt" von Emily Bold - Montlake Romance - #AmazonPublishing





Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Montlake Romance (28. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1477824634
ISBN-13: 978-1477824634
D: 9,99 Euro







Inhalt:


Als Avery Davis nach acht Jahren und einem schweren Kampf gegen den Krebs in ihren Heimatort Littletree zurückkehrt, steht sie vor den Trümmern ihres Lebens. Ohne Job, ohne Partner – und ohne Haare. Doch ihr unfreiwilliger Neuanfang wird noch verkompliziert, als sie dort ausgerechnet ihrer Jugendliebe Mason King in die Arme läuft. Der draufgängerische Rodeo-Reiter und Lokalheld rüttelt Avery mit seinen Sprüchen ganz schön auf und weckt längst vergessene Erinnerungen. Doch ein Mann, der seine Gesundheit bei jedem Ritt aufs Spiel setzt, wird nie verstehen, wie hart sie um ihr Leben gekämpft hat. Auf so einen Mann kann sie sich nicht einlassen – egal, was ihr Herz sagt.
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Emily Bold wurde 1980 in Mittelfranken geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern lebt. Sie schreibt Romane für Erwachsene und Jugendliche und blickt mittlerweile auf vierundzwanzig deutschsprachige sowie acht englischsprachige Bücher und Novellen zurück, die den Lesern viele romantische Stunden, und Emily Bold eine begeisterte Leserschaft beschert haben. Roman Nr. 25 ist bereits in Arbeit.

Mit “Wenn Liebe nach Pralinen schmeckt” veröffentlichte Emily nach "Ein Kuss in den Highlands", "Klang der Gezeiten" und "Lichtblaue Sommernächte" bereits ihren vierten zeitgenössischen Liebesroman. Im Mai 2017 erscheint Emilys neuer Roman "Wenn Liebe Cowboystiefel trägt".

"Auf der Suche nach Mr. Grey" war unter den zehn beliebtesten Romanen 2015 in Amazons Kindle-Shop, die Fortsetzung des No. 1 Bestsellers - "Ein Tanz mit Mr. Grey" - wurde von der LovelyBooks.de Community auf den zweiten Platz der beliebtesten Romane 2015 in der Kategorie "Humor" gewählt.

Emily freut sich über Post von ihren Lesern - schreiben Sie ihr: kontakt@emilybold.de oder besuchen Sie Emily auf ihrer Homepage: emilybold.de und thecurse.de. Werden Sie Fan bei Facebook: facebook.com/emilybold.de
Quelle: Amazon




Rezension:


Eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen...


Emily Bold nimmt uns mit aufs Land. Hier in ihrer beschaulichen Heimat möchte Avery wieder auf die Beine kommen und Kraft für einen Neuanfang sammeln.
Mit Avery treffen wir auf eine starke Protagonistin, die trotz herber Schicksalsschläge nicht aufhört zu kämpfen. Mit viel Willenskraft meistert sie ihr Leben und zeigt uns, wie wertvoll unsere Zeit ist. Sie hält uns vor Augen, dass wir aus unserem Leben etwas machen, unsere Zeit sinnvoll nutzen und uns gerade an den vielen kleinen alltäglichen Dingen erfreuen sollten. Prioritäten können sich sehr rasch verschieben und manchmal muss man eine Abzweigung nehmen, um glücklich zu werden.




Von der Liebe enttäuscht, zieht sich Avery in sich selbst zurück und doch kann sie nicht verhindern, dass ihr Herz bei der ersten Wiederbegegnung mit Mason höher schlägt. Schon einmal hat er die Tür zu ihrem Herzen gefunden und es zerbrochen zurück gelassen. 
Mit Mason begegnen wir einem richtigen Cowboy und Herzensbrecher. Mason ist der Traummann schlechthin. Aber ist er wirklich so selbstsüchtig und umtriebig, wie es den Anschein hat?

Realistische charismatische Protagonisten und eine beeindruckende Kulisse nehmen den Leser mit auf eine vielschichtige Reise. "Wenn Liebe Cowboystiefel trägt" ist ein eher ruhiger Roman, der Hoffnung schenkt und ein warmes Gefühl von Liebe und Geborgenheit vermittelt.





Ich liebe den besonderen Charme, den die Geschichten von Emily Bold versprühen. Einzig, kurz vor Schluss hat mir Emily beinahe einen Herzinfarkt beschert, denn das konnte doch nicht wirklich.... Diejenigen, die das Buch bereits gelesen haben, wissen sicher, welche Passage ich meine.

Ich hoffe, Eure Neugierde wurde angestachelt und Ihr lasst Euch auf dieses Abenteuer mit Pferden, wilden Bullen, verwegenen Cowboys und der Liebe ein.







Mittwoch, 31. Mai 2017

*** Pixibuch-Challenge 2017 - Part 5 *** Der kleine Medicus *** Prof. Dietrich Grönemeyer und Andrea Erne - Carlsen Verlag

Heute gibt es von mir wieder eine Buchvorstellung im Rahmen der Pixibuch-Challenge.


Prof. Dietrich Grönemeyer ist sicher vielen als Bruder von Herbert Grönemeyer, Arzt und Autor von "Der kleine Medicus" bekannt. Was vielleicht nicht jeder weiß, im Carlsen Verlag erschien in Zusammenarbeit mit Andrea Erne eine Pixi-Reihe zum kleinen Medicus.








Hier werden Kindern anschaulich und in Kurzform wichtige Details zur Ersten Hilfe, unserem Körper, Bewegung, Fit im Kopf und vielem mehr vermittelt.





Einen persönlichen Zugang zu seinen Lesern gewinnen die Autoren durch die kurzweilige Vorstellung ihres Helden, dessen Familie und Freunden. Untermalt mit ansprechenden und lustigen Bildern von Stefanie Scharnberg wirkt alles sehr lebendig. Es ist verblüffend, wie viele Fakten sich auf gerade einmal 32 Seiten tummeln können.




Prof. Dietrich Grönemeyers "Der kleine Medicus" ist nicht einfach nur ein Pixi-Wissen für Kinder, sondern bietet allen Altersgruppen grundlegende Informationen zu unserem Körper und mehr.
Diese Pixi-Bücher haben ein etwas größeres Format als die normalen Pixis und kosten daher 1,99 Euro.

Ich habe meinen Kindern vor kurzem das Büchlein über Bewegung geschenkt und wir haben viel über die darin enthaltenen Themen gesprochen.




Auf wenigen Seiten wird kompakt und leicht verständlich erklärt, wie unser Körper funktioniert. Große und kleine Leser erhalten viele Informationen zum Aufbau und dem Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Nerven. Wir lernen, wie wichtig viel Bewegung und gute Ernährung für unseren Köper ist.

Ein Rundum-Muntermacher-Drink-Rezept, Rätsel-/Quizseiten und ein Pixi Wissen Lexikon runden dieses kleine Nachschlagewerk ab.





Montag, 29. Mai 2017

Auslosung Gewinnspiel zu "Immer wieder im Sommer"


Zuerst möchte ich mich für all Eure lieben Kommentare bedanken. Ich hoffe, für jeden Einzelnen wird dieser Sommer ein Erlebnis und so, wie ihr ihn Euch wünscht.



Wir fliegen gleich zu Beginn der Sommerferien in den Urlaub und damit erfüllt sich für mich ein ganz großer Traum. Jetzt hoffe ich nur noch, dass alles gut geht und uns keine bösen Überraschungen bevor stehen.

Mein Glückselfchen hat ihren Zauberstab geschwungen und eine glückliche Gewinnerin ausgelost. Ich hätte das Buch ja jedem von Euch gegönnt...





Über ein signiertes Exemplar von "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog darf sich


Bianca


freuen.



Ich wünsche Dir viele schöne Lesestunden auf Amrun. Schick mir doch bitte noch einmal Deine Kontaktdaten, damit sich das Buch auf den Weg zu Dir machen kann.

Freitag, 26. Mai 2017

Rezension "Der Tote im Wiskey-Fass" von Ivy A. Paul - Dryas Verlag





Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Dryas Verlag (20. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940258555
ISBN-13: 978-3940258557
D: 10,50 Euro







Inhalt:


Als junger Mann verließ John Fallon Irland und kehrte nie wieder dorthin zurück. Nach seinem Tod reist seine Tochter Loreena auf die grüne Insel, um nach ihren Verwandten zu suchen. Kurz nachdem sie in dem Örtchen Badger´s Burrow angekommen ist, wird bei einer Veranstaltung eine Leiche in einem Whiskey-Fass entdeckt. Wie sich herausstellt, trug der Tote eine Visitenkarte ihres Vaters bei sich. Loreena ist alarmiert. Wie sollte ihr verstorbener Vater etwas mit dem Tod dieses Mannes zu tun haben können? Sie forscht nach und stößt dabei auf ein Netz aus Intrigen und Geheimnissen.
Quelle: Amazon




Die Autorin:



Beheimatet im schönen Augsburg und von großer Liebe für Irland und alles Irische geprägt, kam Ivy Paul die Idee zum Toten im Whiskey-Fass beim Genuss eines Glases Tullamore Dew.
Um Inspiration für ihre anderen Genres zu finden, siedet sie Seifen oder beobachtet ihre Hühnerschar.
Quelle: Amazon




Rezension:


Irland, die grüne Insel. Für mich immer wieder ein Land mit einer atemberaubenden rustikalen Natur, historisch geheimnisvollen Plätzen, vielen Legenden und einem Hauch Magie. Natürlich konnte ich diesem aktuellen Krimi aus dem Dryas Verlag nicht widerstehen.

Welche Kulisse würde sich auch besser dafür eignen, um diesen eigentümlichen Mordfall zu platzieren. Wiskey spielt eine sehr entscheidende Rolle, rückt dennoch nicht übermäßig oder in den Vordergrund. Vielmehr konnte ich einige interessante Informationen mitnehmen. Es gibt viel Raum für zwischenmenschliche Beziehungen und irische Eigenheiten.

Wo könnte man eher auf Indentitätssuche begeben und eine geheimnisvolle Aura schaffen, als zwischen den Hügeln Irlands? Loreenas Wurzeln liegen hier und sie hat eine ganz besondere Mission zu erfüllen. Gleichzeitig ist es eine Annäherung an ihre ureigene Familiengeschichte, denn viel mehr als den Familiennamen und Herkunftsort weiß sie von der Familie ihres Vaters nicht. Die Vergangenheit blieb immer ein wohl gehütetes Geheimnis.

Kurz vor dem endgültigen Abschiednehmen von ihrem liebsten Menschen, gerät unsere Protagonistin in einen kniffligen Kriminalfall. Schon bald ergeben sich merkwürdige Parallelen und Verbindungen zu Loreenas Vater und dessen Vergangenheit.




Auf ihrer Spurensuche trifft Loreena auf Mae. Diese hat mich mit ihrem skurrilen Wesen und irischem Temperament sofort für sich eingenommen. Herrlich unkonventionell steht sie ihr bei und mischt bei den Ermittlungen kräftig mit.

Die Schönheit der irischen Insel, die Herzlichkeit ihrer Bewohner und das besondere Wesen Irlands werden intensiv und bildlich beschrieben. Als Leser fühlt man sich direkt vor Ort. Dagegen wirkt der Schreibstil bzgl. der Handlung selbst recht schlicht und einfach. Die Ivy Paul beschränkt sich auf das Wesentliche und verzichtet auf übertriebene Gefühlsduseleien. Gerade dadurch entwickelt "Der Tote im Wiskey-Fass" für mich seine Anziehungskraft. Der spannende, gut strukturierte und durchdachte Plot verspricht mit seinen greifbaren Charakteren bis zur letzten Seite gute Unterhaltung.

Für mich ist "Der Tote im Wiskey-Fass" ein gelungener Krimi, der in vielerlei Hinsicht eine Spurensuche ist und mit seinem irischen Charme Lust auf eine Fortsetzung macht.

Sonntag, 21. Mai 2017

Rezension mit Gewinnspiel "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog - Rowohlt Verlag





Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 2 (22. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499291118
ISBN-13: 978-3499291111
D: 12,99 Euro





Inhalt:


Vom Mut, das Glück wiederzufinden.

Zweimal hat Anna ihr Herz verloren: Einmal an Max, doch die Ehe ging vor fünf Jahren übel in die Brüche. Und dann war da Jan ... die unvergessene Liebe eines Jugendsommers. Schon lange fragt sie sich, was aus ihm geworden ist. Als sie erfährt, dass er auf Amrum wohnt, beschließt die sonst so vernünftige Anna spontan, mit ihrem VW-Bus gen Küste zu fahren. Doch dann meldet sich ihre Mutter, zu der sie seit 18 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, mit schlimmen Nachrichten und einer großen Bitte. Am Ende sitzen nicht nur Anna und ihre Mutter zusammen im Auto, sondern auch ihre beiden Töchter - und Max ...

Ein Buch wie eine perfekt gepackte Strandtasche: berührendes Familiendrama, wunderschöne Liebesgeschichte und Road Novel.
Quelle: Rowohlt Verlag




Die Autorin:


Katrin Koppold hatte schon immer Spaß daran, sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Nach einem Abstecher in den Journalismus kehrte sie zur wahren Liebe Belletristik zurück und begann, Romane zu veröffentlichen. Als E-Book-Autorin hatte sie sich bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben, bevor sie unter dem Pseudonym Katharina Herzog mit "Immer wieder im Sommer" (Rowohlt Polaris) auf Anhieb den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Katrin Koppold lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Bisherige Veröffentlichungen:

Sternschnuppen-Reihe:
Aussicht auf Sternschnuppen
Zeit für Eisblumen
Sehnsucht nach Zimtsternen
Hoffnung auf Kirschblüten
Glühwürmchen im Bauch

Mondscheinblues (ein Spinoff der Sternschnuppenreihe)
Mitternachtstango
Zimtzauber
Liebe hoch 5 (Anthologie mit Adriana Popescu, Nikola Hotel, Katelyn Faith und Ivonne Keller)
Hochzeitsküsse und Pistolen
Immer wieder im Sommer (als Katharina Herzog)
Quelle: Amazon




Rezension:


Wir fragen uns oft, was wäre wenn.... Könnten wir die Zeit zurück drehen, würden wir vieles anders handhaben. Doch ob wir unsere Zukunft damit vorteilhafter gestalten würden, kann uns niemand sagen. Vielleicht wäre diese eine getroffene Entscheidung gravierend für unser weiteres Leben gewesen oder hätte dennoch nur eine kurze Periode im zukünftigen Verlauf beeinflusst. Handlungen erzeugen Gegenhandlungen und bewegen sich in einem unendlichen Kreislauf. Einmal falsch genommene Abzweigungen führen nicht gleich in einen Abgrund. Wir ziehen Lehren aus unseren Handlungen, können diese in der Zukunft anwenden und bestimmen so unser weiteres Schicksal. Aber dennoch stellen wir uns an verschiedenen Punkten des Lebens unweigerlich die Frage nach dem was wäre wenn...

Katrin Koppold schreibt hier als Katharina Herzog, ist aber ihrem mir bekannten Stil von Tiefgang, Humor und einer Portion Liebe treu geblieben. Ein klein wenig empfand ich die Handlung als Vermischung verschiedener Ideen anderer Bücher, die ich bereits gelesen habe. Dennoch hat dies nicht weiter gestört, denn "Immer wieder im Sommer" erzählt trotzdem eine eigene Geschichte mit liebevoll interpretierten Charakteren. 

Es geht um verlorene Träume und den Wunsch, die Vergangenheit zurück zu holen. Das Bedauern um verpasste Gelegenheiten und verlorene gemeinsame Jahre. 

Die Geschichte zeigt, dass wir schöne Gefühle oder Erinnerungen mit dem Lauf der Jahre in einer Art rosarotem Licht betrachten, diese aufrecht erhalten möchten und eines Tages erkennen müssen, das sie eben doch der Vergangenheit angehören. Mit Einzug des Alltags und zunehmenden Alter entwickeln wir Marotten, die der Partner und umgekehrt wir selbst an diesem, akzeptieren lernen sollten. "Immer wieder Sommer" zeigt uns, was Familie bedeutet. 

Sehr einfühlsam geht Katharina Herzog mit dem Thema Demenz um. Wir erfahren, wie es sich anfühlen muss, wenn einem die Erinnerungen entgleiten, aber auch wie dies Familienmitglieder und Außenstehende wahrnehmen. Die Autorin gibt uns einen kleinen Einblick in den schleichenden Verlauf dieser Krankheit und ihre Auswirkungen.

"Immer wieder im Sommer" ist eine berührende Geschichte, die ihre Leser packt und trotz ernster Frequenzen luftig frisch wie ein Sommerlüftchen durch die Seiten geleitet.

Und weil heute Sonntag ist, starte ich auch gleich ein Gewinnspiel für Euch.




Mit Unterstützung des Rowohlt Verlages ist es mir möglich, einen von Euch gemeinsam mit Anna, Max, den Kindern und Frieda nach Amrun zu schicken. Das heißt, ich verlose ein signiertes Exemplar (via Aufkleber im Buch) von "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog.

Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist mir hier oder via Facebook zu folgen und in einem Kommentar zu verraten, was ihr Euch für diesen Sommer wünscht. Wenn Ihr eine Mailadresse hinterlasst, erhaltet Ihr im Gewinnfall neben der Bekanntgabe auf dem Blog auch eine persönliche Mitteilung von mir.
Teilnehmen könnt Ihr bis nächsten Sonntag, 28.05.2017, 23.59 Uhr. Viel Glück.



Teilnahmebedingungen

  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberechtigten möglich.
  • Der Versand erfolgt nur innerhalb Deutschland, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass im Gewinnfall der Gewinner öffentlich auf dem Blog genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Das Gewinnspiel endet am 28.05.2017 um 23:59 Uhr.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Rezension "Für immer und Emil" von Nikola Hotel - Aufbau Verlag



Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (18. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746632129
ISBN-13: 978-3746632124
D: 8,99 Euro








Inhalt:


Ein Mann fürs Lieben

Leonie ist eine Powerfrau: Sie liebt ihren Job und hat Erfolg. Dann wird ihr vorgeworfen, die Geschäftsidee der charmanten Brüder Emil und Benjamin geklaut zu haben. Und zwei Stunden später hat sie Freizeit pur – eine Horrorvorstellung für Leonie. Sie muss unbedingt denjenigen finden, der ihr das eingebrockt hat. Der Einzige, der ihr helfen kann: Emil. Doch der hat sich aufs Land verkrochen. Und plötzlich steht Leonie offline zwischen Erdbeerfeldern und Kuhfladen und spürt: Ihr Herz klopft für Emil.
Quelle: Amazon





Die Autorin:


Nikola Hotel, 1978 in Bonn geboren, arbeitete zunächst als Krankenschwester, bevor ihr großes Interesse an Geschichte sie zum Schreiben brachte. Ihr Debüt »Rabenblut« wurde 2013 mit dem dritten Platz beim Autoren@Leipzig Award der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Seit dem großen Erfolg des heiteren Frauenromans »Fernsehköche küsst man nicht« ist sie ausschließlich als freischaffende Autorin tätig.
Nikola Hotel wurde 1978 als jüngste von zwei Töchtern in Bonn geboren. In ihrer Jugend streifte sie durch den Wald, staute Bäche und eroberte Dachsbauten. Bereits als Schülerin begann Nikola Hotel, erste Kurzgeschichten zu schreiben. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrem Mann und drei Söhnen in Hennef. Im Aufbau Taschenbuch liegen bisher ihre Romane „Jetzt oder Nils“ und „Für immer und Emil“ vor.

Besuchen Sie die Autorin im Internet unter
www.nikolahotel.de
www.facebook.com/nikolahotel
Quelle: Amazon




Rezension:


Nikola Hotel ist für mich ein Garant für abwechslungsreiche, charmant witzige Unterhaltung. Und auch mit "Für immer und Emil" hat sie meine Erwartungen voll erfüllt.
Ihre Protagonisten sind wieder voller Ecken und Kanten, mögen das ein oder andere Fettnäpfchen und bleiben dabei herrlich normal. Leicht überspitzt dargestellte Alltagssituationen sorgen für amüsante Kurzweil. Als Leser fliegt man nur so durch die Geschichte und das Ende kommt leider allzu rasch.

Erfolgreich im Beruf ist Leonie ein Workaholic und muss erst lernen, was wirklich wichtig ist im Leben. In der Powerfrau schlägt ein Herz, das sie nur allzu rasch an  Emil verliert. Es prickelt mächtig.
Neben den Hauptprotagonisten gefiel mir Leonies Putzfrau Olga am besten. Einfach zum Schießen.

Neben aller Unterhaltung weist dieses Buch viele Tiefen auf. Nikola Hotel hält uns ein gesellschaftliches Spiegelbild des Erfolgwahns und -drucks vor Augen, dem wir uns täglich aussetzen.  Es geht um Burn-Out, Diätenwahn und ist ein Hinweis darauf, das Tempo ein wenig herunterzuschrauben und sich auf das wirklich wichtige im Leben zu besinnen. Einfach einmal über die eigene Lebensqualität und vergessene Träume nachdenken. Dabei jedoch immer mit einem gewissen Augenzwinkern versehen, bringt die Autorin ihre Leser mehr als einmal zum Schmunzeln.

"Für immer und Emil" ist eine wundervolle freche, turbulente Sommergeschichte aus dem Programm des Aufbau Verlages.



Freitag, 12. Mai 2017

Rezension "Erntedank in Vertikow" von Frank Friedrichs - DichtFest Verlag






Taschenbuch: 302 Seiten
Verlag: DichtFest; Auflage: 1 (26. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3946937209
ISBN-13: 978-3946937203
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Im beschaulichen Mecklenburger Dorf Vertikow wird eine alte Frau überfahren – ein Unfall, wie alle glauben. Alle bis auf Peer Wesendonk, den einzigen Zeugen. Der ehemalige Dorf-Organist sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl und fühlt sich nutzlos. Grund genug für ihn, den Fall zu untersuchen. Aber gibt es überhaupt einen Fall? Und lohnt es sich, deswegen in der Vergangenheit herumzustochern, sich mit dem halben Dorf zu überwerfen, und sein Leben in Gefahr zu bringen?
Quelle: Amazon




Der Autor:


1969 wurde ich in Hamburg geboren und bin bis zu meinem 38. Lebensjahr nicht weit von dort weggekommen. Gut, meine Kindheit und Jugend habe ich streng genommen in Schleswig-Holstein verlebt - aber nur einen Steinwurf von der Hamburger Stadtgrenze entfernt. Wenn ich so gut hätte werfen können.

Mit 25 zog es mich dann wieder in die Großstadt - endlich frei und unabhängig. Endlich jederzeit alles machen können. Endlich mitten im Leben. Gut, gemacht habe ich nicht wirklich viel, außer lange zu studieren (Germanistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, ein bisschen Psychologie, Alte Geschichte und Archäologie), ein Vokalensemble zu gründen und den Mann fürs Leben kennenzulernen. Okay, wenn ich das rückblickend betrachte, ist das doch eine Menge. Und vor allem sehr bereichernd.

Nichtsdestotrotz bin ich 2007 in ein winziges Dorf in Mecklenburg gezogen - endlich frei und unabhängig. Endlich jederzeit in die Natur gehen können. Endlich mitten im Grünen. Und in der Ruhe. Ehrlich: Die Hamburger ahnen gar nicht, wie viel Himmel es um sie herum gibt ...

Natur, Landleben, Idylle - das fließt auch immer wieder in meine Bücher ein.
Ja, Bücher. Ich habe schon mehrere geschrieben, die aber meiner Ansicht nach noch nicht auf die Leserschaft losgelassen werden sollten, ehe sie nicht ausgereift sind. Dazu zählen eine Fantasy-Trilogie und ein heiterer Frauenroman.

Vor allem aber meine neue Krimi-Reihe widmet sich diesem Thema. Sie spielt in einem fiktiven Dorf in West-Mecklenburg, nicht weit von meinem eigenen Wohnort. Und sie fängt jede Menge Mecklenburg ein: Natur, Landleben, Idylle ... und den typisch mecklenburgischen Menschenschlag, der es einem Ermittler nicht immer leicht macht, an Informationen zu kommen - vor allem, wenn der Ermittler der eigene Nachbar ist ...
Viele Infos zur Krimireihe, zu Vertikow, seinen Bauten und der Umgebung gibt es unter www.vertikow.de
Quelle: Amazon




Rezension:



Es entspannend, mal wieder einen Regionalkrimi zu lesen.

Beim Lesen entwickeln sich hier ganz andere Gefühle, als bei einem Krimi oder Thriller, der im Ausland spielt. Irgendwie erscheinen die Umgebungen und Menschen fühlbarer, vertrauter, selbst wenn man wie ich, nicht aus Mecklenburg kommt.

Frank Friedrichs nimmt uns mit in die Idylle des kleinen verschlafenen Dorfes Vertikow in Mecklenburg. Hier scheint noch jeder jeden zu kennen. Doch die Idylle trügt. Klatsch und Tratsch, Neid und Missgunst finden sich auch hier. Peer als zugezogener Städter findet nur schwer Anschluss an das Dorfleben. Durch seine Behinderung fühlt er sich noch ausgegrenzter als zuvor. Doch dann wird er Zeuge eines Mordes. Oder war es vielleicht doch ein Unfall? Anfangs vermischen sich hier Erinnerungen an seinen eigenen Unfall und das aktuelle Tatgeschehen.

Wir gewinnen während des Krimis einen Einblick in den Dorfalttag und lernen die einzelnen Bewohner von Vertikow kennen. Mit Witz und einer Portion Sarkasmus wird hier der noch immer in den Köpfen schwärende Konflikt zwischen „Ost“ und „West“, „Stadt“ und „Land“ aufgegriffen. Sicher wird so auch das ein oder andere Klischee bedient. Wobei ich immer das Gefühl hatte, dass diese vom Autor gewollt aufgegriffen wurden, um dem Leser einen Spiegel vorzuhalten. Die Situationen wirken sehr authentisch. 


Welche Geheimnisse verbergen die Dorfbewohner? Jeder scheint verdächtig.

Fast schon paranoid verfolgt Peer jede noch so kleine Spur. Gleichzeitig stellen die Ermittlungen eine Art Selbstfindungstrip für ihn dar. Nach seinem Unfall nunmehr auf einen Rollstuhl angewiesen, stellen sich ihm viele Hindernisse im Alttag in den Weg. Täglich muss er mit physischen und psychischen Belastungen kämpfen. Dabei ist Peer ein absoluter Egomane, der droht in Selbstmitleid zu versinken. Seine Frau ist ihm gefühlstechnisch zu nah, um eine wirkliche Hilfe zu sein. Fast könnte man annehmen, der Mord ist seine Rettung.

Die Dorfgemeinschaft wird durch die Ereignisse zusammengeschweißt und unser Protagonist findet zu einem neuen Selbstbewusstsein.

Wir klären mit ihm nicht nur einen Mordfall auf, sondern bewältigen auch Ereignisse aus der Vergangenheit. Unvorhergesehene Wendungen und der stellenweise recht ironische Unterton fesseln. Dabei entbehren die Schilderungen und einzelnen Beschreibungen nicht einer gewissen Poetik.
„Erntedank in Vertikow“ ist ein recht ruhiger Krimi, der dadurch aber nichts an Spannung einbüßt. Sprachlich ansprechend und flüssig zu lesen, verspricht er unterhaltsame Lesestunden.

Da es sich um einen Reihenauftakt handelt, dürfen wir uns auf weitere Verwicklungen, Intrigen und Kriminalfälle rund um Vertikow und seine Bewohner freuen.




Sonntag, 7. Mai 2017

Rezension "Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg" von Birte Müller - Verlag Freies Geistesleben




Gebundene Ausgabe: 247 Seiten
Verlag: Freies Geistesleben; Auflage: 1 (1. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3772527884
ISBN-13: 978-3772527883
D: 19,90 Euro







Inhalt:


Was passiert, wenn eine berufstätige Mutter zusätzlich zu ihrem Alltag mit ihrem behinderten Sohn Willi und ihrer hyperkreativen Tochter Olivia auch noch zwanghaft alle Kostüme selbst nähen und im Herbst 10 Kilo Kürbis einkochen muss? Dann verliert selbst eine Kontroll-Mutter mal die Kontrolle. »Wie schaffst du das bloß alles?«, wird sie oft gefragt. Aber die Antwort liegt auf der Hand: Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg!
Quelle: Amazon



Die Autorin:


Birte Müller wurde 1973 in Hamburg geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet. Schon als Kind verbrachte sie den größten Teil ihrer Zeit mit Malen, Basteln Häkeln und Geschichtenschreiben. Nach der Schule verschlug es sie eine Weile nach Australien, bis sie sich dazu entschloss etwas Unvernünftiges zu lernen. So studierte sie Kinderbuchillustration an der HAW in Hamburg. Zwischendurch studierte sie noch etwas freie Malerei in Mexiko und ihre Diplomarbeit musste sie unbedingt in einem winzigen Bergdorf in Bolivien machen.

Heute sind Birte Müllers Bilderbücher in über vierzehn Sprachen übersetzt und sie ist rund um den Globus bekannt für Ihre Lesungen und Workshops mit Kindern.

Ihre Illustrationen konnte man in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In-und Ausland sehen, z.B. auf der der Kunsttreppe in Hamburg, der Buchmesse in Bologna oder auf der Biennale in Bratislava.

Birte Müllers toller Sohn Willi kam 2007 mit dem Down-Syndrom zur Welt und ihre süße Tochter Olivia nur kurze Zeit später mit dem Normal-Syndrom. Seitdem erscheinen nicht mehr so viele Bücher von ihr.

Zusätzlich hat Birte Müller zum Glück auch noch einen VW-Bus fanatischen Ehemann, Eltern die ihr notfalls die Wäsche waschen, ein spießiges Reihenhäuschen, eine Vorliebe für Erdbeeren und zweitklassigen Fußball (sie ist St. Pauli Fan) und leider keine Zeit mehr zum Marathon laufen.





Rezension:


"...Mein behinderter Sohn Willi, der den Sinn und Zweck von Wettkämpfen (und von überflüssigen Wortschöpfungen) überhaupt nicht begreift, ist bei jedem Wettlauf einfach immer der, der am meisten Spaß hat!"

Birte Müller ist eine ganz normale Mutter, die nur das Beste für ihre Kinder möchte. Ihr Alltag ist wie der jeder Mutter und doch muss alles um vieles effektiver organisiert und geplant werden. Willi ist der Sonnenschein im Haus, verlangt aber auch ein großes Pensum an Kraft, Verständnis und Toleranz. Willi wurde mit Trisomi 21, besser bekannt als Down-Syndrom, geboren und sein Leben unterliegt vielen Einschränkungen, die sich auf seine Eltern und seine jüngere Schwester auswirken.
Doch hat er Eltern, die ihn lieben, wie er ist und ihn in seiner Entwicklung unterstützen.

"He, du sollst dein Kind doch so lieben, wie es ist!"

Birte Müller hat mit ihrem Buch eine wundervolle Liebeserklärung an ihre beiden Kinder vorgelegt. Sie beschreibt, wie sich ihr Leben und Denken durch Willi verändert hat, wie sich ihre Tochter unter dem Einfluss ihres großen Bruders zu einer sehr eigenständigen, willensstarken Persönlichkeit entwickelt.

"...denn bei Worten wie - Dann können Sie eben mit so einem Kind einfach nicht hierhergehen - könnte ich nur noch in Tränen ausbrechen. Manchmal kommt es mir so vor, als sei mit Willi eben gar nichts einfach und ganz besonders nicht das Nicht-Hierhergehen nicht..."

Es ist ein ehrliches Buch über die Höhen und Tiefen, die durch Willis Behinderung den Alltag der Familie prägen. Dennoch jammert Birte Müller nicht. Mit einer großen Portion Humor zeigt sie, wie schön, aber auch beschwerlich dieses Leben mit ihrem Sohn ist. Sie berichtet von Hoffnungen, falschem Ehrgeiz, Rückschlägen, Zweifeln, kleinen Freuden und ihrer tiefen Liebe zu beiden Kindern. Sich selbst betrachtet sie dabei häufig mit einem Augenzwinkern.
Es war für mich interessant mit ihr, ihrem Mann und den Kindern durch die Jahre zu gehen und zu beobachten, wie sich Sichtweisen und Handlungen mit den gemachten Erfahrungen verändern. Dieses Buch ist hoffentlich auch eine Hilfe, um Kinder wie Willi besser verstehen zu können und sich ihnen zu öffnen.

"Ich muss mich selten für Willis Verhalten rechtfertigen (für seine Existenzdagegen schon öfter),..."

Erschreckt hat mich, dass sich Willis Eltern nicht nur einmal dafür rechtfertigen mussten, dass Willi überhaupt zur Welt gekommen ist. Dies auch vor dem Hintergrund meiner letzten Rezension zu "Nebel im August". Hier wäre Willi als unwert zu leben eingestuft worden und eine Zukunft ungewiss bzw. nie möglich gewesen. Leider trägt unsere Gesellschaft dieses Gedankengut noch immer mit sich herum.

"Und ein Blick in Willis Augen lohnt sich immer, denn sie strahlen so schön!"

Ich selbst habe drei Kinder und liebe sie über alles. Bei keiner Schwangerschaft habe ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Wir hatten Glück und die Kinder kamen gesund zur Welt. Doch hätte ich auch nie eine Entscheidung gegen sie treffen können. Daran hätte das Wissen um eine Behinderung nichts geändert.
Als Außenstehender ist es da leicht zu sagen. "Ich hätte es wegmachen lassen." Birte Müller ist froh, dass Willi ihr Leben bereichert, auch wenn er ihr manchmal alles an Kraft abverlangt.

"Das Tolle an Willi ist ja gerade, dass er immer im Hier und Jetzt lebt!"

Manche Menschen fühlen sich durch Kinder oder Erwachsene mit Down-Syndrom gestört und zeigen für ihre Eigenheiten keinerlei Toleranz. Dennoch ist das Verhalten "gesunder Mitmenschen" oftmals wesentlich weniger akzeptabel. Hier nur ein kleines Beispiel:

Im letzten Jahr besuchten wir in Hamburg das Musical "König der Löwen". In der Reihe vor uns saßen vier Mittzwanziger und unweit daneben eine Gruppe von behinderten Jugendlichen (u. a. mit Down-Syndrom). Die Jugendlichen verfolgten aufmerksam und sichtlich gebannt die Vorstellung. Dagegen störte die andere Gruppe "normaler" Zuschauer die Vorstellung durch lautes Gequatsche, Albernheiten und Herumhampeln. Nun sagt mir, wer sich hier in der Öffentlichkeit nicht Gesellschaftskonform benommen hat.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es macht betroffenen Familien Mut. Zeigt, dass man nicht jeden Weg mitgehen muss, sich auf seine Kinder einlassen und sie dort abholen sollte, wo sie stehen. Kindererziehung - egal ob mit oder ohne Behinderung - ist kein Konkurrenzkampf.

"Manchmal brauchen Kinder auch einfach mehr Zeit, und es bringt gar nichts, sich vorher zu sehr verrückt zu machen"

Das Leben ist nicht immer fair, doch wir können es nach unseren Wünschen mitgestalten. Ein Weg ist, Menschen, die "anders sind" zu akzeptieren und uns vor Berührungen mit ihnen nicht zu fürchten.

Ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit kann viel bewirken und unser Leben enorm bereichern.