Mittwoch, 1. Februar 2017

Rezension "Smith & Wesson" von Alessandro Baricco - Hoffmann und Campe




Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (17. September 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Annette Kopetzki
ISBN-10: 3455405770
ISBN-13: 978-3455405774
D: 18,00 Euro







Inhalt:


Tom Smith und Jerry Wesson haben mit der Waffenfabrik nur die Nachnamen gemein. Echte Abenteurer brauchen keine Waffen. Die Habenichtse lernen sich bei den Niagarafällen kennen, wo sich der eine als Erfinder und Meteorologe, der andere als »Leichenfischer« verdingt. Und dann ist da noch die Journalistin Rachel, die der erste Mensch sein will, der einen Sturz von den Fällen überlebt. Zu dritt wollen sie der Welt eine unvergessliche Geschichte liefern und zu Helden werden.

Die Niagarafälle - spektakuläres Naturereignis, irdisches Paradies und mythischer Ort. Sie haben die Phantasie vieler Schriftsteller beflügelt, auch wenn Charles Dickens sagte, dass »jedes Wort über diesen wundervollen Ort nur reiner Unsinn sein könnte«. Als Tom, Jerry und Rachel sich begegnen, hat jeder seinen eigenen Vorteil im Sinn. Um Schlagzeilen zu schreiben, bedarf es einer tollkühnen Tat - und vertrauenswürdiger Helfer. Rachel will sich in einem Holzfass die Wasserfälle hinunterzustürzen und diesen Sturz als erster Mensch überleben. Doch ihr Plan geht nicht auf.
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Der Autor:


Alessandro Baricco, 1958 in Turin geboren, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Er ist Mitherausgeber verschiedener Literaturzeitschriften und von La Repubblica. 1994 gründete Baricco zusammen mit Freunden eine Privatuniversität, an der er Kreatives Schreiben unterrichtet. Neben seinen Romanen hat Baricco zahlreiche Essays, Erzählungen und Theaterstücke verfasst. Sein Roman Seide wurde zum internationalen Bestseller. Er wurde mit dem Premio Campiello, dem Premio Viareggio und dem Prix Médicis Étranger ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Roman Mr. Gwyn (2015).
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Rezension:


Die Namen Smith & Wesson assoziiert man ja direkt mit dem Begriff Waffen und fühlt sich rein mental in den Wilden Westen versetzt. So ging es mir zumindest, als ich den kleinen schmalen Band von Alessandro Baricco erstmals in die Hand nahm. Banditen, Überfälle, Salons und Schießereien spukten mir spontan im Kopf herum. So ganz trifft dies hier allerdings nicht zu.

Kennt ihr die Niagarafälle? Dumme Frage meint ihr, na sicher? Aber kennt ihr die Niagarafälle wirklich? Ich möchte nämlich wissen, ob ihr die geballte Naturgewalt dieser Wasserfälle schon einmal hautnah erleben durftet. Es ist gigantisch, beeindruckend und überwältigend. Die Natur erlaubt uns an einem wundervollen und im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder überraschenden Naturschauspiel teilzuhaben. Der Anblick der herabstürzenden Wassermassen, die Lichtspiele auf der Wasseroberfläche waren bei jedem meiner Besuche anders und immer wieder faszinierend.

©Anja Schmidt


Ob ich aber auf die Idee kommen, geschweige denn eine solche umsetzen würde und mich in einem Fass in den sprudelnden Abgrund stürzen, der Natur völlig ausliefern könnte. Bestimmt nicht. Hierfür bedarf es extremer Abenteuerlust oder großer Verzweiflung.

An diesem Punkt gelange ich zu Alessandro Baricco und seinen Protagonisten.

Mit „Mr. Gwyn“ hat er mich mit seinem ganz eigenen Schreibstil überzeugt und in seinen Bann gezogen. Bei „Smith & Wesson“ überrascht er durch eine neue Facette seines Schreibens. Es ist kein Roman im herkömmlichen Sinn, eher ein Bühnenstück, bei dem wir die Akteure ein Stück weit begleiten dürfen. Wortkarge und dennoch präzise gesetzte Wortspiele üben ihren besonderen Reiz aus, zaubern dem Leser das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht. Sie öffnen den Blick fürs Detail und katapultieren den Leser ins Jahr 1902. 

©Anja Schmidt

Ich sah die Landschaft in all ihrer zerstörerischen Schönheit direkt vor. Sie bildet den Hintergrund für Bariccos eigentümliches Trio. Drei Lebensakrobaten finden am Rande ihrer gescheiterten Existenzen zu einer Gemeinschaft zusammen. Auf ihrer Suche nach einem neuen Sinn in ihrem Leben finden sie zu einer selten gegebenen Zusammengehörigkeit. Zwischen ihnen entsteht eine Vertrauensbasis, Freundschaft und eine tiefgehende Liebe, die die Zeiten überdauern wird, erblüht.

Zwischen Hoffen und Bangen stürzen wir uns gemeinsam in die Fluten der Niagarafälle und hinterlassen eine Spur Melancholie und Bedauern in den Gemütern.

Die Wege Träume zu verwirklichen und nach den Sternen zu greifen sind oft steinig und nur ein abenteuerlicher Geist lässt sich nicht abschrecken.

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