Dienstag, 28. März 2017

Rezension "Kuschelflosse - Der knifflige Schlürfofanten-Fall" von Nina Müller - Hörbuch - cbj audio



Audio CD
Verlag: cbj audio; Auflage: Ungekürzte Lesung, Inszenierte Lesung mit Musik (23. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837138143
ISBN-13: 978-3837138146
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren
D: 7,99 Euro




Inhalt:


Kuschelflosses großes Schlürfofanten-Abenteuer


Eines Tages steht ein großes Geschenk vor Kuschelflosses Haustür. Darin: Ein Schlürfofant! Schlürfi ist richtig lieb, aber er hat einen riesigen Appetit und saugt selbst Herrn Kofferfischs stinkige Socken sofort in seinen Rüssel ein. Eins ist klar: In Fischhausen kann Schlürfi unmöglich bleiben. Und so machen sich Kuschelflosse und seine Freunde auf, um Schlürfis Eltern zu finden ...
Quelle: Amazon



Über den Autor und weitere Mitwirkende


Nina Müller
, geboren 1977 in Bayreuth, studierte Kommunikationsdesign in Wiesbaden und Sydney, bevor sie nach München zog und als Art Director in einer der renommiertesten Werbeagenturen Deutschlands arbeitete. Heute hat sie ihr eigenes Designbüro in Bayreuth und genießt neben den konzeptionellen Aufgaben mehr Zeit für ihre liebste Leidenschaft: das Schreiben und Illustrieren fantastischer Geschichten mit einzigartigen Charakteren.


Ralf Schmitz, bekannt aus TV-Shows wie Schillerstraße, als Zwerg Sunny in den 7 Zwerge-Kinofilmen und als Autor der Bestseller Schmitz’ Katze, Schmitz’ Mama und Schmitz’ Häuschen, ist der Turbo unter den Comedians. Mit seinen vielstimmigen Lesungen hat er bereits die ersten beiden Bände von Kuschelflosse in ein unvergessliches Ein-Mann-Hörspiel verwandelt.
Quelle: Amazon



Rezension:


Ich bin ein bekennender Fan von Kuschelflosse und seinen Freunden. "Kuschelflosse - Das unheimlich geheime Zauberriff"gehört bereits zu unserer Hörbuchsammlung und da musste natürlich das aktuelle Abenteuer auch bei uns einziehen.

Bei dieser Buchreihe habe ich mich bewusst für die Hörbuchversionen entschieden, da hier sehr viel mehr als eben nur ein Hörbuch geboten wird. Die Herausforderung, die kleinen und großen Zuhörer ohne visuellen Fokus, allein mit Hilfe von Geräuschen, Musik und auf die Charaktere abgestimmten Stimmvariationen zu fesseln, wird hier mit Bravour gemeistert. Es rauscht, es blubbert, es schmatzt….

Ralf Schmitz hat eine ganz besondere Art, die von Nina Müller so humorvoll und ideenreich geschilderten Abenteuer stimmlich in Szene zu setzen. Es macht einfach Spaß zuzuhören und sich in die Unterwasserwelt entführen zu lassen.



Da auch „Kuschelflosse: Der knifflige Schlürfofanten-Fall“ mit einem kleinen Booklet ausgestattet ist, in dem die einzelnen Fische kurz vorgestellt werden, haben die Kinder gleich eine optische Vorstellung ihrer Helden vor Augen. Die liebevoll entworfenen Zeichnungen sind einfach nur niedlich und strahlen eine Fröhlichkeit aus, die ansteckend wirkt.

Ein paar schwierigere Adjektive und Wortwendungen seien verziehen, da diese im großen Ganzen untergehen und auch die kleineren Kinder das Geschehen problemlos verfolgen können. Dafür sorgen einzigartige Wortkreationen garantiert für Lacher.


Montag, 20. März 2017

Rezension "Hochzeitsküsse und Pistolen" (Cathy Gunn ermittelt) Chicklit-Krimi von Katrin Koppold




Taschenbuch: 276 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (5. November 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1502311429
ISBN-13: 978-1502311429
D: 9,95 Euro




Inhalt:


Ein Mord im beschaulichen Örtchen Wilbury on the Woods – das gab’s noch nie! Nur wenige Tage, bevor Cathy heiratet, stolpert sie auf der Ruine von Glenford Castle über die Leiche der Postbotin Veronica. Was aber noch viel schlimmer ist - Cathys zukünftiger Bräutigam, der ortsansässige Polizist, soll den Fall übernehmen und ihn so schnell wie möglich aufklären. Damit ihre Flitterwochen nicht ins Wasser fallen, sieht Cathy sich gezwungen, ihm tatkräftig unter die Arme zu greifen. Verdächtige gibt es auch mehr als genug, denn das Opfer war eine boshafte Klatschtante. Leider hat Cathy jedoch so gar keine Erfahrung in Sachen polizeilicher Ermittlungen. Kein Wunder, dass sie ihrem Verlobten immer wieder in die Quere kommt – und auch der Mörder bald auf sie aufmerksam wird.
Quelle: Amazon



Die Autorin:


"Wenn du an eine Weggabelung kommst, geh einfach drauf zu".

Dieses Zitat aus dem Film "360°", das die Autorin ihrem Debutroman "Aussicht auf Sternschnuppen" vorausgestellt hat, trifft ihre Lebensphilosophie ziemlich genau. Nicht lange zaudern, Neues ausprobieren, auch wenn man sich dabei blaue Flecke holt, Risiken eingehen, Visionen haben!
Nach Abitur und Studium ist Katrin Koppold viel gereist, hat die Welt erkundet, als Fitnesstrainerin, Journalistin, Mode- und Kosmetikdarstellerin und in einem Restaurant gearbeitet, bevor sie den Mann ihrer Träume kennen gelernt hat und sesshaft geworden ist. Heute lebt sie mit ihrer Familie und den Katzen Merlin und Fiona in einem Häuschen in der Nähe von München.
Ihre Romane rund um die Liebe, das Leben und das große Glück lässt sie immer wieder an Orten spielen, an die sie ihr Herz verloren hat: Italien, Irland, München, Paris ...

Unter dem Pseudonym Jade McQueen schreibt Katrin Koppold mit vier befreundeten Autorinnen die Reihe "The Diamond Guys".
Quelle: Amazon


Rezension:


Kann ein Krimi vor Witz sprühen? Ja, er kann, wenn er aus der Feder von Katrin Koppold stammt. Dem Charme ihrer Romane bin ich ja bereits seit geraumer Zeit erlegen und auch hier hat sie mich nicht enttäuscht.

Mit einem wunderbaren Feingefühl für urkomische Situationen, selbst wenn diese eigentlich recht mörderisch daherkommen, führt uns die Autorin durch die Ermittlungen.
Die Idylle des Dorflebens täuscht. Auch wenn eigentlich jeder jeden von Kindesbeinen an kennt, lauern hintern den Mauern dunkle Geheimnisse. Nicht immer ist es gut, an den geschlossenen Türen zu rütteln.

Unsere Protagonistin Cathy muss man einfach ins Herz schließen, so chaotisch liebenswert sie nach passenden Fettnäpfchen Ausschau hält. Dabei möchte sie doch eigentlich nur ihre Hochzeit und die Flitterwochen retten. Welche Lawine sie in Kraft tritt und wie sehr sie sich selbst in Gefahr bringt, ahnt sie anfangs nicht.

"Hochzeitsküsse mit Pistolen" ist eine gelungene Mischung aus Nervenkitzel, Romantik und Humor. Kurzweilig und amüsant hat mir dieses Buch wundervolle Lesestunden beschert.




Donnerstag, 16. März 2017

Rezension "Mein Freund Pax" von Sara Pennypacker - FISCHER Sauerländer

Hardcover (16. März 2017)
304 Seiten, gebunden
FISCHER Sauerländer
Sprache: Deutsch
aus dem Amerikanischen von Birgitt Kollmann
Illustriert von: Jon Klassen

ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-7373-5230-7
Preis € (D) 16,99 | € (A) 17,50




Inhalt:


Peter hat den Fuchswelpen Pax vor dem sicheren Tod gerettet und aufgezogen – seitdem sind die beiden unzertrennlich. Peter und Pax verstehen sich ohne Worte, und nur zusammen fühlen sie sich ganz. Aber dann kommt der Krieg und reißt die beiden auseinander. Zwischen ihnen liegen Hunderte von Kilometern und warten tausend Gefahren, doch von ihrer Sehnsucht getrieben, kennen die beiden nur einen Gedanken: den anderen wiederzufinden …

Sara Pennypacker und Jon Klassen haben eine berührend-poetische Freundschaftsgeschichte geschaffen, die gleichzeitig ein Plädoyer für Menschlichkeit in Zeiten des Krieges ist.
Mit zwölf schwarz-weiß Illustrationen von Jon Klassen.

Quelle: S. Fischer Verlage




DieAutorin:


Sara Pennypacker wurde 1951 in Massachusetts, USA, geboren, wo sie auch heute noch lebt. Sie gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen Nordamerikas, und ihre Bücher wurden vielfach ausgezeichnet.
Quelle: S. Fischer Verlage




Rezension:


Ich möchte euch meinen Freund Pax vorstellen. Er hat heute, genau an meinem Geburtstag, im FISCHER Sauerländer Verlag offiziell das Licht der Welt erblickt. Und dieses Buch ist wirklich ein ganz besonderes Geschenk.

Pax ist ein Fuchs und damit stellt sich gleich zu Anfang die Frage: "Kann ein Wildtier als Haustier leben?".

In gewisser Weise schon. Pax wurde als Welpe von Peter gerettet und lebte viele Jahre wie ein Haustier, ähnlich einem Hund. Jedoch verändert sich die Welt um ihn herum und wie aus dem Nichts, wird alles anders. Kann Pax in der Wildnis allein überleben?

Auf dem Buchumschlag sehen wir Pax nur von hinten. Er wartet auf seinen Jungen und strahlt dabei eine tiefe Sehnsucht und Vertrauen aus. Für Pax ist Peter nur "sein Junge". Er erkennt ihn an seinem Geruch, seiner Statur und seinen Bewegungen. Für Peter ist der Fuchs ein Freund und doch ließ er ihn allein im Wald zurück. Ein Verrat, der sich für Pax schmerzhaft anfühlt und doch glaubt er an die zwischen beiden herrschende Freundschaft. Auch Peter leidet unter der Trennung und macht sich auf den langen Weg zurück zu seinem Fuchs. 




Mit dieser Ausgangssituation schickt uns Sara Pennypacker auf eine Reise. Es wird eine Entdeckungsreise auf der Suche nach Geborgenheit, Liebe und vor allem dem eigenen Platz im Leben.

Wir erleben auf eine sehr poetisch berührende Weise die Intensität der Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Einfache, eindringliche schwarz-weiß Zeichnungen von Jon Klassen untermalen die von der Autorin geschaffenen Bilder. In ihrer Schlichtheit wirken sie gehaltvoller, als es bunte Leuchtbilder je könnten. Es ist eine Geschichte über Treue, Freundschaft, Vertrauen und Selbstfindung. Dabei ist "Mein Freund Pax" vielschichtig und berührt nachhaltig. Es ist schwer, dieses Buch in seinem ganzen Ausmaß zu beschreiben, ohne dabei zu viel über dessen Inhalt zu verraten.


"Ich wäre eine gute Lehrerin geworden."


Peter trifft auf seiner Such nach Pax auf Vola. Diese Begegnung verändert beider Leben. 
Vola ist vom Krieg traumatisiert. Sie hat ihre Träume aufgegeben und vergräbt sich in Einsamkeit. Peter findet intuitiv einen Zugang zu ihr und zeigt dabei eine Reife und innere Stärke, die man diesem 12jährigen Jungen anfangs nicht zugetraut hätte. Er hilft ihr, den selbst gewobenen Kokon zu verlassen. Bei Vola findet Peter die lange vermisste Geborgenheit. Seine Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Verständnis konnte der Junge bisher nur bei Pax stillen. Wie sehr er seinen Fuchs doch vermisst...

Pax, der Menschenstinker, wie ihn die anderen Füchse schimpfen, muss dagegen lernen in den Wäldern zu überleben und zurück zu seinen Instinkten finden. Der Blick aus Fuchsaugen, das wortlose Verstehen untereinander, berühren das Herz. 

In einer Zeit des Krieges, wird das Leben und Überleben für Mensch und Tier zu einer Bewährungsprobe. Seien es die Tiere, die sich unbekannten Gefahren gegenübersehen oder die Kriegskranken, wie die Tiere die Soldaten nennen. Es ist keine leichte Zeit, in der sich Peter und Pax auf die Suche nacheinander begeben. 




Ob sie die Sehnsucht stillen, noch einmal gemeinsam dem Baseball hinterher jagen können, erfährt nur derjenige, der den beiden über dreihundert Seiten hinweg auf ihrem Weg beisteht. Öffnet euren Blick und euer Herz für meinen Fuchs Pax und seinen Jungen.


...und "die Verandatür bleibt immer offen!"


Ich möchte Euch auch herzlich zu einem Besuch im Fuchsbau von Arndt auf Astrolibrium einladen.

Dienstag, 14. März 2017

Rezension "Alma" von Dagmar Fohl - Gmeiner-Verlag


    Gebundene Ausgabe: 219 Seiten
    Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1., 2017 (8. Februar 2017)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3839220726
    ISBN-13: 978-3839220726
    D: 18,00 Euro






    Inhalt:


    Der Hamburger Musikalienhändler und Cellist Aaron Stern muss 1939 Deutschland ohne seine Tochter verlassen. Eine verhängnisvolle Odyssee beginnt. Er findet in keinem Land sichere Aufnahme und gerät in die Fänge der Nationalsozialisten. Nach leidvollen Erfahrungen als Schiffsflüchtling und Lagermusiker kehrt er schließlich nach Hamburg zurück. Eine berührende und abenteuerliche Suche nach seiner Tochter beginnt.
    Quelle: Amazon


    Die Autorin:


    Dagmar Fohl absolvierte ein Studium der Geschichte und Romanistik in Hamburg und arbeitete als Historikerin und Kulturmanagerin. Heute lebt sie als freie Autorin in Hamburg und schreibt Romane über Menschen in Grenzsituationen. Psychologisch fundiert zeichnet sie Seelenzustände ihrer Protagonisten mit ihren Lebens- und Gewissenskonflikten und beleuchtet gleichzeitig die gesellschaftlichen Verhältnisse und Probleme der jeweiligen Epoche, in der ihre Protagonisten agieren.
    Quelle: Amazon


Rezension:


Mich hat der Klappentext direkt angesprochen. Doch kann eine fiktive Geschichte verbunden mit den historischen Fakten dieser Zeit vor seinen Lesern bestehen und den Geschehnissen gerecht werden? Gelinde gesagt, war ich skeptisch. Dagmar Fohl hat es jedoch geschafft, die Figuren sehr intensiv und authentisch wirken sowie handeln zu lassen.

"Alma" startet mit einem Vorwort von Esther Bejarano, die mir bereits aus
"Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten" von Reiner Engelmann ein Begriff ist.
Esther Bejarano spielte selbst im Mädchenorchester von Ausschwitz und weiß, worüber sie spricht. Sie hat die Leiden und auch psychischen Foltern am eigenen Leib durchlebt. Allein dadurch stieg mein Zutrauen zu Almas Geschichte.


Wir erleben die geschilderten Ereignisse aus der Sicht von
Aaron Stern. Der Erzählstil ist recht sachlich und nüchtern. Auf mich wirkte es so, als ob Aaron Stern es einfach nicht zulassen konnte, zu große Emotionen zu zeigen. Als ob der Bericht über sein Leben nur auf Basis des größtmöglichen gefühlsmäßigen Abstandes von dem Erlebten überhaupt möglich ist. Gleichzeitig musste ich mir zu Beginn vor Augen führen, dass Aaron am Ende des Krieges kaum 30 Jahre alt ist. Man hat das Gefühl, einen weit über seine Jahre hinaus gealterten Menschen vor sich zu haben, der geprägt durch die erlittenen Leiden alle Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Gerade durch diese besondere Art des Tones, wird „Alma“ zu einem sehr intensiven Leseerlebnis.

Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen? 

Aaron und Leah befanden sich bereits auf dem Weg in die Freiheit. Sie hatten eine der letzten Schiffspassagen bekommen, die ihr Überleben sichern sollte. Dafür mussten Sie sogar auf das Liebste, das sie besaßen verzichten und ihre gerade neu geborene Tochter zurücklassen. Jedoch wird ihnen in Kuba die Einreise verweigert. Auch die umliegenden Länder waren nicht bereit, die Flüchtigen aufzunehmen. Man mag sich diese Grausamkeit nicht vorstellen. All diese Menschen wurden wissentlich in den Tod geschickt. Nur wenigen war das Glück vergönnt, der Nazimechanerie zu entkommen.

Leah zerbricht unter dieser seelischen Last. 

Dagmar Fohl zeigt sehr eindringlich die psychischen Qualen und Folgen, die der Naziterror und die Zeit im Konzentrationslager mit sich brachten. Nicht allein der körperliche Zerfall, Hunger und Krankheiten führten zu Tod und Verzweiflung. Die psychische Folter hatte oft gravierendere Folgen und wirkten sich nachhaltig auf das weitere Leben der Überlebenden aus. Wie weit muss der Horror vordringen, damit man froh über den Tod eines geliebten Menschen ist, nur damit dieser all die noch zu erwartenden Qualen und Schmerzen nicht mehr ertragen muss? Man kann es sich kaum vorstellen.

Das eigene Überleben hing an einem seidenen Faden, Hoffnung wurde für viele zum einzigen Halt in einer unmenschlichen Umgebung. Die Liebe zur Musik sicherte Aaron Stern das Überleben und genau das hätte diese Liebe fast zerstört. Die Autorin zeigt eindringlich, welchen Gewissenskonflikt der Zwang, täglich muntere Musikstücke zu spielen und dabei viele andere Menschen in den Tod zu begleiten, bedeutete. Machtkämpfe, um der eigenen Sicherheit willen, untergruben Mitgefühl und Selbstachtung. In dieser Zeit Mensch zu bleiben, bedurfte einer enormen Kraft.

Aaron zog seine Kraft und innere Stärke aus der Musik und dem Wissen, dass irgendwo draußen und hoffentlich auch in Sicherheit, seine Tochter Alma lebte und er für sie da sein wollte. Die Suche nach Alma bestimmte lange Zeit seinen Alltag. Wie ihm erging es vielen. Menschen verschwanden spurlos, Dokumente wurden vernichtet. Diese Ungewissheit, was aus den Vermissten geworden war, wiegt schwer und ist oft schwerer zu ertragen, als die Gewissheit über das Unabänderliche. Einen Toten kann man betrauern und mit dem Schicksal irgendwann eine Art Frieden schließen. 

Anders ist es, für immer in Ungewissheit zu leben. Die Hoffnung bleibt ein täglicher Begleiter und lässt die Seele nicht ruhen. Ich kann mir vorstellen, dass es ähnliche Schicksale wie die von Aaron, Leah und Alma gegeben hat. Manchmal geschah auch ein kleines Wunder, doch oftmals blieben nur zerplatzte Hoffnungen und zerstörte Familien zurück.

Auch nach dem Ende des Krieges, musste sich Aaron weiterhin mit Ablehnung und Anfeindungen herumschlagen. Ihm wurden immer wieder Steine in den Weg gelegt, die er mit eisernem Willen und der Unterstützung von Freunden überwinden konnte. Er fand einen Weg, sich ein neues erfülltes Leben aufzubauen. Die Ängste und verdrängten Gefühle aber blieben. Die Schatten der Vergangenheit lauerten weiterhin nah unter der Oberfläche. Aaron lernte mit dieser dunklen Seiten in seiner Seele zu leben, andere zerbrachen noch Jahre später daran.

„Alma“ ist eine eindringliche Mahnung, aus der Geschichte unsere Lehren zu ziehen, nie zu vergessen, was einmal war und eine Wiederholung niemals zuzulassen.

Um es mit den Worten von Ester Bejarano zu sagen: Möge der Roman etwas bewirken in Zeiten zunehmender Entmenschlichung.“

Samstag, 11. März 2017

*** Pixibuch-Challenge 2017 - Part 3 *** Nostalgie - Carlsen Verlag ***

Es wird Zeit für ein wenig Nostalgie im Rahmen der Pixibuch-Challenge.

 


Es macht unheimlichen Spaß, diese Bücher gemeinsam mit den Kindern zu lesen und noch einmal die Gefühle aus Kindertagen selbst spüren zu dürfen. Die von mir ausgesuchten Geschichten begeistern auch heute unsere Kinder, da sie uns auf ihre Art zeitlos mit auf ein Leseabenteuer nehmen.


Kennt ihr noch Urmel? Sicher kennt ihr ihn. Aber wisst ihr auch noch, wie Urmel zu Professor Habakuk nach Titwu gekommen ist? In "Urmel schlüpft aus dem Ei" erfahren wir, was damals passierte. So ein bisschen fehlte mir eine Erklärung, was ein Urmel eigentlich ist. Darüber kann man dann mit den Kindern sehr schön philosophieren.
Für die wenigen Seiten, die in einem Pixi zur Verfügung stehen, gibt es viel zum lesen bzw. vorlesen. Jede Menge farbenfrohe lustige Bilder lassen das Geschehen lebendig werden.

Pixi-Serie 215 / Nr.1949
Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-05044-1
D: 0,99 Euro


"Der kleine Esel" musste bei uns schon allein aufgrund des Covers einziehen. Niedlich und für mich als Mama Nostalgie pur, ist es ein wahrer Hingucker. Diese Bilder ziehen sich durch das gesamte Pixi. Da reichen auch die kurzen Textpassagen, die die Bilder untermalen.
Der kleine Esel möchte unbedingt groß sein und mit auf den Markt. Dafür übt er auch mit Hingabe auf zwei Beinen zu stehen und mit den Hufen zu schlagen. Jedoch ist es auf dem Markt nicht halb so toll, wie er immer dachte und der lange Weg sehr anstrengend. Am Ende lernt er, wie schön es ist noch Kind sein zu dürfen und zu spielen. Der Ernst des Lebens kommt früh genug.

Pixi Serie 218 / Nr. 1973
Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-05050-2
D: 0,99 Euro


Mittwoch, 8. März 2017

Rezension "Das verschwundene Buch: Die schönste Geschichte aller Zeiten" von Edward Berry - Sanssouci Verlag


Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Sanssouci (17. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990560271
ISBN-13: 978-3990560273
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 16 Jahre
D: 15,00 Euro






Inhalt:


Der erste Band einer neuen, großen Kinderbuch-Serie: »Eine wunderbare Hommage an jene unsterblichen Geschichten, die Generationen zum Träumen gebracht haben.«
EL PAÍS
Am liebsten streifen die Geschwister Alba und Diego durch ihre Heimatstadt Barcelona und suchen nach steinernen Drachen. Oder sie besuchen Tante Bea in ihrer Buchhandlung Abracadabra, die jede Menge Geheimnisse zu bergen scheint.
Eines Tages gerät die Welt der Bücher in tödliche Gefahr: Als die groß angekündigte Schönste Geschichte aller Zeiten in den Handel kommen soll, kann keiner sich mehr an den Inhalt erinnern und die Buchstaben fallen aus den Seiten, bis diese leer sind. Und in der Schule stellen die Kinder überrascht fest, dass in dem Buch "Peter Pan" Käptn Hook plötzlich eine Laserpistole an seinem Gürtel trägt, was sich niemand erklären kann.
Mit einem magischen Ritual gelingt es Tante Bea, Alba und Diego in Peter Pans Geschichte hineinzuschmuggeln. Und damit beginnt ihr größtes Abenteuer.
Die beiden kämpfen an der Seite ihrer Lieblingshelden Peter, Wendy und Tinker Bell gegen die Piraten. Aber wird es ihnen auch gelingen, den berüchtigten Medienmogul Mr. Zargo aufzuhalten, dessen Ziel es ist, die großen Meisterwerke der Literatur für immer zu zerstören?
Quelle: Amazon


Rezension:


Es gibt da ein Buch, das müsst Ihr unbedingt lesen.
Der granatrote Einband strahlt förmlich und die breite gelbe Bauchbinde verspricht "Die schönste Geschichte aller Zeiten". Es handelt sich um einen Prachtband in wertvoller Ausstattung, wie es noch nie zuvor ein Buch gegeben hat. Der Hype um dieses Buch ist um vieles größer als bei den Harry Potter Bänden. Die Leute stehen Schlange und sie können schon die Bücherstapel im Schaufenster bewundern. Die allgemeine Spannung wächst und dann passiert das Unfassbare....

Das Gefühl ist noch da, der Zauber noch greifbar, doch die Erinnerung an das Gelesene selbst liegt irgendwo verborgen im Dunkeln. Ihr möchtet den Titel dieses sensationellen Werkes wissen? Wartet, er liegt mir auf der Zunge. Es war..., das Buch heißt…. Alles weg. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Doch es kommt noch schlimmer. Niemand, der dieses Buch vorab lesen durfte, kann sich an den Inhalt dieses außergewöhnlichen Werkes erinnern. Nur die Autorin, die kann ich Euch nennen. Sie heißt Lucy Ferrier


Alle Buchseiten scheinen uns in ihrem strahlenden Weiß verhöhnen zu wollen. Nirgendwo sind Buchstaben oder Bilder zu sehen. Die Geschichte ist verschwunden.

Ihr meint, schlimmer kann es nicht mehr kommen? Doch, es ist passiert.
Alle anderen Bücher, unsere geliebten Klassiker sind vollkommen durcheinander geraten, die Geschichten wurden zerstört. Ob Pinocchio, Hobbit oder Die Schatzinsel. Nichts ist mehr so, wie wir diese Abenteuer kennen und lieben. Kapitän Hook fuchtelt mit einer Laserpistole in Nimmerland herum. Was da alles passieren kann.

Da hilft nur noch eines, eine Reise ins Nimmerland. Ich muss zu Peter Pan, ihn und die verlorenen Jungs retten. Zum Glück gibt es ja Alba, Diego und ihre Tante Bea. Tante Bea ist alles andere, als nur eine einfache Buchhändlerin. Ihr werdet schon sehen.

Gemeinsam begeben wir uns ins Nimmerland. Was für ein Abenteuer!

Seit heute gibt es auch verlorene Mädchen im Nimmerland. Glaubt es ruhig. Aber ihr müsst uns begleiten, sonst vergessen wir unsere Mission und verlieren uns selbst. Mein Tintenkleks wird auch immer kleiner, dabei brauche ich ihn noch, um wieder nach Hause zu finden. Ihr seht, alles gar nicht so einfach.

Ich möchte so gern noch bleiben, aber das geht ja leider nicht. Ich kann die Geschichte nicht reparieren und dann doch wieder verändern. Nein, alles muss seine Richtigkeit haben.

Doch was ist mit all den restlichen Büchern? Da warten noch viele spannende Abenteuer auf uns. Seid gespannt.


Der Sanssouci Verlag hat hier ein Altersübergreifendes Buch geschrieben, das uns bibliophilen Menschen direkt ins Herz geschrieben ist. Erinnerungen werden geweckt und Jugendbuchklassiker neu entdeckt. 
Peter Pan macht den Anfang, denn wir können die Fehler in der Geschichte doch nicht einfach so belassen. Oh Kopfkino! Ich habe da ganz viele Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren, welche Abenteuer wir alle noch erleben könnten. 

Kommt mit mir, erlebt zauberhafte Abenteuer und findet heraus, was es mit "Das verschwundene Buch: Die schönste Geschichte aller Zeiten" auf sich hat.


Sonntag, 5. März 2017

Rezension "Kellerkind" von Nicole Neubauer - Blanvalet Verlag




Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442383374
ISBN-13: 978-3442383375
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Er sagt, er kann sich an nichts erinnern. Doch an seinen Händen klebt Blut ...

Die erfolgreiche Anwältin Rose Benninghoff liegt mit durchschnittener Kehle in ihrer Designerwohnung. Im Keller des Hauses kauert der vierzehnjährige Oliver Baptiste, sein Körper mit Blutergüssen übersät, seine Hände blutverschmiert. Er kann sich an nichts erinnern. In einem klirrend kalten Jahrhundertwinter nimmt der Münchner Hauptkommissar Waechter mit seinem Team die Jagd nach dem Mörder auf. Doch bald verschwimmen die Grenzen zwischen Tätern und Opfern immer mehr, und die Ermittler stoßen auf ein altes Verbrechen, das nie gesühnt wurde, und das seine Schatten bis in die Gegenwart wirft ...
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Nicole Neubauer ist 1972 in Ingolstadt geboren und studierte englische Literaturwissenschaft und Jura in München und London. Nach zehn Jahren in einer Wirtschaftskanzlei arbeitet sie freiberuflich als Autorin, Rechtsanwältin und Lektorin. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern e.V.« und der »Autorinnenvereinigung e.V.«.

Nicole Neubauer lebt mit ihrer Familie in München im Herzen Schwabings.
Quelle: Amazon



Rezension:


Nicole Neubauer hat mit diesem Kriminalroman ein absolut großartiges Debüt vorgelegt. „Kellerkind“ wartet mit einem tollen Ermittlerteam und facettenreichen Charakteren auf. Hinter jeder Figur scheint eine eigene Geschichte auf die Leser zu warten. Die handelnden Personen werden intensiv und tiefgründig dargestellt. Das Team, der sympathische Hauptkommissar Michael Wächter und seine  Kollegen Hannes & Elli, hat Zukunftspotential und lässt auf viele weitere spannende Fälle hoffen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen stehen im Vordergrund der Ereignisse. Hier finden sich hinter schmucken Fassaden tiefe Abgründe.

Dabei lebt die Handlung nicht von sensationshaschenden Phrasen, ist eher ruhig, dafür auf der psychologischen Ebene fesselnd. Wir werden mit erschütternden Fakten konfrontiert, die sich nahe an der Realität bewegen und so für einen hohen Gänsehautfaktor sorgen. Als Leser ist man immer hin- und hergerissen, da der Hauptverdächtige auch derjenige mit dem für mich größten Sympathiefaktor war. Am Ende fügen sich die Handlungsstränge flüssig ineinander. Die Auflösung dieses Falles erschüttert und rüttelt an den Grundfesten unseres menschlichen Zusammenlebens.

Mit einer feinen Prise Humor gewürzt, wird „Kellerkind“ zu einer spannenden und unterhaltsamen Lektüre, die ich wärmstens empfehlen kann.

Freitag, 3. März 2017

Rezension "Schöne Mädchen brennen nicht" von Lynn Weingarten - FISCHER Sauerländer


Broschiert: 384 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (22. März 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Leo H. Strohm
ISBN-10: 3737353832
ISBN-13: 978-3737353830
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Suicide notes from beautiful girls
D: 12,99 Euro





Inhalt:


Ein Thriller über das abgrundtief Dunkle in jedem von uns

Delia bekommt immer, was sie will.
Besonders seit sie tot ist.
Sie bringt dich dazu, an allem zu zweifeln, was dir wichtig ist.
Bis du deine große Liebe für einen elenden Lügner hältst.
Und jeden anderen für einen Mörder.

Als June die Nachricht auf ihrer Mailbox endlich abhört, ist es längst zu spät: Ihre beste Freundin ist tot – verbrannt im Schuppen ihres Stiefvaters. Selbstmord, heißt es. Doch June weiß, dass das nicht wahr ist. Niemand kannte Delia besser als sie. Manchmal war es sogar, als könnte Delia ihre Gedanken lesen – und das konnte sich großartig anfühlen. Oder beängstigend – je nachdem, in welcher Stimmung Delia gerade war. June macht sich auf die Suche nach dem Mörder ihrer besten Freundin und findet immer neue Abschiedsbriefe von ihr …

Wenn jemand dich so gut kennt, dass er jede deiner Reaktionen vorhersehen kann – dann ist das Liebe. Oder der Anfang von etwas Grauenvollem.
Quelle: Amazon




Die Autorin:


Lynn Weingarten lebt in New York, USA, schreibt Bücher und ist selbst Verlagslektorin. Lesen und Schreiben sind ihre erste große Leidenschaft. Die Abgründe der menschlichen Psyche ihre zweite. Und am wohlsten fühlt sie sich, wenn sie alles miteinander verbinden kann.

Quelle: Amazon




Rezension:


Zwei Mädchen, eine zerbrochene Freundschaft und der Tod eines der Mädchen, der alles verändert. Doch so leicht, wie die Fakten aufgeführt sind, macht es uns die Autorin nicht.

Ist eine jahrelange Freundschaft wirklich einfach so vorbei und vergessen? Lauert da nicht unterschwellig ein Gefühl von Verlust und Bedauern, von schlechtem Gewissen, die andere im Stich gelassen zu haben? Wie geht ein Teenager mit diesen Gefühlssturm um?

June und Delia haben sich auseinandergelebt und gehen seit Jahren getrennte Wege. Delia, die bestimmende, die manipulative, ist in einem Feuer umgekommen. June, die feinfühligere von beiden kann nicht glauben, dass die ehemalige beste Freundin nicht mehr da ist. Einen Selbstmord traut sie Delia nicht zu. Dafür war diese viel zu lebenslustig und taff. Versucht jemand einen Mord zu verschleiern? Rasch sind die ersten Verdächtigen gefunden.

In ihrem Schmerz, verbunden mit Schuldgefühlen, macht sich June auf die Suche nach der Wahrheit. Als dann aber immer neue Abschiedsbriefe von Delia auftauchen, wird es verwirrend. Wer ist Täter, wer Opfer?

In Rückblenden durchleben wir die gemeinsame Zeit der beiden Mädchen, verfolgen die Entstehung ihrer Freundschaft bis hin zum Ende. Durch die wechselnden Ich-Perspektiven von June und Delia erlebt man deren unterschiedliche Gefühle und Beweggründe hautnah mit.

Eine wirkliche Sympathieträgerin gab es für mich nicht. Delia ist egozentrisch und intrigant. Dafür war mir die sensible June zu labil und wankelmütig in ihren Handlungen. Ich hätte mir von ihr mehr Rückgrat gewünscht, besonders da sie sich im dem vergangenen Jahr eigentlich abgenabelt hatte und inzwischen ein selbstbestimmtes Leben führte. Seit dem Feuer fällt sie in alte Muster zurück und wird erneut zu einer Marionette der toten Freundin.

Es geht um Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Manipulation und Verrat. Unerwartete Wendungen halten die Leser in Atem. Das eisige gewissenlose Kalkül einiger der handelnden Personen verursacht Gänsehaut.

Auch wenn sich zum Schluss die Puzzleteilchen zusammenfügen bleibt das Ende offen. June muss sich entscheiden. Doch welcher Weg ist der richtige? Wird es eine Entscheidung zwischen Leben und Tod oder kann sie auf ein Fünkchen Gewissen ihres Gegenparts hoffen? 



Es verbleibt ein sehr großer Raum für Spekulationen. Hierdurch war das Ende des Buches nicht wirklich befriedigend für mich. Eigentlich mag ich offene Enden, doch in diesem Fall blieben einfach zu viele lose Fäden in der Luft hängen. Dennoch ein in sich gelungener und fesselnder Jungendthriller.