Mittwoch, 31. Mai 2017

*** Pixibuch-Challenge 2017 - Part 5 *** Der kleine Medicus *** Prof. Dietrich Grönemeyer und Andrea Erne - Carlsen Verlag

Heute gibt es von mir wieder eine Buchvorstellung im Rahmen der Pixibuch-Challenge.


Prof. Dietrich Grönemeyer ist sicher vielen als Bruder von Herbert Grönemeyer, Arzt und Autor von "Der kleine Medicus" bekannt. Was vielleicht nicht jeder weiß, im Carlsen Verlag erschien in Zusammenarbeit mit Andrea Erne eine Pixi-Reihe zum kleinen Medicus.








Hier werden Kindern anschaulich und in Kurzform wichtige Details zur Ersten Hilfe, unserem Körper, Bewegung, Fit im Kopf und vielem mehr vermittelt.





Einen persönlichen Zugang zu seinen Lesern gewinnen die Autoren durch die kurzweilige Vorstellung ihres Helden, dessen Familie und Freunden. Untermalt mit ansprechenden und lustigen Bildern von Stefanie Scharnberg wirkt alles sehr lebendig. Es ist verblüffend, wie viele Fakten sich auf gerade einmal 32 Seiten tummeln können.




Prof. Dietrich Grönemeyers "Der kleine Medicus" ist nicht einfach nur ein Pixi-Wissen für Kinder, sondern bietet allen Altersgruppen grundlegende Informationen zu unserem Körper und mehr.
Diese Pixi-Bücher haben ein etwas größeres Format als die normalen Pixis und kosten daher 1,99 Euro.

Ich habe meinen Kindern vor kurzem das Büchlein über Bewegung geschenkt und wir haben viel über die darin enthaltenen Themen gesprochen.




Auf wenigen Seiten wird kompakt und leicht verständlich erklärt, wie unser Körper funktioniert. Große und kleine Leser erhalten viele Informationen zum Aufbau und dem Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Nerven. Wir lernen, wie wichtig viel Bewegung und gute Ernährung für unseren Köper ist.

Ein Rundum-Muntermacher-Drink-Rezept, Rätsel-/Quizseiten und ein Pixi Wissen Lexikon runden dieses kleine Nachschlagewerk ab.





Montag, 29. Mai 2017

Auslosung Gewinnspiel zu "Immer wieder im Sommer"


Zuerst möchte ich mich für all Eure lieben Kommentare bedanken. Ich hoffe, für jeden Einzelnen wird dieser Sommer ein Erlebnis und so, wie ihr ihn Euch wünscht.



Wir fliegen gleich zu Beginn der Sommerferien in den Urlaub und damit erfüllt sich für mich ein ganz großer Traum. Jetzt hoffe ich nur noch, dass alles gut geht und uns keine bösen Überraschungen bevor stehen.

Mein Glückselfchen hat ihren Zauberstab geschwungen und eine glückliche Gewinnerin ausgelost. Ich hätte das Buch ja jedem von Euch gegönnt...





Über ein signiertes Exemplar von "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog darf sich


Bianca


freuen.



Ich wünsche Dir viele schöne Lesestunden auf Amrun. Schick mir doch bitte noch einmal Deine Kontaktdaten, damit sich das Buch auf den Weg zu Dir machen kann.

Freitag, 26. Mai 2017

Rezension "Der Tote im Wiskey-Fass" von Ivy A. Paul - Dryas Verlag





Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Dryas Verlag (20. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940258555
ISBN-13: 978-3940258557
D: 10,50 Euro







Inhalt:


Als junger Mann verließ John Fallon Irland und kehrte nie wieder dorthin zurück. Nach seinem Tod reist seine Tochter Loreena auf die grüne Insel, um nach ihren Verwandten zu suchen. Kurz nachdem sie in dem Örtchen Badger´s Burrow angekommen ist, wird bei einer Veranstaltung eine Leiche in einem Whiskey-Fass entdeckt. Wie sich herausstellt, trug der Tote eine Visitenkarte ihres Vaters bei sich. Loreena ist alarmiert. Wie sollte ihr verstorbener Vater etwas mit dem Tod dieses Mannes zu tun haben können? Sie forscht nach und stößt dabei auf ein Netz aus Intrigen und Geheimnissen.
Quelle: Amazon




Die Autorin:



Beheimatet im schönen Augsburg und von großer Liebe für Irland und alles Irische geprägt, kam Ivy Paul die Idee zum Toten im Whiskey-Fass beim Genuss eines Glases Tullamore Dew.
Um Inspiration für ihre anderen Genres zu finden, siedet sie Seifen oder beobachtet ihre Hühnerschar.
Quelle: Amazon




Rezension:


Irland, die grüne Insel. Für mich immer wieder ein Land mit einer atemberaubenden rustikalen Natur, historisch geheimnisvollen Plätzen, vielen Legenden und einem Hauch Magie. Natürlich konnte ich diesem aktuellen Krimi aus dem Dryas Verlag nicht widerstehen.

Welche Kulisse würde sich auch besser dafür eignen, um diesen eigentümlichen Mordfall zu platzieren. Wiskey spielt eine sehr entscheidende Rolle, rückt dennoch nicht übermäßig oder in den Vordergrund. Vielmehr konnte ich einige interessante Informationen mitnehmen. Es gibt viel Raum für zwischenmenschliche Beziehungen und irische Eigenheiten.

Wo könnte man eher auf Indentitätssuche begeben und eine geheimnisvolle Aura schaffen, als zwischen den Hügeln Irlands? Loreenas Wurzeln liegen hier und sie hat eine ganz besondere Mission zu erfüllen. Gleichzeitig ist es eine Annäherung an ihre ureigene Familiengeschichte, denn viel mehr als den Familiennamen und Herkunftsort weiß sie von der Familie ihres Vaters nicht. Die Vergangenheit blieb immer ein wohl gehütetes Geheimnis.

Kurz vor dem endgültigen Abschiednehmen von ihrem liebsten Menschen, gerät unsere Protagonistin in einen kniffligen Kriminalfall. Schon bald ergeben sich merkwürdige Parallelen und Verbindungen zu Loreenas Vater und dessen Vergangenheit.




Auf ihrer Spurensuche trifft Loreena auf Mae. Diese hat mich mit ihrem skurrilen Wesen und irischem Temperament sofort für sich eingenommen. Herrlich unkonventionell steht sie ihr bei und mischt bei den Ermittlungen kräftig mit.

Die Schönheit der irischen Insel, die Herzlichkeit ihrer Bewohner und das besondere Wesen Irlands werden intensiv und bildlich beschrieben. Als Leser fühlt man sich direkt vor Ort. Dagegen wirkt der Schreibstil bzgl. der Handlung selbst recht schlicht und einfach. Die Ivy Paul beschränkt sich auf das Wesentliche und verzichtet auf übertriebene Gefühlsduseleien. Gerade dadurch entwickelt "Der Tote im Wiskey-Fass" für mich seine Anziehungskraft. Der spannende, gut strukturierte und durchdachte Plot verspricht mit seinen greifbaren Charakteren bis zur letzten Seite gute Unterhaltung.

Für mich ist "Der Tote im Wiskey-Fass" ein gelungener Krimi, der in vielerlei Hinsicht eine Spurensuche ist und mit seinem irischen Charme Lust auf eine Fortsetzung macht.

Sonntag, 21. Mai 2017

Rezension mit Gewinnspiel "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog - Rowohlt Verlag





Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 2 (22. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499291118
ISBN-13: 978-3499291111
D: 12,99 Euro





Inhalt:


Vom Mut, das Glück wiederzufinden.

Zweimal hat Anna ihr Herz verloren: Einmal an Max, doch die Ehe ging vor fünf Jahren übel in die Brüche. Und dann war da Jan ... die unvergessene Liebe eines Jugendsommers. Schon lange fragt sie sich, was aus ihm geworden ist. Als sie erfährt, dass er auf Amrum wohnt, beschließt die sonst so vernünftige Anna spontan, mit ihrem VW-Bus gen Küste zu fahren. Doch dann meldet sich ihre Mutter, zu der sie seit 18 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, mit schlimmen Nachrichten und einer großen Bitte. Am Ende sitzen nicht nur Anna und ihre Mutter zusammen im Auto, sondern auch ihre beiden Töchter - und Max ...

Ein Buch wie eine perfekt gepackte Strandtasche: berührendes Familiendrama, wunderschöne Liebesgeschichte und Road Novel.
Quelle: Rowohlt Verlag




Die Autorin:


Katrin Koppold hatte schon immer Spaß daran, sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Nach einem Abstecher in den Journalismus kehrte sie zur wahren Liebe Belletristik zurück und begann, Romane zu veröffentlichen. Als E-Book-Autorin hatte sie sich bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben, bevor sie unter dem Pseudonym Katharina Herzog mit "Immer wieder im Sommer" (Rowohlt Polaris) auf Anhieb den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Katrin Koppold lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Bisherige Veröffentlichungen:

Sternschnuppen-Reihe:
Aussicht auf Sternschnuppen
Zeit für Eisblumen
Sehnsucht nach Zimtsternen
Hoffnung auf Kirschblüten
Glühwürmchen im Bauch

Mondscheinblues (ein Spinoff der Sternschnuppenreihe)
Mitternachtstango
Zimtzauber
Liebe hoch 5 (Anthologie mit Adriana Popescu, Nikola Hotel, Katelyn Faith und Ivonne Keller)
Hochzeitsküsse und Pistolen
Immer wieder im Sommer (als Katharina Herzog)
Quelle: Amazon




Rezension:


Wir fragen uns oft, was wäre wenn.... Könnten wir die Zeit zurück drehen, würden wir vieles anders handhaben. Doch ob wir unsere Zukunft damit vorteilhafter gestalten würden, kann uns niemand sagen. Vielleicht wäre diese eine getroffene Entscheidung gravierend für unser weiteres Leben gewesen oder hätte dennoch nur eine kurze Periode im zukünftigen Verlauf beeinflusst. Handlungen erzeugen Gegenhandlungen und bewegen sich in einem unendlichen Kreislauf. Einmal falsch genommene Abzweigungen führen nicht gleich in einen Abgrund. Wir ziehen Lehren aus unseren Handlungen, können diese in der Zukunft anwenden und bestimmen so unser weiteres Schicksal. Aber dennoch stellen wir uns an verschiedenen Punkten des Lebens unweigerlich die Frage nach dem was wäre wenn...

Katrin Koppold schreibt hier als Katharina Herzog, ist aber ihrem mir bekannten Stil von Tiefgang, Humor und einer Portion Liebe treu geblieben. Ein klein wenig empfand ich die Handlung als Vermischung verschiedener Ideen anderer Bücher, die ich bereits gelesen habe. Dennoch hat dies nicht weiter gestört, denn "Immer wieder im Sommer" erzählt trotzdem eine eigene Geschichte mit liebevoll interpretierten Charakteren. 

Es geht um verlorene Träume und den Wunsch, die Vergangenheit zurück zu holen. Das Bedauern um verpasste Gelegenheiten und verlorene gemeinsame Jahre. 

Die Geschichte zeigt, dass wir schöne Gefühle oder Erinnerungen mit dem Lauf der Jahre in einer Art rosarotem Licht betrachten, diese aufrecht erhalten möchten und eines Tages erkennen müssen, das sie eben doch der Vergangenheit angehören. Mit Einzug des Alltags und zunehmenden Alter entwickeln wir Marotten, die der Partner und umgekehrt wir selbst an diesem, akzeptieren lernen sollten. "Immer wieder Sommer" zeigt uns, was Familie bedeutet. 

Sehr einfühlsam geht Katharina Herzog mit dem Thema Demenz um. Wir erfahren, wie es sich anfühlen muss, wenn einem die Erinnerungen entgleiten, aber auch wie dies Familienmitglieder und Außenstehende wahrnehmen. Die Autorin gibt uns einen kleinen Einblick in den schleichenden Verlauf dieser Krankheit und ihre Auswirkungen.

"Immer wieder im Sommer" ist eine berührende Geschichte, die ihre Leser packt und trotz ernster Frequenzen luftig frisch wie ein Sommerlüftchen durch die Seiten geleitet.

Und weil heute Sonntag ist, starte ich auch gleich ein Gewinnspiel für Euch.




Mit Unterstützung des Rowohlt Verlages ist es mir möglich, einen von Euch gemeinsam mit Anna, Max, den Kindern und Frieda nach Amrun zu schicken. Das heißt, ich verlose ein signiertes Exemplar (via Aufkleber im Buch) von "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog.

Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist mir hier oder via Facebook zu folgen und in einem Kommentar zu verraten, was ihr Euch für diesen Sommer wünscht. Wenn Ihr eine Mailadresse hinterlasst, erhaltet Ihr im Gewinnfall neben der Bekanntgabe auf dem Blog auch eine persönliche Mitteilung von mir.
Teilnehmen könnt Ihr bis nächsten Sonntag, 28.05.2017, 23.59 Uhr. Viel Glück.



Teilnahmebedingungen

  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberechtigten möglich.
  • Der Versand erfolgt nur innerhalb Deutschland, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass im Gewinnfall der Gewinner öffentlich auf dem Blog genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Das Gewinnspiel endet am 28.05.2017 um 23:59 Uhr.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Rezension "Für immer und Emil" von Nikola Hotel - Aufbau Verlag



Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (18. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746632129
ISBN-13: 978-3746632124
D: 8,99 Euro








Inhalt:


Ein Mann fürs Lieben

Leonie ist eine Powerfrau: Sie liebt ihren Job und hat Erfolg. Dann wird ihr vorgeworfen, die Geschäftsidee der charmanten Brüder Emil und Benjamin geklaut zu haben. Und zwei Stunden später hat sie Freizeit pur – eine Horrorvorstellung für Leonie. Sie muss unbedingt denjenigen finden, der ihr das eingebrockt hat. Der Einzige, der ihr helfen kann: Emil. Doch der hat sich aufs Land verkrochen. Und plötzlich steht Leonie offline zwischen Erdbeerfeldern und Kuhfladen und spürt: Ihr Herz klopft für Emil.
Quelle: Amazon





Die Autorin:


Nikola Hotel, 1978 in Bonn geboren, arbeitete zunächst als Krankenschwester, bevor ihr großes Interesse an Geschichte sie zum Schreiben brachte. Ihr Debüt »Rabenblut« wurde 2013 mit dem dritten Platz beim Autoren@Leipzig Award der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Seit dem großen Erfolg des heiteren Frauenromans »Fernsehköche küsst man nicht« ist sie ausschließlich als freischaffende Autorin tätig.
Nikola Hotel wurde 1978 als jüngste von zwei Töchtern in Bonn geboren. In ihrer Jugend streifte sie durch den Wald, staute Bäche und eroberte Dachsbauten. Bereits als Schülerin begann Nikola Hotel, erste Kurzgeschichten zu schreiben. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrem Mann und drei Söhnen in Hennef. Im Aufbau Taschenbuch liegen bisher ihre Romane „Jetzt oder Nils“ und „Für immer und Emil“ vor.

Besuchen Sie die Autorin im Internet unter
www.nikolahotel.de
www.facebook.com/nikolahotel
Quelle: Amazon




Rezension:


Nikola Hotel ist für mich ein Garant für abwechslungsreiche, charmant witzige Unterhaltung. Und auch mit "Für immer und Emil" hat sie meine Erwartungen voll erfüllt.
Ihre Protagonisten sind wieder voller Ecken und Kanten, mögen das ein oder andere Fettnäpfchen und bleiben dabei herrlich normal. Leicht überspitzt dargestellte Alltagssituationen sorgen für amüsante Kurzweil. Als Leser fliegt man nur so durch die Geschichte und das Ende kommt leider allzu rasch.

Erfolgreich im Beruf ist Leonie ein Workaholic und muss erst lernen, was wirklich wichtig ist im Leben. In der Powerfrau schlägt ein Herz, das sie nur allzu rasch an  Emil verliert. Es prickelt mächtig.
Neben den Hauptprotagonisten gefiel mir Leonies Putzfrau Olga am besten. Einfach zum Schießen.

Neben aller Unterhaltung weist dieses Buch viele Tiefen auf. Nikola Hotel hält uns ein gesellschaftliches Spiegelbild des Erfolgwahns und -drucks vor Augen, dem wir uns täglich aussetzen.  Es geht um Burn-Out, Diätenwahn und ist ein Hinweis darauf, das Tempo ein wenig herunterzuschrauben und sich auf das wirklich wichtige im Leben zu besinnen. Einfach einmal über die eigene Lebensqualität und vergessene Träume nachdenken. Dabei jedoch immer mit einem gewissen Augenzwinkern versehen, bringt die Autorin ihre Leser mehr als einmal zum Schmunzeln.

"Für immer und Emil" ist eine wundervolle freche, turbulente Sommergeschichte aus dem Programm des Aufbau Verlages.



Freitag, 12. Mai 2017

Rezension "Erntedank in Vertikow" von Frank Friedrichs - DichtFest Verlag






Taschenbuch: 302 Seiten
Verlag: DichtFest; Auflage: 1 (26. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3946937209
ISBN-13: 978-3946937203
D: 9,99 Euro






Inhalt:


Im beschaulichen Mecklenburger Dorf Vertikow wird eine alte Frau überfahren – ein Unfall, wie alle glauben. Alle bis auf Peer Wesendonk, den einzigen Zeugen. Der ehemalige Dorf-Organist sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl und fühlt sich nutzlos. Grund genug für ihn, den Fall zu untersuchen. Aber gibt es überhaupt einen Fall? Und lohnt es sich, deswegen in der Vergangenheit herumzustochern, sich mit dem halben Dorf zu überwerfen, und sein Leben in Gefahr zu bringen?
Quelle: Amazon




Der Autor:


1969 wurde ich in Hamburg geboren und bin bis zu meinem 38. Lebensjahr nicht weit von dort weggekommen. Gut, meine Kindheit und Jugend habe ich streng genommen in Schleswig-Holstein verlebt - aber nur einen Steinwurf von der Hamburger Stadtgrenze entfernt. Wenn ich so gut hätte werfen können.

Mit 25 zog es mich dann wieder in die Großstadt - endlich frei und unabhängig. Endlich jederzeit alles machen können. Endlich mitten im Leben. Gut, gemacht habe ich nicht wirklich viel, außer lange zu studieren (Germanistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, ein bisschen Psychologie, Alte Geschichte und Archäologie), ein Vokalensemble zu gründen und den Mann fürs Leben kennenzulernen. Okay, wenn ich das rückblickend betrachte, ist das doch eine Menge. Und vor allem sehr bereichernd.

Nichtsdestotrotz bin ich 2007 in ein winziges Dorf in Mecklenburg gezogen - endlich frei und unabhängig. Endlich jederzeit in die Natur gehen können. Endlich mitten im Grünen. Und in der Ruhe. Ehrlich: Die Hamburger ahnen gar nicht, wie viel Himmel es um sie herum gibt ...

Natur, Landleben, Idylle - das fließt auch immer wieder in meine Bücher ein.
Ja, Bücher. Ich habe schon mehrere geschrieben, die aber meiner Ansicht nach noch nicht auf die Leserschaft losgelassen werden sollten, ehe sie nicht ausgereift sind. Dazu zählen eine Fantasy-Trilogie und ein heiterer Frauenroman.

Vor allem aber meine neue Krimi-Reihe widmet sich diesem Thema. Sie spielt in einem fiktiven Dorf in West-Mecklenburg, nicht weit von meinem eigenen Wohnort. Und sie fängt jede Menge Mecklenburg ein: Natur, Landleben, Idylle ... und den typisch mecklenburgischen Menschenschlag, der es einem Ermittler nicht immer leicht macht, an Informationen zu kommen - vor allem, wenn der Ermittler der eigene Nachbar ist ...
Viele Infos zur Krimireihe, zu Vertikow, seinen Bauten und der Umgebung gibt es unter www.vertikow.de
Quelle: Amazon




Rezension:



Es entspannend, mal wieder einen Regionalkrimi zu lesen.

Beim Lesen entwickeln sich hier ganz andere Gefühle, als bei einem Krimi oder Thriller, der im Ausland spielt. Irgendwie erscheinen die Umgebungen und Menschen fühlbarer, vertrauter, selbst wenn man wie ich, nicht aus Mecklenburg kommt.

Frank Friedrichs nimmt uns mit in die Idylle des kleinen verschlafenen Dorfes Vertikow in Mecklenburg. Hier scheint noch jeder jeden zu kennen. Doch die Idylle trügt. Klatsch und Tratsch, Neid und Missgunst finden sich auch hier. Peer als zugezogener Städter findet nur schwer Anschluss an das Dorfleben. Durch seine Behinderung fühlt er sich noch ausgegrenzter als zuvor. Doch dann wird er Zeuge eines Mordes. Oder war es vielleicht doch ein Unfall? Anfangs vermischen sich hier Erinnerungen an seinen eigenen Unfall und das aktuelle Tatgeschehen.

Wir gewinnen während des Krimis einen Einblick in den Dorfalttag und lernen die einzelnen Bewohner von Vertikow kennen. Mit Witz und einer Portion Sarkasmus wird hier der noch immer in den Köpfen schwärende Konflikt zwischen „Ost“ und „West“, „Stadt“ und „Land“ aufgegriffen. Sicher wird so auch das ein oder andere Klischee bedient. Wobei ich immer das Gefühl hatte, dass diese vom Autor gewollt aufgegriffen wurden, um dem Leser einen Spiegel vorzuhalten. Die Situationen wirken sehr authentisch. 


Welche Geheimnisse verbergen die Dorfbewohner? Jeder scheint verdächtig.

Fast schon paranoid verfolgt Peer jede noch so kleine Spur. Gleichzeitig stellen die Ermittlungen eine Art Selbstfindungstrip für ihn dar. Nach seinem Unfall nunmehr auf einen Rollstuhl angewiesen, stellen sich ihm viele Hindernisse im Alttag in den Weg. Täglich muss er mit physischen und psychischen Belastungen kämpfen. Dabei ist Peer ein absoluter Egomane, der droht in Selbstmitleid zu versinken. Seine Frau ist ihm gefühlstechnisch zu nah, um eine wirkliche Hilfe zu sein. Fast könnte man annehmen, der Mord ist seine Rettung.

Die Dorfgemeinschaft wird durch die Ereignisse zusammengeschweißt und unser Protagonist findet zu einem neuen Selbstbewusstsein.

Wir klären mit ihm nicht nur einen Mordfall auf, sondern bewältigen auch Ereignisse aus der Vergangenheit. Unvorhergesehene Wendungen und der stellenweise recht ironische Unterton fesseln. Dabei entbehren die Schilderungen und einzelnen Beschreibungen nicht einer gewissen Poetik.
„Erntedank in Vertikow“ ist ein recht ruhiger Krimi, der dadurch aber nichts an Spannung einbüßt. Sprachlich ansprechend und flüssig zu lesen, verspricht er unterhaltsame Lesestunden.

Da es sich um einen Reihenauftakt handelt, dürfen wir uns auf weitere Verwicklungen, Intrigen und Kriminalfälle rund um Vertikow und seine Bewohner freuen.




Sonntag, 7. Mai 2017

Rezension "Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg" von Birte Müller - Verlag Freies Geistesleben




Gebundene Ausgabe: 247 Seiten
Verlag: Freies Geistesleben; Auflage: 1 (1. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3772527884
ISBN-13: 978-3772527883
D: 19,90 Euro







Inhalt:


Was passiert, wenn eine berufstätige Mutter zusätzlich zu ihrem Alltag mit ihrem behinderten Sohn Willi und ihrer hyperkreativen Tochter Olivia auch noch zwanghaft alle Kostüme selbst nähen und im Herbst 10 Kilo Kürbis einkochen muss? Dann verliert selbst eine Kontroll-Mutter mal die Kontrolle. »Wie schaffst du das bloß alles?«, wird sie oft gefragt. Aber die Antwort liegt auf der Hand: Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg!
Quelle: Amazon



Die Autorin:


Birte Müller wurde 1973 in Hamburg geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet. Schon als Kind verbrachte sie den größten Teil ihrer Zeit mit Malen, Basteln Häkeln und Geschichtenschreiben. Nach der Schule verschlug es sie eine Weile nach Australien, bis sie sich dazu entschloss etwas Unvernünftiges zu lernen. So studierte sie Kinderbuchillustration an der HAW in Hamburg. Zwischendurch studierte sie noch etwas freie Malerei in Mexiko und ihre Diplomarbeit musste sie unbedingt in einem winzigen Bergdorf in Bolivien machen.

Heute sind Birte Müllers Bilderbücher in über vierzehn Sprachen übersetzt und sie ist rund um den Globus bekannt für Ihre Lesungen und Workshops mit Kindern.

Ihre Illustrationen konnte man in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In-und Ausland sehen, z.B. auf der der Kunsttreppe in Hamburg, der Buchmesse in Bologna oder auf der Biennale in Bratislava.

Birte Müllers toller Sohn Willi kam 2007 mit dem Down-Syndrom zur Welt und ihre süße Tochter Olivia nur kurze Zeit später mit dem Normal-Syndrom. Seitdem erscheinen nicht mehr so viele Bücher von ihr.

Zusätzlich hat Birte Müller zum Glück auch noch einen VW-Bus fanatischen Ehemann, Eltern die ihr notfalls die Wäsche waschen, ein spießiges Reihenhäuschen, eine Vorliebe für Erdbeeren und zweitklassigen Fußball (sie ist St. Pauli Fan) und leider keine Zeit mehr zum Marathon laufen.





Rezension:


"...Mein behinderter Sohn Willi, der den Sinn und Zweck von Wettkämpfen (und von überflüssigen Wortschöpfungen) überhaupt nicht begreift, ist bei jedem Wettlauf einfach immer der, der am meisten Spaß hat!"

Birte Müller ist eine ganz normale Mutter, die nur das Beste für ihre Kinder möchte. Ihr Alltag ist wie der jeder Mutter und doch muss alles um vieles effektiver organisiert und geplant werden. Willi ist der Sonnenschein im Haus, verlangt aber auch ein großes Pensum an Kraft, Verständnis und Toleranz. Willi wurde mit Trisomi 21, besser bekannt als Down-Syndrom, geboren und sein Leben unterliegt vielen Einschränkungen, die sich auf seine Eltern und seine jüngere Schwester auswirken.
Doch hat er Eltern, die ihn lieben, wie er ist und ihn in seiner Entwicklung unterstützen.

"He, du sollst dein Kind doch so lieben, wie es ist!"

Birte Müller hat mit ihrem Buch eine wundervolle Liebeserklärung an ihre beiden Kinder vorgelegt. Sie beschreibt, wie sich ihr Leben und Denken durch Willi verändert hat, wie sich ihre Tochter unter dem Einfluss ihres großen Bruders zu einer sehr eigenständigen, willensstarken Persönlichkeit entwickelt.

"...denn bei Worten wie - Dann können Sie eben mit so einem Kind einfach nicht hierhergehen - könnte ich nur noch in Tränen ausbrechen. Manchmal kommt es mir so vor, als sei mit Willi eben gar nichts einfach und ganz besonders nicht das Nicht-Hierhergehen nicht..."

Es ist ein ehrliches Buch über die Höhen und Tiefen, die durch Willis Behinderung den Alltag der Familie prägen. Dennoch jammert Birte Müller nicht. Mit einer großen Portion Humor zeigt sie, wie schön, aber auch beschwerlich dieses Leben mit ihrem Sohn ist. Sie berichtet von Hoffnungen, falschem Ehrgeiz, Rückschlägen, Zweifeln, kleinen Freuden und ihrer tiefen Liebe zu beiden Kindern. Sich selbst betrachtet sie dabei häufig mit einem Augenzwinkern.
Es war für mich interessant mit ihr, ihrem Mann und den Kindern durch die Jahre zu gehen und zu beobachten, wie sich Sichtweisen und Handlungen mit den gemachten Erfahrungen verändern. Dieses Buch ist hoffentlich auch eine Hilfe, um Kinder wie Willi besser verstehen zu können und sich ihnen zu öffnen.

"Ich muss mich selten für Willis Verhalten rechtfertigen (für seine Existenzdagegen schon öfter),..."

Erschreckt hat mich, dass sich Willis Eltern nicht nur einmal dafür rechtfertigen mussten, dass Willi überhaupt zur Welt gekommen ist. Dies auch vor dem Hintergrund meiner letzten Rezension zu "Nebel im August". Hier wäre Willi als unwert zu leben eingestuft worden und eine Zukunft ungewiss bzw. nie möglich gewesen. Leider trägt unsere Gesellschaft dieses Gedankengut noch immer mit sich herum.

"Und ein Blick in Willis Augen lohnt sich immer, denn sie strahlen so schön!"

Ich selbst habe drei Kinder und liebe sie über alles. Bei keiner Schwangerschaft habe ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Wir hatten Glück und die Kinder kamen gesund zur Welt. Doch hätte ich auch nie eine Entscheidung gegen sie treffen können. Daran hätte das Wissen um eine Behinderung nichts geändert.
Als Außenstehender ist es da leicht zu sagen. "Ich hätte es wegmachen lassen." Birte Müller ist froh, dass Willi ihr Leben bereichert, auch wenn er ihr manchmal alles an Kraft abverlangt.

"Das Tolle an Willi ist ja gerade, dass er immer im Hier und Jetzt lebt!"

Manche Menschen fühlen sich durch Kinder oder Erwachsene mit Down-Syndrom gestört und zeigen für ihre Eigenheiten keinerlei Toleranz. Dennoch ist das Verhalten "gesunder Mitmenschen" oftmals wesentlich weniger akzeptabel. Hier nur ein kleines Beispiel:

Im letzten Jahr besuchten wir in Hamburg das Musical "König der Löwen". In der Reihe vor uns saßen vier Mittzwanziger und unweit daneben eine Gruppe von behinderten Jugendlichen (u. a. mit Down-Syndrom). Die Jugendlichen verfolgten aufmerksam und sichtlich gebannt die Vorstellung. Dagegen störte die andere Gruppe "normaler" Zuschauer die Vorstellung durch lautes Gequatsche, Albernheiten und Herumhampeln. Nun sagt mir, wer sich hier in der Öffentlichkeit nicht Gesellschaftskonform benommen hat.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es macht betroffenen Familien Mut. Zeigt, dass man nicht jeden Weg mitgehen muss, sich auf seine Kinder einlassen und sie dort abholen sollte, wo sie stehen. Kindererziehung - egal ob mit oder ohne Behinderung - ist kein Konkurrenzkampf.

"Manchmal brauchen Kinder auch einfach mehr Zeit, und es bringt gar nichts, sich vorher zu sehr verrückt zu machen"

Das Leben ist nicht immer fair, doch wir können es nach unseren Wünschen mitgestalten. Ein Weg ist, Menschen, die "anders sind" zu akzeptieren und uns vor Berührungen mit ihnen nicht zu fürchten.

Ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit kann viel bewirken und unser Leben enorm bereichern.

Montag, 1. Mai 2017

Rezension "Nebel im August" von Robert Domes - cbj Verlag




Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbj (12. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570403289
ISBN-13: 978-3570403280
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
D: 9,99 Euro





Inhalt:


Ungekürzte Textausgabe mit zahlreichen farbigen Filmfotos
Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von »Jenischen«, Zigeuner, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich – obgleich völlig gesund – in die psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird mit dem Stempel »asozialer Psychopath« als »unwertes Leben« aus dem Weg geräumt.
Quelle: Amazon




Der Autor:


Ich erzähle Geschichten, nicht mehr - aber auch nicht weniger.

Nach vielen journalistischen Texten erschien 2008 mein erster Roman "Nebel im August". Das Buch wurde mehrfach ausgezeichnet, war unter anderem nominiert für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Die Lebensgeschichte von Ernst Lossa zieht nach wie vor die Menschen in ihren Bann. Viele tausend Schüler haben das Buch im Unterricht gelesen. Und ihre Eltern und Großeltern waren mindestens ebenso berührt vom Schicksal dieses Jungen. Er wird in eine Irrenanstalt der Nazis eingewiesen und bekommt mit, dass dort die Patienten ermordet werden. Er weiß, die Mörder im weißen Kittel sind gnadenlos. Dennoch fordert er sie mit seinen bescheidenen Mitteln heraus. Ein kleiner Junge. Ein großer Held. Eine wahre Geschichte. 2015 wurde der Roman unter der Regie von Kai Wessel fürs Kino verfilmt. Der Film wird 2016 ins Kino kommen.

Im Frühjahr 2014 erschien mein erste Krimi "Voralpenphönix". Darin wühlt die Lokaljournalistin Olivia Austin tief in der Vergangenheit. Sie versucht herauszufinden, was hinter dem Feuertod eines alten Mannes steckt. Allerdings muss sie feststellen: Die Geister, die sie weckt, spuken auch in ihrer eigenen Familie herum. Seit erscheinen des Romans freuen sich die Leserinnen und Leser über einen Allgäu-Krimi der etwas anderen Art. Augenzwinkernd und frech, spannend und temporeich, überraschend bis zur letzten Seite. Aber lesen Sie selbst.

Kaum war dieser Krimi auf dem Markt, riefen die Leser nach einer Fortsetzung. Diese erschien unter dem Titel "Almwiesengift" im Frühjahr 2015. Diesmal hat es Olivia mit einem unheimlichen Giftmörder zu tun. Ihre beste Freundin Franziska stirbt bei einem Hexenfest an einem ominösen Pflanzengift. Während Olivia im Esoterik-Milieu recherchiert, ist der Mörder bereits hinter ihr her.

Robert Domes lebt mit der Schauspielerin Simone Schatz, zwei Kindern und zwei Katzen in Irsee im Allgäu.
Mehr über ihn unter: www.robertdomes.com
Quelle: Amazon




Rezension:


Worauf seid ihr besonders stolz, wenn ihr an eure Kinder und deren Entwicklung denkt?
Macht euch darüber bitte kurz Gedanken, bevor ihr weiter lest.
Ist es der Entdeckergeist, die Wissbegierde, der Übermut? Sind es die oftmals kleinen Schritte, die manchmal sehr viel bedeuten können? Oder ist es die schier unendliche Energie, mit der sie dem Leben entgegen stürmen? Später, wenn sie größer werden, der kritische Blick auf ihre Umwelt, Hilfsbereitschaft oder die unvoreingenommene Liebe, die sie uns entgegen bringen können?

Und nun überlegt einmal, wie es wäre, wenn all diese Wesenszüge als negativ, asozial, nicht passend, sogar als psychopatisch ausgelegt würden? Und dies alles nur, weil das Elternhaus nicht in ein Kastenschema passt.

Man mag es kaum glauben, möchte sich den Tatsachen verweigern und doch gab es eine Zeit, in der dies möglich war. Eine Zeit, in der Menschen willkürlich Wahrheiten dermaßen verdrehen konnten, dass ein völlig normales Kind, ohne jegliche psychischen oder physischen Gebrechen als unwert zu leben eingestuft wurde. Kinder aufgrund geistiger oder rein körperlicher Defizite ihr Leben nicht leben durften. Eine Zeit, in der sich Menschen über das Leben anderer erhoben und der Hippokratische Eid oftmals nur auf dem Papier bestand....

Wer mag sich erheben und entscheiden wollen, welches Leben lebenswert oder unwert ist? Nach welchen Kriterien mag man überhaupt eine derartige Entscheidung treffen wollen? Die Abweichungen von der "Normalität" mussten nicht einmal groß sein. Epilepsie, Taubheit oder einfach nur die "falsche" Lebensweise konnten über Tod oder Leben entscheiden. Depressionen gelten heute als Volkskrankheit. Zu Zeiten des Hitlerregimes hätte eine derartige Diagnose und ein daraufhin folgender Klinikaufenthalt leicht den Tod des Betroffenen bedeuten können.



Ernst Lossa wurde in diese Jahre des Hasses, in denen menschenverachtende Ideologien im Vormarsch waren, geboren. Ein Junge, dessen Leben bereits mit vier Jahren einen Weg beschritt, auf dem eine Umkehr kaum möglich war.
Ernst Lossa ist nur eines der vielen Opfer des Naziterrors. Sein Schicksal steht stellvertretend für all die Kinder, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, die unmenschlich dahinsiechen mussten, weggesperrt und systematisch ausgehungert oder mit Morphiumspritzen umgebracht wurden.

Erschreckende Realität ist, dass genau diese Tendenzen, dieses Gedankengut wieder aufleben und sich in den Köpfen der Menschen einnisten.

Ernst stiehlt wie eine Elster. Ein Verhalten, dass er erst im Heim entwickelte und ihm zum Verhängnis wurde. Er stiehlt nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Hunger und um seine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit zu stillen.

"Aber warum ist er böse, wenn er Hunger hat und Äpfel stiehlt? Warum ist es böse, wenn er einem der Idioten den Tabak wegnimmt? Der merkt es doch sowieso nicht. Oder wenn er ein Stück Butter mopst. Aber immer heißt es gleich, der Lossa ist böse, der ist asozial, der ist nicht ganz normal..."  

Nur in seinen ersten vier Lebensjahren durfte er erfahren, was Familie, Geborgenheit und Liebe bedeuten. Mit der Krankheit und dem Tod der Mutter zerbrach seine kleine Welt und auch der Vater verlor den letzten Halt im Leben. Doch bereits zuvor konnte dieser kleine Junge die Ablehnung und den Spott der Menschen spüren und musste lernen, was es heißt, in eine Schublade gesteckt zu werden. "Zigeuner!" wurden sie geschimpft. Und auch heute noch, wird dieses Wort verächtlich in den Mund genommen, um abwertend über Menschen zu urteilen.

Ernst wurde rein nach dieser Schublade beurteilt. Seine Taten nie hinterfragt, sondern als Charakterzug eines Zigeuners verurteilt. Dabei war sein Verhalten das eines ganz normalen kleinen Kindes, das die Welt und das Leben entdecken möchte. Eine Chance hatte dieser Junge nie.

Mit vier Jahren erscheint Ernst recht altklug, später mit vierzehn in seinen Gedankengängen eher kindlich naiv, dann wieder erschreckend weitsichtig. Aufgrund seines Heimlebens wurden der Horizont seiner Gedanken, seine Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt. Der Junge wurde nicht nur in seiner Lebensqualität beschnitten, auch in seiner geistigen Weiterentwicklung.
Er war ein Störfaktor, den es zu eliminieren galt. Ernst hatte zuletzt zu viel gesehen und begriffen. Er war ein unerwünschter Zeuge...

Ernst Lossa im April 1942 bei der Einlieferung
in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren
Quelle: Wikipedia

Obwohl ich den Ausgang der Geschichte, seines Lebens kannte, bliebt doch immer die Hoffnung auf eine Wende, die Hoffnung auf einen positiven Ausgang an meiner Seite. Der Wunsch nach einem Ende, das es nicht geben konnte. Die Geschichte zeigt uns hier in aller Deutlichkeit, wohin nationalsozialistisches Gedankengut führen kann und die Tendenzen sind heute leider wieder nur zu deutlich spürbar.
Wir mögen nicht an die Grausamkeiten der menschlichen Abgründe denken und doch gab und gibt es sie um uns herum. Sadistisches Gedankengut versteckt hinter der Fassade einer politischen Gruppierung.

Von der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt, aller Möglichkeiten einer individuellen Entwicklung beraubt, wurde Ernst von einem Heim ins andere geschoben. Niemand wollte ihn wirklich. Nur wenige Freundschaften durfte er in seinem kurzen Leben erfahren. Ernst war einfach nur ein kleiner Rebell auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit und seinem Platz im Leben.

Beim Lesen bildet sich mehr als einmal ein Kloß im Hals. Hoffnung, Wut und Trauer bilden eine Kaskade an Gefühlen, die ich beim Lesen durchlaufen habe.
"Nebel im August" ist ein Buch, das man vor allem mit dem Herzen liest, auch wenn es dabei zu zerbrechen droht.

Einen sehr fundierten Bericht zu Ernst Lossas Geschichte und einen kritischen Blick auf die Verfilmung des Buches findet ihr bei Arndt auf Astrolibrium.


Stolperstein Kloster Irsee verlegt am 16. Mai 2009
Quelle: Wikipedia