Dienstag, 14. November 2017

Rezension "Die Frau im hellblauen Kleid" von Beate Maxian - Heyne Verlag



Roman
Originalausgabe
448 Seiten, Taschenbuch
Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-42212-4
€ 10,99 [D] | € 11,30 [A] | CHF 15,50 (UVP)




Inhalt:


Wien. Marianne Altmann, einst ein gefeierter Filmstar, ist schockiert, als sie von Plänen ihrer Tochter Vera erfährt. Diese möchte einen Film über ihre Familie drehen. Marianne fürchtet, dass nun auch die Abgründe der Familie ans Tageslicht kommen könnten, und mit ihnen ein lange zurückliegendes Vergehen. Es reicht zurück ins Jahr 1927, als ihre Mutter Käthe in einem geliehenen Kleid am Theater vorsprach. Der Beginn einer beispiellosen Karriere – und einer verhängnisvollen Bekanntschaft mit Hans Bleck, der zum mächtigen Produzenten der Ufa aufsteigen sollte…

Beate Maxian lässt uns eintauchen in den Glanz der Wiener Theaterwelt, in die Abgründe der jungen UFA-Jahre, in die sepiagetönten Filme der Nach-kriegszeit und in die heutige Filmwelt.
Quelle: Heyne Verlag



Die Autorin:


Beate Maxian ist eine österreichische Autorin, Moderatorin und Journalistin mit bayerischen Wurzeln (geb. 1967 in München). Ihre Kindheit verbrachte sie in Bayern, Österreich und im arabischen Raum, sie lebt heute in Oberösterreich und Wien. Sie schreibt Romane, Kriminalromane und Kurzkrimis für Anthologien und Zeitschriften. Ihre in Wien angesiedelten Kriminalromane um die Journalistin Sarah Pauli haben eine treue Leserschaft erobert und sind Bestseller in Österreich. Beate Maxian erhielt das Stipendium des Literaturhauses Wiesbaden und wurde mehrfach für den Leo Perutz Preis nominiert. Des Weiteren ist sie die Initiatorin des ersten österreichischen Krimifestivals: Krimi Literatur Festival.at.
Quelle: Heyne Verlag



Rezension:


In jeder Familiengeschichte verbergen sich Geheimnisse. Oft wissen wir nicht einmal, dass sie existieren, manche bleiben für immer im Verborgenen, andere warten auf den richtigen Zeitpunkt, um wiederentdeckt zu werden. Käthes Geschichte beherbergt ein solches Geheimnis. Und genau das macht den Charme dieses Buches aus. 

Vier Generationen von Frauen, verbunden durch Liebe und Geheimnisse. 

Aus dem stillen zurückhaltenden und einfachen Mädchen Käthe wird ein schillernder Star am Theaterhimmel. Es ist wie die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling. Käthes Entwicklung zeigt ihre Stärken und Schwächen und doch bleibt sie sich am Ende immer treu. 
Ihre Lebensspanne in der Zeit des Zweiten Weltkrieges hat mich am meisten berührt und beeindruckt. Sie zeigt, in welchen Zwiespalt und welche Bedrängnis die Menschen unvermutet gerieten. Welche enorme Kraft und Mut es kostete, zu den eigenen Idealen zu stehen. Die Grenze zwischen Sicherheit und Ruhm zu Abhängigkeit vom Gutdünken anderer und der Gefahr des tiefen Falls, war nur ein schmaler Grat. Freundschaften schlugen unversehens in Feindschaft um. Intrigen, Neid, Missgunst und vor allem der Hunger nach Macht bestimmten über Leben und Tod. 

Marianne hat die innere Kraft und Sturheit der Mutter geerbt sowie die Liebe zur Schauspielerei. Man könnte sagen, sie liegt ihr im Blut. Marianne verkörpert all das, was wir uns unter einer Filmdiva der alten Schule vorstellen. Dabei ist sie unter ihrer rauen Schale ein liebenswerter Mensch.  Hier zeigt sich aber auch, wie tief verwurzelt Hass sein kann und dadurch Generationen von Familien überschattet.

Vera wirkt anfangs ein wenig steuerlos. Sie musste erst viele Fehlversuche hinter sich lassen, um ihre wahren Talente und Bestimmung zu entdecken. Es ist Beate Maxian sehr schön gelungen, aufzuzeigen, wie sich Vera aus dem Schatten der Mutter löst und zu neuem Selbstvertrauen findet.

Als letzte im Bunde der Altmann-Dynastie erleben wir Sophie. Sie verkörpert die moderne Jugend und doch blieb sie mir als Person zu blass. Der Plot um den jüngsten Spross dieser Familie neigt sich mir zu sehr ins Kitschige und bedient mehr als nur ein Klischee. Sie ist charakterlich sehr widersprüchlich. Einmal zielorientiert und dann wieder naiv und willenlos. Auch die Passagen hinsichtlich des Vater-Tochter-Verhältnisses waren ein wenig zu sehr von der Realität entfernt. 
Hier fühlte ich mich an die Heile-Welt-Filme der 50er/60er Jahre erinnert.

Ich finde es immer wieder spannend, hinter die Fassaden zu blicken. Unsere Vergangenheit ist unheimlich interessant, auch wenn uns nicht immer gefällt, was wir entdecken, können wir nur daraus lernen und die Welt dadurch ein wenig besser verstehen. Mit "Die Frau im hellblauen Kleid" können wir einmal wieder erkennen, wie sehr uns die Vergangenheit auch heute noch beeinflusst und generationsübergreifend ihre Auswirkungen spüren lässt.

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