Samstag, 13. Januar 2018

Rezension "Die Melodie meines Lebens" von Antoine Laurain - Atlantik Verlag




Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Atlantik (12. September 2017)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Sina de Malafosse
ISBN-10: 3455600522
ISBN-13: 978-3455600520
D: 20,00 Euro





Inhalt:


Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden … Humorvoll und mit feinem Gespür für Nostalgie erzählt Antoine Laurain von vergessenen Lieben, verlorenen Freundschaften und verpassten Chancen – die plötzlich neues Glück versprechen.
Quelle: Hoffmann & Campe



Der Autor:


Antoine Laurain arbeitete als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler in Paris. Er ist in Frankreich ein gefeierter Bestsellerautor. Mit Liebe mit zwei Unbekannten (Atlantik Verlag, 2015) gelang ihm der internationale Durchbruch. Auch sein Roman Der Hut des Präsidenten (Atlantik Verlag, 2016) war weltweit ein Erfolg.
Quelle: Hoffmann & Campe




Rezension:


Antoine Laurain steht für mich für feinsinnige, immer ein wenig überspitzte Literatur. Mit seinem ganz besonderen französischen Charme, war für mich bisher jedes Buch ein einzigartiges Erlebnis. Dabei konnte ich immer wieder in neue Welten eintauschen, denn keine seiner Geschichten glich der anderen.

Mit "Die Melodie meines Lebens" wird der Autor nostalgisch. Ich habe mich in vielen Momenten in meine Kindheits- und Jugendzeit zurück versetzt gefühlt. Welchen Träumen hingen wir mit Anfang Zwanzig nach. So viele Türen stehen uns in diesem Alter offen, so viele Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt. Welche Entscheidungen sind die richtigen, welchen Weg werden wir eines Tages beschreiten? 

Die Idee mit der verspäteten, eigentlich längst verschollenen Postzustellung, ist wunderbar. Öffnen sich so erneut viele Gedankenwege, um die Fantasie Purzelbäume schlagen zu lassen. 

Ist es falsch, lange in der Abstellkammer begrabene Träume ans Licht zu holen und diesen nachzujagen? Alain steckt in seinem Leben irgendwie fest. Er weiß, so kann es auf Dauer nicht weiter gehen und doch fehlt ihm die Kraft, eine Veränderung zu wagen. Dieser eine Brief und all die Möglichkeiten, die er einst versprochen hätte, wirken wie ein Aufwind. 

Vor vielen Jahren, trafen sich eine Handvoll Freunde in der Garage, um Musik zu spielen. Sie träumten von Ruhm und Erfolg im Musikbusiness. Was wurde aus den einzelnen Bandmitgliedern? Alain begibt sich auf die Suche nach seinen ehemaligen Freunden und der Demokassette. Noch einmal möchte er dem Song lauschen, der alles hätte bedeuten können. Doch wer hat die Kassette mit den Aufnahmen über so viele Jahre hinweg aufgehoben?

Die Bandmitglieder durchlebten sehr unterschiedliche Schicksale. Dabei scheut sich Antoine Laurain nicht, aktuelle politische Verwicklungen aufzugreifen.  Der Text ist gespickt mit viel Gesellschaftskritik und enthält eine Menge an Informationen, über die man im Anschluss einmal nachdenken sollte.
Aber auch die Liebe kommt hier nicht zu kurz. Antoine Laurain hat eine wunderbare, gefühlvolle Geschichte mit eingeflochten, die das Herz aufgehen lässt. Mit seinem speziellen Humor und ein wenig Melancholie blicken auf das Leben und die Möglichkeiten, die uns immer wieder eröffnen. 

Wie immer erscheinen die Ereignisse ein bisschen surreal und doch so nah an der Wirklichkeit. Bis auf den Schluss verbleibt das Geschehen größtenteils im "Es hätte so sein können"-Modus.

Am Ende überspitzt der Autor die Handlung, wie von ihm gewohnt, und lässt so das Gedankenkarussell weiter kreisen.



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