Mittwoch, 27. Juni 2018

Rezension "Über mir die Sonne" von Alessio Torino - Hoffmann und Campe Verlag

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Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (14. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455001475
ISBN-13: 978-3455001471
Originaltitel: Tina
D: 18,00 Euro






Inhalt:


Der eine Sommer im Leben, der alles verändert: Es ist heiß auf Pantelleria, flirrend heiß, und der letzte Sturm hat die Quallen in die Bucht getrieben, wo Tina sie jetzt eine nach der anderen aus dem Wasser fischt und auf den Beton wirft. Es ist der erste Sommer ohne den Vater. Die Mutter ist nach der Trennung mit ihren beiden Töchtern alleine auf die Insel gefahren. Zwischen Rosmarin und Kapernblüten, salziger Haut und sonnenverbrannten Gesichtern, glitzerndem Wasser und felsigen Buchten erleben Tina und ihre Schwester die Fatalität des Erwachsenseins. Alessio Torino erzählt auf einzigartige Weise von dem schmerzlichen Moment der Gewissheit, in dem wir erkennen, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Ein Roman über die Kraft des Verstehens und die Melancholie des Verlusts.
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Der Autor:


Alessio Torino, geboren 1975 in Urbino, debütierte 2010 mit dem Roman Undici Dedici. Für seine literarischen Werke wurde er u.a. mit dem Premio Bagutta Opera Prima, Premio Lo Straniero und dem Premio Letterario Metauro ausgezeichnet.
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Rezension:


Was wie ein leichter Sommerroman beginnt, geht schon bald in die Tiefe und verlangt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit von uns Lesern. Alessio Torino zeigt uns unter dem Deckmantel des schönen Scheins und einer atmosphärischen Urlaubslandschaft, die Schattenseiten im Leben seiner Protagonisten auf. 
Verkorkste Existenzen, verrückt, traurig, ruhelos, labil oder in Träumen gefangen, so treffen wir Menschen, die nach dem Sinn des Lebens oder zumindest einer neuen Perspektive suchen. Die Fassade, die alle aufrecht zu erhalten versuchen, zeigt schon bald die ersten Risse und beginnt zu bröckeln. Tina blickt hinter die aufgesetzten Masken der Erwachsenen und erkennt, mit dem offenen Blick eines Kindes, die Verletzlichkeit des Einzelnen. 

Anfangs locker und leicht, las sich dieses kleine Büchlein doch recht schwer, denn es gilt sehr viel Inhalt zwischen den Zeilen zu verarbeiten und zu sortieren. Inhaltlich mutet "Über mir die Sonne" auf den ersten Blick wie ein buntes Sammelsurium von gescheiterten Existenzen und Aussteigern an. Mitten drin steht Tina. Nach außen gibt sie sich burschikos, leidet aber still wesentlich mehr, als ihre Schwester am Auseinanderbrechen der Familie. Sie wird mit vielen Veränderungen innerhalb eines kurzen Zeitraumes konfrontiert. Tina bewegt sich auf einer Ebene irgendwo zwischen Kind und jungem erwachsen werdenden Mädchen. Dabei beweist sie eine Scharfsicht und einen Weitblick, den die Erwachsenen um sie herum vermissen lassen. Die Welt unterliegt einer ständigen Veränderung. Die einen sträuben sich dagegen, die anderen empfangen alles Neue mit offenen Armen. Um einen Neuanfang zu wagen, bedarf es allerdings einer großen Portion Mut. 

Alessio Torino verliert sich in Andeutungen, bleibt in seinem Text oft sehr vage und vieles bleibt im Dunkeln. Seine nur grob umrissenen Gedankengänge können alles oder nichts bedeuten. Er bringt uns dazu nachzudenken, über unser Leben, unsere Ziele, Träume und die Zukunft. 

"Über mir die Sonne" ist kein Buch für einmal kurz zwischendurch. Es ist anspruchsvoll, poetisch und lässt sich stellenweise nur schwer greifen. Dabei hinterlässt es eine nachdenkliche, ruhige Stimmung, die irgendwie auch befriedigend ist, obwohl oder gerade weil nach der letzten Seite noch immer viele Fragen zum Sinn des Lebens im Raum stehen.

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