Dienstag, 30. Oktober 2018

Rezension "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" und "Einladung zum Klassentreffen" von Martin Schörle - Engelsdorfer Verlag

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Taschenbuch: 119 Seiten
Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (6. Dezember 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3960084080
ISBN-13: 978-3960084082
D: 9,50 Euro







Inhalt:


Der kabaretteske Monolog »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich in seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen, Dienstverordnungen, statistischen Erhebungen zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist. Mit einer Lesung aus seinem Stück war Schörle 2008 beim Autorenwettbewerb »Perlen vor die Säue« im Literaturhaus Hamburg erfolgreich (2. Platz von acht Finalteilnehmern aus insgesamt rund 100 eingereichten Beiträgen). Das Stück wurde außerdem im Rahmen der »Hamburger Theaternacht« als offizieller Beitrag des Hamburger Sprechwerks von »Caveman« Erik Schäffler auszugsweise gelesen. - »Einladung zum Klassentreffen« In ihrer Schulzeit hatten Marina und Carsten eine Liebesbeziehung. Nach 20 Jahren soll ein Klassentreffen stattfinden. So meldet sich Carsten, einer der Initiatoren, auch bei Marina, deren Leben nach Schicksalsschlägen zeitweilig aus den Fugen geraten war. Die gemeinsame innige Zeit ist für sie längst Vergangenheit, ein Früher. Aber an Carstens Gefühlen hat sich anscheinend nichts geändert. Sein Anruf weckt auch bei Marina Erinnerungen. Das unverfänglich begonnene Telefonat führt beide in ein Wechselbad der Gefühle ... Inhaltlich eine Liebesgeschichte wagt das Stück den Spagat zwischen Komik & Tragik, Lachen & Weinen. »Einladung zum Klassentreffen« wurde vom Publikum beim Wettbewerb »Stücke Schießen - Neue Dramatik. Neue Autoren. Neue Theatertexte« der Theaterliga zum Gewinnertext gekürt und erreichte bei der Spielplanwahl 2012/2013 des Thalia Theaters Hamburg den 8. Platz.
Quelle: Amazon




Der Autor:


Ich bin 58, habe zwei erwachsene Söhne und lebe mit meiner Frau in der schönsten Stadt der Welt (Hamburg, meine Perle!). Nach dem Abitur habe ich die Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Schauspielerisch habe ich anfangs Kabarett gemacht und spielte von 1994 bis 2011 bei verschiedenen Amateurbühnen. Das Repertoire umfasste sowohl Komödien (z.B. "Ein seltsames Paar" von Neil Simon, verfilmt mit Walter Matthau und Jack Lemmon) als auch Dramen (z.B. "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert). Schreiberisch habe ich neben den beiden in meinem Buch enthaltenen Theaterstücken den Kurzkrimi "Schöne Bescherung" verfasst, der in der Anthologie "Gepfefferte Weihnachten" beim Leda-Verlag erschienen ist. Soweit es die Zeit erlaubt, gehe ich gern ins Theater oder zu Poetry Slams und mache Lesungen aus meinem "Beamtenmonolog"; des Weiteren betreibe ich Lauf- und Krafttraining.
Quelle: Autor über Lovelybooks




Rezension:


In diesem Buch erwarten den Leser zwei sehr unterschiedlich aufgebaute Theaterstücke. Für mich war es ein Experiment und eine interessante Erfahrung.

Das erste Stück ist eine Art Slapstick, das auf der Bühne mit dem an sich einzigen Darsteller steht oder fällt. Art und Ausdrucksweise wirken an vielen Stellen recht umständlich. Sie geben dadurch zwar das verschrobene Wesen des Protagonisten Fredenbeck sehr gut wieder, erschweren aber den Lesefluss. Es ist anstrengend, den einzelnen Gedankengängen und vor allem Gedankensprüngen zu folgen. Vielen Lesern eröffnet sich dadurch wahrscheinlich kein Zugang zum kompletten Verständnis des Inhaltes. 

Mal ironisch, sarkastisch, dann überspitzt bärbeißig und wieder tief in das Seelenleben von Fredenbeck blickend, ist das Stück ein Wechselbad der Gefühle. Stellenweise blitzt ein recht böser, schwarzer Humor durch, den ich partiell gewöhnungsbedürftig empfand. Doppeldeutigkeiten und eine überraschende Auflösung am Ende sind gut inszeniert. Fredenbeck ist eine Person, die entweder Sympathie und Mitleid oder Abneigung in den Lesern erzeugen wird. Bei mir überwog dann doch Letzteres. Er blieb mir fremd, auch wenn mich seine Unbeholfenheit dauerte. Gleichzeitig zog er mich an wie die Motte das Licht. 

Mit dem zweiten Stück "Einladung zum Klassentreffen" konnte ich mich schon nach den ersten Sätzen direkt anfreunden. Es ist der totale Gegenpart zu  "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten". Locker, leicht, ein wenig tiefgründig und mit einer angenehmen Portion Humor, ist es wie aus dem wahren Leben gegriffen. Als Leser findet man rasch in die Dialoge hinein. Die Protagonisten sind durchweg sympathisch. Unterhaltsam und mit Wortwitz leitet uns Martin Schörle durch dieses Theaterstück. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch das Leben und die Gefühlswelt seiner Hauptdarsteller.

Auch wenn das erste der beiden Theaterstücke nicht immer meinen Geschmack traf, gestaltete sich das gesamte Buch als interessanter Leseausflug.


Sonntag, 28. Oktober 2018

Rezension "Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus (Die 50er-Jahre-Trilogie, Band 1) " von Brigitte Riebe - Wunderlich Verlag - Rowohlt Verlag

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Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Wunderlich; Auflage: 1. (23. Oktober 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3805203373
ISBN-13: 978-3805203371
D: 19,95 Euro







Inhalt:


Wirtschaftswunder, Kaufrausch, Träume in Pastell - drei Schwestern und ein Kaufhaus am Ku'damm.
Der Auftakt der großen 50er-Jahre-Trilogie von Bestseller-Autorin Brigitte Riebe.

Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist…
Quelle: Amazon



Die Autorin:


Für promovierte Historikerinnen ist es nicht unbedingt typisch, dass sie historische Romane zu verfassen. Doch Brigitte Riebe, 1953 in München geboren, hat sich nach ihrer Tätigkeit als Lektorin genau dafür entschieden. Sie möchte, wie sie sagt, „Geschichte durch Geschichten erzählen.“ Ihr erster Roman, „Palast der blauen Delphine“, erschien 1994, zahlreiche weitere schriftstellerische Reisen in die Vergangenheit folgten. Inzwischen ist sie im 20. Jahrhundert angekommen mit "Marlenes Geheimnis" (Diana Verlag, 2017) und der Trilogie (Rowohlt/Wunderlich Verlag) über das Berlin der 50er Jahre: "Die Schwestern vom Ku'damm Band 1 - Jahre des Aufbaus".
Die beiden weiteren Bände folgen.
Zusammen mit Gesine Hirsch verfasst sie unter dem Pseudonym Felicitas Gruber die Regionalkrimis über die Giesinger Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth, bei Fans bekannt als "die kalte Sofie".
Riebe lebt als freie Schriftstellerin in der bayerischen Landeshauptstadt.
Quelle: Amazon


Rezension:


Ich kann Euch versprechen, mit "Die Schwestern vom Ku´damm: Jahre des Aufbaus" haltet ihr einen grandiosen Auftaktband dieser Trilogie in den Händen. 

Es ist wieder einmal ein Buch aus der Feder von Brigitte Riebe, aus dessen Welt ich nur ungern wieder aufgetaucht bin. Wenige Autoren verstehen es auf diese besondere Art und Weise - Orte, Begebenheiten und Gefühle - so nahe an die Leser zu bringen. Man ist nicht mehr nur Beobachter der Ereignisse, nein, man steckt mitten drin.

Wir tauchen ein in das Leben der Familie Thalheim. Dieser Name steht für ein großes Modekaufhaus, dessen Glanzzeiten mit den Wirren des Zweiten Weltkrieges untergingen und das durch die Bombardierung Berlins vernichtet wurde. Auch in der Familie Thalheim mussten die Männer in den Krieg ziehen und die Frauen kämpften zu Hause um das Überleben. Vertrieben aus ihrem Zuhause, hangelten sie sich mit viel Mut, Kampfgeist, Einfallsreichtum und Fleiß durch Kriegszeiten und die schwere Nachkriegszeit. Ohne die große innere Verbundenheit, Liebe und ihren ausgeprägten Familiensinn, hätten sie es vielleicht nie so weit geschafft.

Claire, die bis dahin leicht verträumte Französin, beweist wie viel Durchhaltevermögen und Kraft in ihr steckt. Flori, das Küken der Familie, wächst zu einem jungen Mädchen mit einem festen Willen heran, das die Welt mit offenen Augen betrachtet. 

Und dann sind da noch die beiden ältesten Thalheimschwestern. Auf den ersten Blick könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Wer aber genau hinschaut, entdeckt sehr viele Gemeinsamkeiten. Die beiden Schwestern ergänzen sie sich in vielen Lebenssituationen perfekt. 
Silvie, lebenshungrig und sprunghaft entdeckt nach vielen Wirrnissen ihre eigentlichen Talente und  überrascht am Ende sogar sich selbst. Rike, die Älteste, ist auch immer die Vernünftigste. Sie hält die Fäden zusammen, die für eine neue Zukunft der Thalheims stehen. Dabei ist es gar nicht so leicht, das Geheimnis, welches ihr aufgebürdet wurde, über schweren Jahre der Not und des Hungers für sich zu behalten.

Fast wie eine weitere Schwester lernen wir die Jüdin Miri kennen, die als `U-Boot` die Verfolgung in Berlin überlebte. Diese Bezeichnung kannte ich bisher noch nicht. Ihr großer Traum ist der Besuch und Abschluss einer Modeschule. Das Talent dazu hat sie von ihrer Mutter geerbt. Mit Miris Unterstützung scheint der Traum von einem neuen Thalheim-Modeimperium greifbar. 

Eines ist ihnen aber allen gleich, die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und einer eigenen Familie.

Neben der Familien- und Firmengeschichte der Thalheims erleben wir die schwierige Nachkriegszeit voller Entbehrungen in Berlin. Das Leben wird geprägt von den politischen Veränderungen, der mit Euphorie und zugleich Skepsis erwarteten Währungsreform und 
den erneuten Existenz- und Überlebensängsten während der Luftbrücke in Berlin. Und doch erleben wir auch die Hoffnungen und Träume der Menschen. Die Liebe, Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt. Wir können miterleben, wie sich die Welt verändert und sich die Wege in eine neue bessere Zukunft langsam öffnen.

Brigitte Riebe hat diese vielschichtige Atmosphäre der Nachkriegszeit perfekt eingefangen. 
Liebevoll entwickelte Charaktere und authentisch wirkende Dialoge ziehen die Leser in ihren Bann. Es ist das Leben selbst, das sich hier wiederspiegelt, unsere Vergangenheit.
 
Und dann dieser das Buch beendende letzte Part. Ich kann nur sagen - perfekt. Ich hatte Tränen in den Augen und ja, ich hätte so gern noch ein paar Kapitel länger bei den Thalheims ausgeharrt. 
Doch aus sicherer Quelle weiß ich, dass Band 2 bereits in Arbeit ist und wir uns auf weitere turbulente Abenteuer mit diesen beeindruckenden Frauen freuen dürfen.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Rezension "So dunkel der Wald" von Michaela Kastel - Emons Verlag

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Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Emons Verlag (15. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783740802936
ISBN-13: 978-3740802936
D: 18,00 Euro







Inhalt:


Eine klaustrophobische Welt aus Gewalt und Angst.

Ronja und Jannik führen ein Leben ohne Zukunft, seit sie als Kinder von einem gewissenlosen Entführer tief in den Wald verschleppt wurden. Eines Tages gerät die Situation außer Kontrolle, und die langersehnte Freiheit ist zum Greifen nahe. Doch was so lange ein Wunschtraum war, erscheint ihnen plötzlich fremd und beängstigend. Und die Jagd auf sie hat bereits begonnen.

Eindringlich und schonungslos führt Michaela Kastel in eine klaustrophobische Welt aus Gewalt und Angst. Ein Ausnahme-Thriller.
Quelle: Amazon


Die Autorin:


Michaela Kastel wurde 1987 in Wien geboren. Nach ihrem Abschluss an einer katholischen Privatschule studierte sie sich quer durch das Angebot der Universität, ehe sie das Studentendasein an den Nagel hängte und in die Buchbranche einstieg. Nach einigen Jahren bei einem großen Buchhandelskonzern wechselte sie in eine kleine, private Buchhandlung im dritten Wiener Gemeindebezirk, wo sie seither mit Menschen über Literatur philosophiert. Sie lebt in Wien.
Quelle: Amazon


Rezension:


Wälder sind etwas Besonderes. Im Sommer glitzert der Tau auf den Gräsern und helle sonnendurchflutete Lichtungen laden zum Verweilen und Träumen ein. Es ist ein Ort der Entspannung, so voller Mystik. Doch der Wald hat auch eine andere, bedrohliche Seite. Eng beieinander stehende Bäume, undurchdringliches Dickicht verwirren die Sinne, ziehen uns in einen dunklen Bann. Rasch hat man sich in den unendlich erscheinenden Tiefen des Waldes verirrt. Wälder sind seit Urzeiten ein gutes Versteck für dunkle Gestalten und ein Nährboden für gruselige Geschichten.

"So dunkel der Wald" ist eine dieser beklemmend düsteren Geschichten, die so nah an der Wirklichkeit spielen, dass man noch lange nach dem Ende gedanklich in ihnen verweilt. 
Es ist die Brutalität, die die Autorin ungeschönt auf uns wirken lässt, die Zerstörung, die völlige Abschottung und psychologische Zermürbung über viele Jahre hinweg, die einen Geist zerbrechen lassen. Bezeichnend hierfür sind die für uns Außenstehenden schwer zu begreifenden Handlungen der Protagonisten. Jahrelange Unterdrückung und Gewalt, haben das Urvertrauen in die Menschen zerstört. Die psychologischen Auswirkungen auf den Einzelnen sind unterschiedlich. Das komplette Ausmaß lässt sich nur erahnen. Ist nach einem dermaßen langen Martyrium ein normales Leben noch möglich? 

Die Autorin zeigt die Zerrissenheit, in der sich die Kinder bzw. Jugendlichen befinden. Wo liegt die Trennung zwischen Gut und Schlecht? Zwischen den Zeilen keimt immer wieder die Hoffnung, doch kann es ein gutes Ende hier überhaupt geben? Die Lösung von Michaela Kastel ist perfekt und nur allzu realistisch. Mich hat sie damit komplett überzeugen können. 
Dennoch existieren weiterhin einzelne lose Fäden, die mich auch nach dem letzten Satz beschäftigen. Neben Erleichterung ist da eine gewisse Traurigkeit, ein Bedauern, das sich breit macht.

Dieser Thriller zieht seine Leser in  ein düsteres, sich sehr real anfühlendes Szenario und berührt tief.

Montag, 1. Oktober 2018

Rezension "Revolution im Herzen - Die heimliche Liebe des Karl Marx" von Claudia und Nadja Beinert - Knaur HC

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Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Knaur HC (3. April 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426654334
ISBN-13: 978-3426654330
D: 19,99 Euro






Inhalt:


Der historische Roman zum 200. Geburtstag von Karl Marx von den Autorinnen Claudia und Nadja Beinert und gleichzeitig eine große Liebesgeschichte.
In Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon früh als Dienstmädchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.
Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx.. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel.
Mit tiefer historischer Kenntnis verweben die Beinert-Schwestern Fakten und Fiktion zu einem einfühlsamen Roman um eine geheime große Liebe.
Quelle: Amazon




Die Autorinnen:


Kennen Sie das Gefühl, Menschen "zu begegnen", die Sie magisch anziehen? Die ein besonderes Charisma besitzen und etwas Geheimnisvolles zu ergründen haben? Für uns geht dieser Zauber von historischen Frauenfiguren aus. Aktuell haben uns Margarethe Luther und ihr Einfluss auf den berühmten Sohn Martin Luther in den Bann gezogen.

Wir sind schreibende Zwillingsschwestern und berichten auf unseren Lesungen über unser schwesterliches Autorenleben, über unsere Romanhintergründe und Dinge, die uns während der Recherche ins Staunen versetzt oder zum Schmunzeln gebracht haben. Wir wollen unsere Roman-Epochen wirklich verstehen, die damaligen Denkweisen und gesellschaftlichen Normen wieder lebendig werden lassen.

Möchten Sie mehr über Luthers Mutter oder Uta von Naumburg erfahren? Dann schauen Sie doch auf unserer Homepage www.beinertschwestern.de vorbei.
Quelle: Amazon



Rezension:

...Meine liebe Jenny, ich schicke Dir das treue liebe Lenchen, als das Beste, was ich Dir schicken kann...

Wieviel Wahrheit in diesem Satz ihrer Mutter steckt, wird Jenny erst nach vielen Jahren erkennen.
Wer war Lenchen (Helena) Demuth? 

Die Geschichten um Karl und Jenny Marx oder Friedrich Engels hat sicher jeder schon einmal gehört. Im Leben dieser Personen spielte aber eine Frau eine wichtige Rolle, die gern übersehen wird - Helena Demuth, genannt Lenchen. Den Überlieferungen nach war sie sehr energisch, herzlich und die gute Seele im Hause Marx. Die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert haben mit diesem schonungslos offenen, aber herzlichen Roman das Leben von Lenchen recherchiert und bringen sie uns Lesern sehr nahe. 

Verbriefte historische Fakten vermischen sich gekonnt mit fiktiven Einschüben. Um einen flüssigen, aber nicht zu ausschweifenden Plot zu erhalten, wurden geschichtliche Daten stellenweise in schriftstellerischer Freiheit ein wenig verändert. Diese werden aber am Ende des Romans entsprechend erläutert und fallen dem Leser nicht auf. Das Buch ist ein Balanceakt, vor allem wenn man bedenkt, welch unterschiedliche Empfindungen allein die Person Karl Marx bei den Menschen auslöst. 
Karl und auch Jenny Marx waren Kinder ihrer Gesellschaft und des Rangs, in den sie hinein geboren wurden. Ihre Ideale, Hoffnungen und Bestrebungen für eine bessere Gesellschaftsordnung für alle kamen von Herzen, dennoch haben sie es selbst nie verstanden, mit den Ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln zu haushalten. Marx war ein Visionär und Träumer. Die Familie und vernünftige Entscheidungen standen hinter den Idealen seiner Arbeit zurück. Lenchen besaß die Vernunft und das praktische Wesen, das der Familie ein ums andere Mal das Leben rettete. Sie war klug, umsichtig und weltoffen. Ihr Arbeitsverhältnis wich rasch einer tiefen Freundschaft zu den Marxens. Auch nach ihrem Vertrauensbruch gegenüber Jenny, wussten alle, was sie mit Lenchen verlieren würden.

Mit 10 Jahren habe ich "Mohr und die Raben von London" gelesen. Inwieweit hier Lenchen überhaupt in Erscheinung tritt, müsste ich nun direkt einmal nachlesen. Ich gebe zu, mir war bislang nicht direkt bewusst, dass Karl Marx noch einen unehelichen Sohn hatte und dieser Aspekt ist sehr spannend. Auch hier verhielt sich die Familie entsprechend den hierarchischen Gepflogenheiten. Beim Lesen schwankt man immer wieder zwischen Sympathie und Verdammnis gegenüber diesem recht vielschichtigen Mann. In beiden Büchern wird sein Verhältnis zu seinem Sohn Musch aber ähnlich dargestellt. Und auch wenn ich wusste, welches Schicksal diesen kleinen, fröhlichen Jungen erwartete, litt ich mit der Familie und Lenchen mit. Marx war neben allen politischen Ambitionen ein warmherziger Ehemann und Familienvater. Gerade, wenn man sich das Familienschicksal vor Augen führt und die offenen Gefühle, die Marx aufgrund des Verlustes von Musch zeigte, ist es schwer zu verstehen, wie er sich seinem unehelichen Kind gegenüber verhielt. 

Die Autorinnen verstehen es hervorragend, die Gefühle der einzelnen Charaktere hervorzuheben. Es gibt nicht nur gut oder schlecht. Sie vereinen alle Wesenszüge in sich. Ich hatte das Gefühl, hier den wahren Marx gegenüber zu stehen, ungeschönt oder auf ein Podest erhoben. Er war ein Mann mit visionären Ideen, deren Umsetzung aber allein schon am angeborenen Egoismus des einzelnen Menschen scheitern musste. Er selbst war nicht frei davon. So bestritt er zum Beispiel den Großteil seines Lebens auf Kosten anderer und lebte überwiegend von geborgtem bzw. geschenktem Geld. 

In "Revolution im Herzen - die heimliche Liebe des Karl Marx" steht aber nicht Karl Marx alleinig im Vordergrund. Es ist Lenchens Blick auf die Welt und die Menschen um sich herum, den wir erhaschen dürfen. Wir lernen hier viele weitere Personen kennen und ich kann mir vorstellen, dass es diese zum Teil genauso wie dargestellt auch gegeben hat. Die Person Friedrich Engels zum Beispiel ist eine Art umstrittener Wohltäter dieser Zeit. Wir treffen ihn zwischen innerer Zerrissenheit, Arroganz und unerschöpflicher Freundschaft ohne einen Gegenwert zu fordern. Um seine Ziele zu erreichen, war er weitsichtig genug, seine Ideale auch einmal hinten anstehen zu lassen und die für sein Empfinden unangenehmeren Wege zu gehen. 

Eindringlich und warmherzig lassen uns die Beinert-Schwestern in das Leben von Lenchen und der Familie Marx eintauchen. Bedrückend leuchten sie das harte Leben der armen Bevölkerungsschichten aus, aber auch die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, die diese Menschen untereinander zu geben bereit waren. 

Es ist eine spannende Zeitreise, die mit viel Herz sowie bekannten und neuen geschichtlichen Fakten von Beginn an bis hin zur letzten Zeile fesselt.